solle er sie zu ihm schicken, er wolle sie dann brichten. Nein, da möchte er doch dann nicht so jemand hineinsprengen, dafür sei er noch lange zu gut. Er hätte schon manchmal können, wann er gewollt, aber o Jere, wenn er schon ein arm Mannli sei, so hätte er doch noch ein Gewissen und wohl noch ein besseres als mancher Reiche. Da solle er nur nicht mehr Kummer haben und ruhig schlafen; was er gemacht habe, sei gut gemacht, und wie gesagt, er wolle ihm gut sein für jeglichen Kreuzer, den er deretwegen sollte zu Schaden kommen.
Christen ging getröstet heim, tröstete sein Änneli, und einige Zeit lang blieb alles wieder still. Aber die Sache tauchte wieder auf und zwar ernster als früher, und neue Angst kam über die Eheleute. Nun ruhte Änneli nicht, bis Christen zu einem rechten mann ging. Der wollte lange mit der Sprache nicht heraus, sagte, er verstehe sich nicht darauf, hätte Die Schriften nicht gesehen, und fragte endlich Christen, er werde eine schriftliche Bevollmächtigung von der Gemeinde erhalten haben zu seinem Verfahren? "He nein", sagte Christen, "man hat mir gesagt, das sei nicht nötig, es werde alles eingeschrieben in den Gemeindbüchern, da könne man alles finden, und die Sache doppelt zu machen, trage nichts ab." "He nun" sagte der Mann, "wenn die Sache im Gemeindsbuch eingeschrieben ist, so kann es dir allweg nichts tun." Nun war Christen wieder getröstet, denn dass es eingeschrieben sei, zweifelte er gar nicht. Aber Änneli traute nicht so recht; er solle doch gehen und nachsehen, ob es denn wirklich drin sei, sagte sie. Brummend ging Christen und brachte Die Antwort heim, der Gemeindschreiber hätte gesagt, er hätte jetzt nicht Zeit nachzuschlagen, das gebe mehr zu tun, als so eine Frau glaube; aber er könne darauf zählen, dass alles, was erkannt worden sei, darin geschrieben stehe, er wisse wohl, was er schreiben solle oder nicht. Nun schien Die Sache wieder abgetan, und Christen sagte: Die Leute könnten seinetalben stürmen, was sie wollten, wenn einer das Gemeindebuch im rücken habe, so könne einem niemand etwas tun, und sollte es der Teufel selber sein.
Da schlich sich einer, welcher gerne insgeheim den Leuten die Haare zusammenband, aber dabei nie genannt sein wollte, an Änneli und vertraute ihm: Das sei gewiss nicht im Gemeindbuch, und es sei eine abgekartete Sache gewesen, Christen hineinzusprengen, und der Gemeindschreiber suche die Sache geheim zu halten und zu verdrehen so lange als möglich. Aber einmal müsse Christen doch zahlen, das sei fertig. Und es wäre besser, er wüsste das so bald als möglich, vielleicht dass er noch etwas aus dem Feuer ziehen könnte, wenn er zu rechter Zeit daran hingehe. Das waren alles lauter Donnerschläge für das arme Änneli, und um so härter trafen sie, weil sie nicht begriff, wie man da helfen könnte, als dass Christen vor den Gemeindrat gehe und ihm alle Schand sage und vor allem aus dem Gemeindschreiber, dass er ein Schelm sei und ein verlogener Kerli, und dass er von allem nichts wolle; sie könnten seinetalben sehen, was sie machen. Das würde wenig helfen, sagte da neue Ratgeber, aber Christen solle einen Auszug aus dem Gemeindbuch fordern, und wenn man ihn nicht freiwillig geben wolle, so solle er ihn richterlich fordern lassen, da werde sichs schon finden, was im Gemeindbuch stehe und nicht stehe.
So ging es auch, und nach vielen Umtrieben kam endlich Christen zu da Erklärung, dass vom ganzen Handel im Gemeindbuch kein einzig Wort stehe; von der Sache sei wohl geredet worden, aber Erkanntnis sei keine gegangen, man werde gedacht haben, es sei am besten, wenn man das dem Vogt überlasse, was er mache, sei ihnen recht. Somit war es entschieden, dass Christen fünftausend Pfund zahlen musste; erholen konnte er sich nirgends, und der, welcher ihn hineingesprengt, hatte die schönsten Ausreden und schob die Schuld auf Andere.
Ich weiss nicht, soll ich sagen: dieser Verlust traf die Familie wie ein Donnerschlag, der ihr Glück zerschmetterte, oder: dieser Verlust ward zum giftigen Wurme, der ihren Frieden nach und nach zerstörte. Es wäre nicht das Eine, nicht das Andere ganz richtig, denn es traf sie wohl der Schlag heftig, gewaltig, aber nach dem Schlage war der Wurm da und lebte giftig fort.
Fünftausend Pfund sind nichts für einen Kaufmann, er sieht derhalben nicht nebeume, wie der Bernerbauer sagt. Fünftausend Pfund liessen sich bei ihrem Vermögen leicht verschmerzen, setzten sie nicht einmal in augenblickliche Verlegenheit, wenn sie einige Zinsschriften wagten; ja wenn sie nur das vorrätige Geld zusammenmachten, den Spycher zur Hälfte leerten, so war alles abgemacht. Aber beim Landmann geht es nicht zu wie beim Kaufmann. Bei dem letzteren ist lauter Spiel: heute wird er getrümpft, morgen trümpft er wieder; eines Tages kann er Zehntausend verlieren, morgen Zwanzigtausend gewinnen, und bei jedem Verlust ist eben dieser Wechsel der Trost. Ganz anders ist es bei dem Landmann; da geht die Sache langsam aber stetig, kleine Verluste gleichen sich durch kleine Gewinnste aus, Fehljahre durch gute Jahre, und bei Fleiss und Sorgsamkeit und ohne grosses Unglück geht es langsam vorwärts. Und kommen grosse Unglücksfälle, geht ihm all sein Vieh in Boden