ist. Er schmunzelte allemal, wenn einer sein Meitschi wohlgefällig ansah. Gäll, hättischs, dachte er; er empfand so eine Art Galgenfreude, wenn er sein Meitschi wie ein Stück Speck dem Mannevolk einen ganzen Tag lang durchs Maul ziehen und bei jedem denken konnte: Der nähms auch, aber ohä!
Ganz anders hat es ein alter Käusi, wenn er eine schöne junge Frau neben sich hat. Jeder freundliche blick, den sie erhält, geht ihm wie ein Stich durchs Herz; was haben die zusammen, denkt er allemal, wenn die einander nicht kennten, sie hätten sich nicht so angesehen, da muss etwas sein. So kriegt er lauter Stiche ins Herz, dass wenn dasselbe nicht wäre wie altes Händscheleder, dasselbe ganz verlöchert würde. Geht er aber ohne sie, so stechen ihn seine eigenen Gedanken, und alle Augenblicke muss er denken: Was macht sie jetzt?
Wen sieht sie jetzt? Wer ist wohl bei ihr, der Tüfels Täsche ? So wird er gestochen, er mag mit ihr fahren oder sie daheim sitzen lassen; geschieht ihm aber recht, ist Strafe für den Glust.
Anne Mareili freute sich gar unbeschreiblich, je unverhoffter und wie ausgemacht sein Glück, wie ein Engelein aus dem Himmel, ihm vor den Füssen stunde. Es hürschete in der Küche herum, dass die Mutter es daraus schicken musste; es kehrte in seinem Stübchen das Oberste zu unterst, und als es den Schaden umsah, hatte es lauter alte Rustig für morgen zweggelegt und alles, was es wollte, wieder in den Schaft getan. Es wollte nicht gäuggelhaft erscheinen, sondern so recht ehrbar und anständig, wie es sich ziemt. Das ist aber für ein Meitschi ein schwer Ersinnen, wenn es dieses nicht von Jugend auf seiner Mutter absehen kann.
Es ist wohl nicht bald etwas so schwer, besonders wenn es ersinnet werden muss und nicht angewohnt ist, als sich immer so zu kleiden, dass weder etwas Nachlässiges noch etwas Narrochtiges zum Vorschein kommt, dass jedermann sagen muss: "Das kommt doch tusigs brav daher, geng wie us eme Druckli use, nüt zviel, nüt zwenig." Gäb wie leicht ein Bändeli zviel, eins zu wenig, etwas Schmutziges oder etwas Glariges, etwas Zerrissenes oder Überflüssiges, so ist alle Mühe und Arbeit umsonst und man wird Schlärpli oder Gäuggel tituliert, und diese Titel werden weit häufiger ausgeteilt, als man glaubt, und an Mädchen, die sich das nicht träumen liessen. Es ist aber auch wirklich schön, ein himmelschreiend seiden Fürtuch und kuderige Strümpfe dazu, oder ein schöner weisser Lampihut mit Federn oder Lätschen vom Tüfel und ein blau oder weiss Band daran, das man mit keinem Stecklein anrühren möchte, oder schöne schwarzseidene à jour-Handschuhe bis an die halbe Hand, hinten an den Fingern goldene Ringe und vornendran Klauen wie ein Habch, oder eine goldene (wenigstens gelbe) Kette um den Hals und Dreck hinter den Ohren, oder á jour-Strümpfe und verkniepete Schuhe und gwunderige Ferseren. Es ist wirklich eine strenge Sache für ein Meitschi, eben recht in allem zu sein, zu machen, dass alles nicht bloss zusammen, sondern auch zu Zeit und Ort passt, dass es nicht zum Nachtmahl geht zum Beispiel wie ein Pfau, der zHimmel fliegen will, oder im Winter wie ein Sommervogel und schön himmelblau und schnadelig im gesicht. Aber am allerschwersten mag es doch sein, sich recht zu kleiden, wenn man auf die Gschaui reitet; wenn je, so passt hier ein alt Sprichwort: Zu wenig und zu viel verhöhnt alle Spiel. Eine alte Frau sieht scharf, sieht, was hinter den Ohren ist oder hier oder dort, was man nicht sehen soll, und eine alte Frau ist oft wunderlich, und wenn es der einen recht wäre, ist es der andern nicht.
Anne Mareili hatte einen natürlichen Sinn für das Rechte und die nicht zu kaufende Gabe der Nettigkeit; es stunde ihm alles wohl, es strahlte so gleichsam aus den Kleidern heraus, und doch sah man gar nicht, dass es angewendet, dass es gedacht: Helf, was helfen mag! Es war meist alles so, dass man meinte, es müsse so sein und nicht anders, es hätte gleichsam gerade so von selbst sich verstanden. Was ihm aber die Sache sehr erschwerte, war, dass es nicht kaufen konnte was es wollte, sondern dass ihm sehr viel Kleider kramsweise zukamen, bald vom Vater, bald von der Mutter; manchmal war es dabei, manchmal nicht, und weder der Vater noch die Mutter hatten je von Geschmack gehört, sie wussten nur, was steich und was wohl schmöck, und meinten, was sie schön düech, sei schön, und schön düechte sie, was himmelschreiend war oder was wohlfeil war und doch, wie sie sagten, in die Augen schien. So krameten sie manchmal, dass es Anne Mareili das wasser in die Augen trieb, während es schön danken musste. Und was sie gekramet, das musste es auch tragen, sie zürnten es sonst an ihm. Das Dümmste musste es einige Male tragen, dass die Eltern es sahen. Das tat es denn auch etwa als Gotte an einem Nebenausort oder in der Nähe herum, wo es wohl bekannt war, oder in der Familie, wenn es an irgend ein Mahl musste. Hatten sie es so gesehen, so vergassen sie es und es konnte sich desselben wie, der entledigen auf beliebige Weise.