hätten gar wohl Platz nebeneinander, sie seien ja Beide noch nicht so dick wie der Vater und die Mutter, und die müssten doch auch Platz haben. Die Mutter sei auch nicht immer so dick gewesen wie jetzt, sie hatte manchmal gesagt, sie sei zu ihrer Zeit noch dünner gewesen als es. Es werde ihm auch schon bessern; der Doktor hätte ihm schon manchmal gesagt, wenn es einmal einen Mann habe, so werde es schon wieder rote Backen bekommen. Es sei das schönste Kind gewesen, wo man hätte sehen wollen. Die Leute seien allbets bei ihm stillgestanden und hatten die hände ob dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: "Nei aber, wie ist das doch ein Kind! So ein schönes haben wir noch nie gesehen!" Es besinne sich gar wohl daran. Noch wo es ins Weltschland gekommen sei, sei nit mengs schöners Meitschi im Kanton gsi. Backen hatte es gehabt wie gmalet und eine Haut so glatt, man hätte sich können darin luegen wie in einem Spiegel. Wenn es allbets sys Gitarrli an einem rot und schwarzen Bändel umgehängt habe und vor dem haus auf und ab spaziert sei und schöne Lieder gespielt und gesungen habe, zum Beispiel"Im Aargäu sy zweu Liebi, und die händ enandere gern" oder "Üsi Chatz und ds Herre Chatz hei enandere bisse," so seien ganz Kuppele Weltsch um es gestanden und hätten ihm flattiert; es hätte nur brauchen Ja zu sagen, so hätte es zehn für einen haben können von den Vornehmsten, wo im Weltschland seien, und so schön, so schön, dass man hier nichts so sehe. Das seien dort andere Leute als hier. Da sei es aber krank geworden und hätte wieder heim gemüsst, und da sei man gar wüst gegen ihn es gewesen; es hätte arbeiten sollen wie öppe eine gemeine Baurentochter, und Speise hätte es brauchen sollen, so wie sie andere Leute auch hätten, wie sie aber kein Hund im Weltschland fresse, der leicht meisterlosig sei. Seiter hätte es, es könne es wohl sagen, keine gesunde Stunde gehabt, aber es werde ihm schon noch bessern. Darauf erzählte ds Elisi seine ganze Krankengeschichte dem Uli; die dauerte, bis sie das Städtchen vor sich sahen, wo ds Elisi noch kramen wollte.
Da liess es halten und sagte dem Uli, es regne nicht mehr er solle wieder voraufsitzen, die Leute würden sonst nicht wissen, was das gegeben habe, dass es mit dem Knecht im Schesli hocke, und könnten ihm einen wüsten Lärm machen, den es nicht begehre. Das stach Uli in die Nase, und schweigend setzte er sich vorauf. Im Wirtshaus machte sich ds Elisi ganz breit, liess sich nicht übel aufwarten, nachdem es doch auch an Uli gedacht und befohlen hatte, dass man ihm einen Schoppen gebe und etwas Weniges zu essen, öppe es Mümpfeli Fleisch und es Brösmeli Gchöch, und ass nur vom Besten. Rindfleisch nahm es keins, deren hätten sie daheim alle Tage, sagte es, und vom Gemüse, dass es deren keins gegessen, seit ihm der Herr erlaubt, es treibe ihm den Bauch gar auf, und vom Kalbfleisch wollte es wissen, dass es zu fett mache, und im Weltschland in den Häusern, wo man leicht vornehm sei, esse man gar keins. Hingegen den Fischen, Tauben, Hähnelinen sprach ds Elisi munter zu, als ob es gedroschen hatte. Es kramete tüchtig und sagte in jedem Laden, es wolle seinen Knecht schikken, die Sache zu holen. "Wo ist mein Knecht?" fragte es, sobald es wieder im wirtshaus war. "Mein Knecht muss mir das holen, mein Knecht soll anspannen." So ging es an einem fort, bis sie endlich wieder zum Tor aus waren.
Kaum dachte Elisi, nun könne vom Städtchen aus sie niemand mehr sehen, nicht einmal mehr der Sigrist im Turm oder der Landjäger im Schloss, so zog es ein rotes Nastuch hervor und sagte Uli, es hätte ihm auch etwas gekramet, er solle sehen. Er begehre nichts, sagte Uli, er könne es sonst machen. "So sieh doch," sagte Elisi. Er hätte nicht Zeit, sagte Uli, er müsse auf das Ross sehen. Er solle halten und hereinkommen, befahl Elisi. Er sei wohl da, sagte Uli, es könnte es ja jemand sehen. "Bist höhn, Uli? Bis doch recht nit höhn," sagte Elisi. "Was kann ich dafür? Üserein muss tun, was dr Bruch ist, we me nit will vrbrüllet werde. Gmein Lüt heis gar chumlig, es git niemer druf acht, was si mache; sie chönne mache, was es sie achunt, es seit niemere nüt, aber üsereim passt alles uf. Bis doch recht nit höhn, sunst han ih kei Freund meh!" So bat, befahl, jammerte, weinte endlich Elisi, bis Uli hineinging, aus Angst, Elisi möchte etwas Ungattlichs anfangen. Nicht weit von Frevligen hielt er aber von selbst und wechselte stillschweigend seinen Platz.
Frevligen ist ein grosses Dorf in ebenem land, reich an Feldern und Wäldern; eine Heerstrasse zieht sich durch dasselbe und schöne Bäche bewässern es, viel Reichtum ist dort, aber auch viel Übermut. Die Leute können notdürftig lesen und schreiben, haben Bildung, darum sind sie auch grenzen, los einbildisch. Weil sie vom A bis Z alle Buchstaben geläufig kennen, so meinen