wird man ihn der geheimen Eigennützigkeit zeihen und verdächtige Absichten ihm zudichten. Die unwillig gewordenen Knechte begnügten sich daher nicht mit blossem Fluchen und Sticheln, sondern sie suchten nach den Triebfedern von Ulis Tun, und die glaubten sie mit leichter Mühe gebunden zu haben. Sie wüssten wohl, was der Narr meine, aber er habe den Bären noch nicht im Sack. Er wolle sich wert machen, hätte Flausen im Gring und meine, da Bauer zu werden. Aber das komme nicht nur auf das Schlärpli an und die alte Stürme, da predige dann noch ein Anderer. Diesem allgemeinen Satz reihten sie eine Menge Einzelheiten an, und jeder wusste neue dazuzufügen samt neuem Spott und neuem Hohn.
Neunzehntes Kapitel
Eine Tochter erscheint und will Uli bilden
Ds Elisi hatte nämlich grosses Wohlgefallen an Uli und tat recht dumm mit ihm.
Schon im Winter hatte es dasselbe gefasst, und wenn des Sonntags nachmittags Uli allein in der stube war, so machte sich Elisi an ihn, kramte ihm alles aus, und er musste raten und bewundern, so dass es Uli recht erleidete, in die stube zu kommen. Die bessere Jahreszeit unterbrach diese Konferenzen, da bekam ds Elisi Längizyti. Es hatte ein halb Dutzend Blumentöpfe. Die hatten bisher monatelang ruhig an einem Ort stehen können, wenn Vreneli sie nicht der Sonne oder dem Regen nachtrug. Nun waren sie ihm nie am rechten Ort. Uli stunde selten vom Essen auf, dass ds Elisi ihm nicht sagte, er müsse ihm seine Meienstöcke fürerstragen, das Vreneli trüge gar keine sorge zu ihnen, es liesse sie je eher je lieber zugrunde gehen. Und selten kam Uli so schnell fort, als er wollte; er musste bald an diesem, bald an jenem schmökken, und wenn er fort wollte, so kam es Elisi in Sinn, an einem andern Ort wären sie noch besser, und er musste sie noch einmal weitertragen und noch an einem schmöcken, welcher das vorige Mal übersprungen worden war. Sassen die Knechte am Abend auf dem Bänkli vor dem Stalle, so kam Elisi mit einer Giesskanne zum Brunnen und tat so ungeschickt und schüttete sich wasser in die Schuhe, bis Uli ging und half, während die Andern tapfer lachten und ziemlich unverhohlen über das Schlärpli spotteten. Regnete es oder waren ihm die Meien sonst nicht im Kopf, so trippelte es doch da herum, ja einigemal nahm es sogar eine Lismete in die Hand und spazierte damit den Schopf auf und ab, weil es seine kalten Füsse erwärmen müsste, wie es sagte.
Ja einmal im Emdet legte es sein Schaubhütli auf, zog lange Handschuhe an, schob zwei Paar Bracelets daran herauf, nahm sein Sonnenparesöli und ging hinaus, als sie mit dem Wagen Emd holen wollten. Uli musste ihm einen Rechen auslesen, und nun fuhr Elisi, mit der einen Hand das Sonnenparesöli haltend, mit der andern den Rechen, in die Matte sich schrecklich gebärdend über den harten Sitz auf dem Wagen und dessen jämmerliche Stösse. In der Matte wollte es Uli, der Heu auf den Wagen gab, nachrechen, das ging aber nicht. Erstlich fing sich ihm der Rechen immer im Grase, dass es ihn nicht loskriegen konnte, zweitens konnte es nicht rechen und zugleich das Paresöli halten, und die Sonne schien doch so heiss! Elisi setzte sich daher auf den Wagen mit seinem offenen Paresöli. Es war eine schwere Aufgabe für den Lader, den Wagen gehörig zu laden bei dem darauf sitzenden Elisi, das kein Glied machen konnte, das, wenn es etwas Platz machen sollte, Brülle ausliess, dass es den Schwalben, welche den Wagen umflogen, fast gschmucht wurde. Er musste es hin- und herheben samt seinem Paresöli wie ein kleines Kind. Ringsum in den Matten stunden die Leute still, als sie das Parisöli auf dem Heufuder sahen, wussten zuerst nicht, was das war, denn so etwas hatten sie noch nicht gesehen, und lachten sich dann fast tot, als sie unter dem Parisöli auch das Elisi wahrnahmen. Als das Fuder höher und höher wurde, war es in einem beständigen Kreischen und wollte doch nicht herab. Als es auf dem schwankenden Wagen heimfuhr, hörten die "Herr Jeses, Herr Jeses! Ach heit mih, heit mih dr tusig Gottswille!" nicht auf. Endlich war man glücklich im Tenn, aber nun fing die Not erst an. Elisi durfte weder hinten dem Wellenseil nach hinunter noch vornen über das Fürgstütz. Der Vater und die Mutter kamen heraus, als sie das Geschrei hörten, und als die Letztere ihre Tochter mit dem Parisöli schreiend auf dem Fuder sah, sagte sie: "Du Tüfels Göhl, was kommt dir doch in Sinn? Hat man unser Lebtig e sellige Göhl mit dem Parisol uf enem Heufuder gesehen?" Joggeli begehrte mit der Mutter auf, dass sie jetzt hintendrein balge; sie hätte vorher wehren sollen, dass es nicht gehe, jetzt mache sie ihm nur Angst. Diese war in der Tat gross. Uli hatte hinten ans Fuder eine Leiter angestellt, und Elisi sollte auf die hinaustreten und da hinunter. Aber Elisi stunde zitternd auf dem Fuder, das offene Parisöli in der Hand, und allemal, wenn es den Fuss hob, schrie es: "Herr Jeses, Herr Jeses! Heit mih, heit mih, ih fallen abe!" Endlich sagte Joggeli: Das tue nichts so, Uli solle hinauf und Elisi holen; es sei aber dumms von ihm, dass er Elisi