sagte Uli, doch nicht in einem bösen Ton. Alles annehmen, das wolle er nicht, aber zuletzt sei es ihm graglich, zu bleiben. Er hatte halt auch schon den allgemein angenommenen Grundsatz, dass man es nie zeigen dürfe, wenn einem an etwas gelegen sei, indem sonst der Gegner Vorteil daraus ziehe. Daher die merkwürdige Ruhe und Kaltblütigkeit, die Diplomaten an Bauern bewundern müssten. Es ist aber in seiner Ausdehnung und Anwendung ein heilloser Grundsatz, der unsäglich viel Böses stiftet, unzählige Menschen auseinanderbringt, sie gegenseitig als Feinde gegenüberstellt und wiederum Kaltblütigkeit da erzeuget, wo heiliger Eifer brennen sollte, und aus der Kaltblütigkeit eine Gleichgültigkeit macht, welche jedem Freund des Guten unwillkürlich Gänsehaut den ganzen rücken aufschnadern lässt. Glücklicherweise war der Meister auch kaltblütig und nahm die Sache nicht so übel, sondern sagte, ihm seis auch gerade so. Er hätte nichts wider Uli, aber so dabeisein wolle er auch nicht. Es nähmte ihn wunder, wer gefehlt hätte und ob er in seinem haus nichts mehr sagen dürfe, wenn er nicht eine ganze Woche kein gutes Wort hören und ein Gesicht sehen wolle, mit dem man ganz Amerika vergiften könnte? Er könne nicht helfen, sagte Uli. Sauersehn sei seine Freundlichkeit, und wenn er ein apartig Gesicht gemacht habe, so sei es nicht seinetwegen gewesen, er hätte apartig über ihn nicht zu klagen und über niemand sonst. Aber er sei halt auch ein armes Knechtlein und sollte nirgends sein und keine Freude haben; er sollte nur auf der Welt sein, um bös zu haben, und wenn er einmal sein Elend vergessen wolle und sich lustig machen, so käme alles auf ihn los und suche ihn untern zu drücken. Wer ihn ins Unglück sprengen könne, der tue es. Da könne man nicht immer süss dareinsehen.
Er sollte doch sehen, dass er ihn nicht begehre ins Unglück zu sprengen, ds Gunteräri, sagte der Meister. Wenn ihn jemand ins Unglück sprenge, so sei er es selbst. Wenn ein Bursche sich mit schlechten Mädchen abgebe, so sei er sein eigener Unglücksstifter und niemand anders. Er wisse wohl, es tröste sich jeder damit, es treffe ihn nicht, sondern einen Andern; aber einen treffe es immer, und wenn einer auch siebenmal entronnen sei und ein Anderer statt seiner im Lätsch geblieben, so gebe es ihn zum achten Male, er solle nur darauf zählen. Aber solang er nicht darin sei, lache er alle aus und sage allen wüst, die ihn davor warnen; und wenn er einmal darin sei, so sollen alle daran schuld sein, und er sage wiederum allen wüst, dass sie ihm nicht davor gewesen seien. "Aber gell, Uli," sagte der Meister, "es ist dir diese Woche schon angst genug gewesen, es hätte dich im Lätsch. Ich habe wohl gesehen, wie du vor jedem Weibervolk geflohen bist und hinter allen Zäunen Anne Lisi gesehen hast. Und deine Angst hast du dann uns und unser Vieh entgelten lassen, nach Art so vieler Diensten, die allen Zorn und alles Ungerade, das ihnen über den Weg läuft, an den Meisterleuten oder an ihren Sachen, an Kühen oder Kacheln, auslassen. Deine Angst war in dieser Woche dein Böshaben, und an der war niemand schuld als du. Du hättest es ohne die Angst so gut haben können als wir selbst. Nein, Uli, du musst von deinem Lumpenleben lassen, du machst dich unglücklich, und solchen Ärger wie diese Woche will ich deinetwegen nicht mehr haben."
Er hätte noch nichts Schlechts gemacht, sagte Uli. He, das nehme ihn doch wunder, sagte der Meister; ob Vollsein etwas Bravs sei, und was er mit Anne Lisi getrieben habe, werde auch nicht das Sauberste gewesen sein und wohl auch im siebenten Gebot vernamset. Oh, es seien noch viel schlechtere Leute als er, sagte Uli, und es gebe viele bauern, mit denen er sich dann noch lange nicht zusammenzählen lasse. Da habe er nichts darwider, antwortete der Meister, aber ein schlechter Mensch mache den andern nicht gut, und wenn schon mancher Bauer ein Trunkenbold sei oder gar ein Schelm, so sei es deswegen um nichts bräver, wenn Uli ein Hudel sei und noch anderes mehr. Es werde doch wohl erlaubt sein, eine Freude zu haben, sagte Uli; "wer möchte dabeisein, wenn man keine Freude mehr haben dürfte?" "Aber, Uli, was ist das für eine Freude, wenn man darauf eine ganze Woche nirgends sein darf, es einem nirgends wohl ist? Was ist das für eine Freude, die einem für das ganze Leben elend und unglücklich machen kann? Solche Freuden sind des Teufels Lockvögel. Ja freilich kannst du dich freuen, es darf jeder Mensch Freude haben, aber an guten und erlaubten Dingen. Das ist eben ein Zeichen, ob ein Mensch gut oder schlecht ist, je nachdem er an guten oder schlechten Dingen seine Freude hat." "Ja, du hast gut krähen," sagte Uli, "du hast den schönsten Hof weit und breit, hast die Ställe voll schöner Ware, den Spycher voll Sachen, eine gute Frau, von den besten eine, schöne Kinder; du kannst dich wohl freuen, du hast Sachen, woran du Freude haben kannst; wenn ich sie hätte, es käme mir auch kein Sinn ans Hudeln, an Anne Lisi. Aber was habe ich? Ich