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nichts vom Anspannen. Johannes führte den Uli in seine Keller, und ds Elisi spazierte schön schwefelgelb vor dem haus auf der Tärasse, im Garten, ums Haus herum, die Handschuhe an den Händen, das Nastuch darin, spazierte hin und her, auf und ab, bis es endlich elf Uhr schlug. Da winkte es dem Uli und sagte: Sie müssten fort, er solle zwegmachen, es wolle gehen und sich anders an, ziehen; sobald es fertig sei, müsse er anspannen. Es ging fast eine Stunde, bis ds Elisi grasgrün wieder zum Vorschein kam. Und wer sass da prächtig in schokoladefarbener Seide (Donna Maria war noch nicht Mode), kostbar um und um, hinten Silber und vornen Gold? Es war Trinette, Trinette, welche die schwefelgelbe Pracht nicht sehen wollte und auf das grasgrüne Elisi gewartet hatte, um ihm zu zeigen, dass es dann auch noch Kleider hätte, wenn es sich zeigen wolle und wenn es schon noch nicht geerbt hätte und nicht mehr daheim sei. Ds Elisi wurde noch einmal so grün, als es die vor ihm sitzende Herrlichkeit sah, und brachte seinen Mund gar nicht auf zu einem Bonjour und der Frage nach dem Zahnweh. Hingegen Trinette tat wohl etwas schmächtig, war übrigens die Freundlichkeit selbst, wollte Elisi nötigen, heute (so grasgrün) noch dazubleiben. Als alle Bitten umsonst waren, erhielt die Stubenmagd Befehl, schleunig den Tisch zu decken und aufzutragen, gäb wie Elisi wehrte, weil sie erst dischiniert hätten.

Es war ein stattlich Essen da, das Beste, was das Haus vermochte, allein es schmeckte heute dem grasgrünen Elisi nicht halb so gut als gestern dem himmelblauen; sobald es Trinette ansah, stockte ihm der Bissen im Halse, selbst dem Johannes sein Neuenburger hatte heute einen ganz andern Geschmack als gestern. Es hatte keine Ruhe, bis angespannt war.

Als endlich angespannt, alles eingepackt war, ds Elisi im Sitz sass, wollte Uli vorauf, aber Johannes tat es nicht. Er solle doch nicht ein Narr sein, sagte er, sie werden da innen einander nicht beissen, nicht kräbeln, hingegen draussen regne es und sei unlustig. Sie sollten sich nur gut zusammenlassen, so hätten sie nicht kalt; man sei ja dafür auf der Welt, für einander zu helfen. Uli mochte wollen oder nicht, er musste hinein, und ds Elisi ruckte weg, drückte sich in eine Ecke und liess sich nicht hervor, bis sie weit ausser Frevligen waren.

Endlich hob es den Kopf auf und sagte, es sei froh, dass sie auf dem Heimweg seien; ds Bruders seien wüste Leute, er sei ein Grobian, ein Unflat, Trinette ein böses Mönsch, e halbe Narr. Die werden schön für den Hag hinaus husen. Sie könnten Beide wohl brauchen, aber nichts verdienen; was das Maul wolle, müsse gefressen, was den Augen gefalle, gekauft sein. Für die ledig zu bleiben, die es nur für einen Narren zu halten begehrten, dazu sei es nicht dumm genug, und sollte es einen von der Gasse nehmen, so wollte es heiraten, nur dass die keinen Kreuzer von ihm bekämen. Wenn einst Vater und Mutter gestorben seien und es noch keinen Mann hätte, so wüsste es wohl, wie es ihm ginge; die würden es eingänterlen, bis es murbe genug zum Erben wäre. Aber es sei ihnen noch zu schlimm und wolle dem Trini sein schokelaseidenes Tschöpli eintreiben. Eins, das hunderttausend Pfund erben könne, lasse so das Spiel nicht mit sich treiben. Auf den Reichtum brauche es nicht zu sehen, es vermöchte einen Mann zu erhalten, dass sie Beide gut haben könnten. Aber hübsch müsste er sein und frein, es wolle Freude an ihm haben können. Die Alten scheue es nicht, wenn es wüst tue, so könne es bei ihnen alles zwängen. Wenn es nume afe einer wollte, noch heute wollte es die Sache richtig machen, nume ihnen zTrutz. Nit, es hätte bereits gar Manchen haben können und sie alle abgewiesen, sie hätten ihm nicht gefallen. Aber jetzt meine die Göhle, es wolle gar Keinen und es dürfe sich niemand mehr an ihn es lassen. Wenn es vornen anfangen könnte, so machte es es ganz anders; es nähme den Erstbesten, so riskierte es wenigstens nicht, dass es für den Hag hinaus käme. So redete ds Elisi aus seinem ingrimmigen Herzen und rückte immer mehr aus seiner Ecke hervor und sagte: "Uli, du musst nit so schüch sy!" Kurz, aus lauter Täubi wurde ds Elisi unter dem Fusssack recht zärtlich; bloss den Kopf hielt es, solange es Tag war, in angemessener Entfernung. An dem Städtchen liess es vorbeilenken und bestimmte einen unbedeutenden Ort zum Füttern. Uli ward es bei dem allem wunderlich zumut; indessen vergass er nicht, dass seines Meisters Tochter neben ihm sitze, machte von ihrem Gerede keine besondere Anwendung auf sich und von allem Näherrücken keinen Gebrauch, trotz der Aufforderung, nicht so schüch zu sein.

Diesmal bannisierte ds Elisi Uli nicht zu einem aparten Schoppen nebenaus, sondern liess gleich eine Halbe für sie Beide bringen und dann etwas auf einem Teller, und dann schien ihm dieser Wein noch nicht gut genug, sondern es befahl vom mehbessern und dem Kohli noch ein Immi, liess sich da zBoden wohl sein und sorgte dafür, dass es dem Uli und dem Kohli nicht übler sei. Der Erstere musste Hammeschnittli