so früh auf wollen! Zürn doch recht nicht, ich bin gleich zweg."
Mit dem Dorngrütbauer war nicht zu spassen, und wenn einer ein streng Regiment führt, so tut er alles eher als warten, das wusste Anne Mareili und hexete sich zweg, man wusste nicht wie, aber als es fertig war, rann ihm der helle Schweiss von der Stirne. Es kam ihm wohl, dass sein Gesicht das Schwitzen erleiden mochte, was bekanntlich nicht alle Gesichter vermögen, und dass es sich schicken konnte, ohne eben zu pfuschen, was eben wieder gar Wenige können. Das Letztere ist eine Eigenschaft, welche von Jugend auf erlernt werden sollte, und besonders von den Meitscheni, es fehlt aber gewöhnlich der Lehrmeister dazu. Ferner kam ihm wohl, dass es den Kaffee brühheiss trinken konnte, was aber eine Unart ist, welche bekanntlich fast alle Tochter von ihren Müttern lernen können, denn schon war der Vater fertig, nahm die Geissel und ging; das hiess so viel als: Ich fahre, wer mit will, kann zusehen.
Krieg macht flätig, der Friede lässig. Anne Mareili war getrüllet und hatte daher etwas von einem Soldaten an sich, der auch zweg sein muss und nichts vergessen darf, wenn die Trommel geht oder es heisst, der Feind sei da. Darum trüllet man die Soldaten im Frieden, und wenn getrüllet wird, so ist das eben nur Trüllen und nicht Kriegen. Freilich geschieht es oft, dass Trüllen für die Hauptsache angesehen wird und ein Trüllmeister für ein Hauptkerl, besonders wenn er similorige Epauletten hat und allfällig noch schreiben kann und Kolonne machen, auf dem Papier nämlich, im Kriege ist dann aber all nichts und ds Trüllen ist vergessen. Hat man doch schon oft während dem Trüllen von einem Tag zum andern Tag alles vergessen, was man befohlen hat oder was befohlen worden; wie sollte man dann nicht alles vergessen haben, wenn der Krieg kommt, wirket doch kaum was so eigen auf das Gedächtnis, als wenn es blitzt, als wenn es kracht. Und wenn das Hauptquartier mit dem schlechtesten Beispiel vorangeht, was darf man dann vom gemeinen Soldaten fordern? Die Haupttrüll ist aber immer die fürs tägliche Leben, wo Vater und Mutter die Trüllmeister sind; die ist nicht bloss gut fürs Gvätterle, die ist zu allen Dingen nutz; wer aber diese Trüll nicht empfangen hat, ist ein Lädi fürs Leben, ein Meisterlos, ein Zaaggi: soll er laufen, so hat er die Strumpfbändel vernistet, soll er schiessen, so hat er kein Pulver, oder hat er gar das Unglück, in die Regierig zu kommen, so macht er die Weibel tubetänzig, die Schreiber ds Teufels, die Geschäfte zu einer verhürschete Strange; dabei wird es ihm am Reden nicht fehlen, von wegen je mehr einer zaagget und hürschet, desto mehr redet er gewöhnlich und manchmal sogar schön.
Anne Mareili war gut getrüllet, absonderlich vom Vater, der für niemand Nachsicht und Geduld hatte; wer mit ihm fahren wollte, musste zweg sein; war er fertig, so sass er auf, und sass er oben, so sagte er "Hü!", und wer nicht fertig war, konnte nachspringen oder daheim bleiben. Bei ihm hätte noch manches Ding, Frau oder Tochter, das Schicken gelernt und das Springen.
Es war daher fertig, wunderbar schnell (oh, was die Meitscheni sich schicken können, wenn es sein muss nämlich, man glaubt es nicht); es hatte weder das Nastuch vergessen noch die Brasselets zu den Myten, welche es freilich erst auf dem Wege von der Küche zum Wägeli anzog; aber als der Vater absass, hatte es schon den Fuss auf dem Tritt, und in diesem Fall war er doch nicht Hungs genug, zu sagen "Hü!"; er wartete dann, bis man wirklich niedersass. Die Mutter trappete, trotzdem dass sie daheim bleiben musste, nach bis zum Wägeli; sie hoffte auf ein freundlich Abschiedswort von ihrem Alten. "Dass ihr mir dann heute fertig werdet mit Werchziehen", sagte dieser, "und spreitet es dann sogleich auf dem Moosacker, dass es aber gemacht sei, wenn ich heimkomme. Hü, Kohli!" Und nachdem er ein paar Male ausgeschlagen, zottelte endlich Kohli taubsüchtig seines Weges. "Er ist u blybt e Wüeste", brummte die Mutter und ging zur Küche; aber ob sie den Kohli meine oder ihren Alten, darüber erklärte sie sich nicht näher.
Ein wunderschöner Morgen war es, als vom Dorngrüt weg Vater und Tochter fuhren, einem verhängnisvollen Tage entgegen. Hell schien die Sonne, kohl war die Luft, in üppiger Mannigfaltigkeit glänzte die in reichem Taue perlende Erde, und nach und nach ward auch der Kohli heiterer und trabte munter von hinnen.
Es hat was Eigenes und wirkt auch eigens ein auf unser Gemüt, unserem Glück entgegenzutraben in frischem, hellem Morgenwinde. Mancher Fähnrich hat dies erfahren, der in den ersten Morgenstrahlen mit fröhlichem Trompetenklang seiner ersten Heldentat entgegenritt. Des Feindes Feldmarschall wollte er zusammenhauen in Mitte der Armee, wollte der Erste sein auf dem Mauerkranze, der Erste auf der feuersprühenden Batterie, und wie immer enger und enger das Herz sich zusammenzog, je näher die Stunde der Tat anrückte, wird er ebenfalls erfahren haben. Das Gleiche hat mancher Schütze erfahren, der lange von Bechern, Stutzern und Goldbarren geträumt, an schönem Morgen dem ersten Schiesset entgegenfuhr in grünem Kleide, im jubel der