tiefe Graben im Boden, die nachher wieder zugedeckt werden, welche das wasser sammeln und abfuhren, so dass die Oberfläche austrocknet und fruchtbar wird. Solchen Tonen hat man viele tausend Jucharten gutes Land zu verdanken, und noch viele konnten sie gut machen. Freilich können sie nur da angewendet werden, wo Fall ist. Das kam Joggeli aber zu streng vor. Sie wollten doch nicht alles auf einmal machen, sagte er, es sei das andere Jahr auch noch ein Jahr. Und dann sei es Zeit, das Dreschen anzufangen, sonst werde man ja bis Ostern damit nicht fertig. Wenn man Zeit finde, so könne man im Frühjahr sehen, aber alles zunteroben z'gheien, sei ihm nicht anständig. Es gebe nur Kosten und man wisse nicht, was dabei herauskomme. So redete er. Bei sich dachte er noch, die Leute müssten doch nicht meinen, dass dem Uli alles allein in Sinn komme und dass man in der Glungge nur auf ihn gewartet habe, um solche Sachen zu machen. Der Bursche würde ihm nur zu übermütig, er mache jetzt schon, wie wenn alles sein wäre und wie wenn vor, her niemand da daheim gewesen wäre. Ja Joggeli rühmte noch den andern Knechten: Was sie wurden gesagt haben, wenn sie noch den ganzen Winter hätten tonen müssen? Uli hätte wollen. Er aber hätte es doch besser mit ihnen gemeint, als sie hinter eine solche Arbeit zu reisen, wo alle Kleider drufgingen. Uli könne notti nicht alles zwängen, er sei selbst immer noch Meister und das komme ihnen noch manchmal wohl. Er hätte noch mehr Verstand als Mancher, der es doch eigentlich mit ihnen halten sollte. Begreiflich fanden die Knechte die Rede des Meisters sehr erbaulich.
Alle Extraarbeiten sind den meisten Knechten zuwider, weil die laufende Arbeit doch getan, also strenger und fleissiger gearbeitet werden muss. Gar manch Knechtlein verlässt seinen Platz, wenn es eine solche Arbeit kommen sieht. "Machen sie es meinetalb, wenn ich fort bin," sagt es, "ich aber wollte ein Narr sein, mich da halb zu töten und meine Kleider drufzumachen. Da kann ein Anderer den Schleck haben." Diese Sucht, nichts Ungewohntes zu machen, geht so weit, dass Viele, wenn sie nur die geringste nicht täglich vorkommende Arbeit machen sollen, den Kopf aufsetzen, poltern, fluchen, aus dem Dienst laufen. Daher kommt es auch, dass so Viele die geringste Handbietung dem weiblichen Geschlechte verweigern und nie Ohren haben für einen Befehl oder Wunsch der Meisterfrau. Das gibt die Leute, die nicht aus dem Trapp zu bringen sind, die sich nie weder anstrengen können noch anstrengen mögen, die mit der gelassensten Lauheit dem Elend zuwandern, im Elend sich wälzen. Allerdings sind viele Meisterleute da daheim, dass sie mit wenig Diensten das Unmögliche erschinden wollen. Und wie das Kamel sich weigert, aufzustehen, wenn man ihm zu schwer aufgeladen, so wer, den übernutzete Diensten halsstarrig und weigern sich des Dienstes. Diesen kann man es nicht verübeln. Nun aber verbreitet sich von diesen aus die Halsstarrigkeit nach und nach über die ganze Klasse, und wenn einmal ein Dienst schwitzen muss, so schreit er Zetermordio, und wenn er einmal ermahnt wird, schnell zu machen, sich zu schicken, so wirft er den Bündel vor die Füsse und begehrt auf wie ein Häftlimacher. Du mein Gott, was soll aus Menschen werden, die sich nicht schicken können, nicht schicken wollen, die, wo es immer möglich ist, vier Stunden an einer Sache machen, welche in zwei leicht abzutun wäre! Das gibt die armen Leute. Sie strafen sich also selbst, und da erwahret sich das Sprüchwort wieder, dass Untreue den eigenen Herren schlägt. Da entsteht die böse Gewohnheit, von der wir schon gesprochen haben, und die Rührigkeit, welche durchs Leben hilft, vergeht.
Gar viel besser als Andere waren Joggelis Knechte nicht, und wenn man schon dem Meister es verübelt und flucht und täubelet, wenn er etwas extra vornimmt, so mussten sie es dem Mitknecht noch weit böser aufnehmen, dass er eine so wüste Arbeit ihnen aufsalzen wolle. Sie fluchten nicht nur über den Werchteufel, den er im leib habe und der ihm und Andern nie Ruhe lasse, sondern sie suchten hinter seinem Fleiss und Eifer, der ihnen so ungewohnt vorkam, Gründe, und zwar eigennützige und selbstsüchtige. Es ist dies ein eigentümlicher, tiefliegender Zug im volk. Im Fragenbuch heisst es, alle unsere guten Werke seien mit Sünden befleckt, und Paulus sagte, all unsere Gerechtigkeit sei wie ein unflätig Kleid. Diese Aussprüche haben allerdings ihren guten Grund in unserer natur. Gar zu oft regt der äussere Nutzen uns zu einer guten Tat an, und wenn wir auch aus innerm, schönem Triebe etwas Gutes vollbracht, so kommt hintendrein gezogen die Eitelkeit, der Stolz und Übermut und beschmutzt die Tat. Das sind die Befleckungen der guten Werke. Nun nimmt das Volk diese Befleckungen, obgleich die Meisten der eigenen sich nicht bewusst sind, so allgemein als sich von selbst ergebend an, dass alsobald, sobald man etwas Gutes sieht, nach den Flecken gespürt wird. Und je weniger man sich selbst innerer guter Triebfedern bewusst ist, um so mehr sucht man nach den äussern Befleckungen, nach eigensüchtigen, äussern Beweggründen, die zum Guten angespornt. Je eifriger einer zum Beispiel der Uneigennützigkeit sich ergibt und mit raschem Hervortun für Andere lebt, um so eifriger