; was ist ihm über den Weg gelaufen, oder wer hat ihm etwas zuleid getan?" Es wusste niemand etwas. Sie fragte Joggeli: Ob er ihm etwas getan und ob er ihn eigentlich gedinget oder nicht? Der lächelte und sagte: Sie solle nicht Kummer haben, es sei alles im Reinen. Sie sagte Vreneli, was doch wohl das sei und es solle mit Uli reden. Aber Vreneli sagte: Das tue es nicht. Es hätte Uli nichts zuleid getan, und doch sei er gerade gegen ihn es am wüstesten. Wenn es ihm etwas sage, so tue er, als höre er es nicht, und handkehrum lasse er etwas fliegen, das ein Trumpfsein solle, aber es wisse nicht, auf was. Sie solle selbst mit Uli reden, es schikke sich für sie am besten. So sei allerdings ein langweilig Dabeisein und es wollte lieber, das währte nicht zu lange.
Die Mutter ging einmal wieder zur Kirche, es war ein Ereignis zu Üfligen. Die gute Mutter hatte so viel zu sehen: die Kanzel war neu angestrichen worden, einige Bänke hatten Lehnen bekommen, junge und alte Menschen waren da, die sie nicht kannte, dass die Predigt aus war, ehe sie daran dachte. Sie hätte ihr Lebstag noch nie so kurze Zeit in einer Predigt gehabt, sagte sie, es müsse ihr künftig wahrhaftlich mehr gegangen sein. Der Pfarrer könne es wie Schnupf, nur mache er es wohl kurz, sagte sie. Nach der Predigt ging sie zum Krämer, kramete allerlei, unter anderm auch ein seidenes Halstuch mit schönem rand.
Als sie heimkam, wartete alles mit Verlangen auf sie zum Essen, denn die gute Frau hatte gar lange beim Krämer sieh aufgehalten. Dort war ja fast noch mehr zu sehen als in der Kirche, dazu musste man noch märten und konnte darüber ein noch manches fragen, das man in der Kirche gesehen. Sie konnte sich nicht satt erzählen von ihren Genüssen während diesem Morgen und sagte auch: Das müsse ihr künftig wäger fleissiger in die Kirche gegangen sein. Wenn der Pfarrer nur nicht so exakt läuten liesse, sie glaube, sie ginge alle Sonntage.
Nachmittags, als das Volk verflog, sah sie unvermerkt nach Uli, wo der hinginge. Als sie ihm nach einiger Zeit in sein Stübchen folgte, fand sie ihn in der Bibel lesend. "Du siehst ja nichts hier," sagte die Frau, "warum kommst du nicht mehr hinab in die stube? Du tust seit einiger Zeit so wunderlich, ich kann mich nicht auf dich verstehen, und sonst wäre ich so zufrieden mit dir. Du hast mir so schon zum Flachs und zu den Kirschen gesehen, und deswegen habe ich dir nur so als ein Zeichen ein Halstuch gekramet; aber jetzt möchte ich auch wissen, was du hast. Hat dir jemand etwas in den Weg gelegt oder dich aufgereiset, oder was ist es?" Das hätte sich nicht gebraucht, sagte Uli, das Halstuch mit Wohlgefallen betrachtend, er hätte nichts Apartes gemacht. "Aber was dublest, was hast dann?" He, so wolle er es geradeaus sagen. Böse sei er über Vreneli. Das hätte ihn nicht gebraucht beim Meister zu verrätschen und anzuschwärzen, als Johannes ihn hätte dingen wollen, er hatte sich dessen nichts vermocht und nichts gesagt, was nicht alle Leute hätten hören dürfen; aber was es dazu gelogen habe, das wisse er nicht. "Wer hat dir gesagt, dass Vreneli dich angeschwärzt?" sagte die Frau. "Das ist gar nicht wahr." "Es wird doch wohl wahr sein," sagte Uli, "der Meister hat es selbst gesagt, freilich nicht gerade heraus, aber er hat es merken lassen, dass man es mit dem Zwilchhändschen greifen konnte." "Er ist doch geng der wüstest Hung, verzeih mir Gott meine Sünde," antwortete die Frau. "Vreneli hat ihm ja gar nichts gesagt, sondern bei mir den Johannes verklagt und dich noch gerühmt dazu; du bist aber auch nicht der Witzigist, dass du gleich alles glaubst. Du weisst ja, wie er ist. Du solltest doch wohl sehen, dass Vreneli dir nichts in den Weg legt, sondern dass du ihm gar anständig bist." "Was weiss man," sagte Uli, "es ist sich bös auf das Weibervolk zu verstehen, und es ist doch auch traurig, wenn man dem Meister nicht glauben darf." "Was willst?" sagte die Frau "es ist einmal so, und ich meine, wenn man wolle, so sei es sich auf das Weibervolk besser zu verstehen als auf das Mannenvolk; von dem sagt man ja, es sei falscher als Galgenholz. Und dann möchte ich auch wissen, wer den Heiland verraten hat, ob ein Mann oder eine Frau? Sei wieder zufrieden aber sage es dem Vreneli nicht, was du gehabt; es hassete sonst meinen Alten noch mehr als jetzt, täte wüst mit ihm und bekehrte ihn doch nicht. Er ist ehemals nicht so gewesen, aber seit alles ihn betrügen will und an ihm saugen, ist er so miss, treu geworden und trauet keinem Menschen mehr. Herr Ises, selbst mir nicht! Anfangs han ih pläret, dass es mir den Kopf fast obenabgesprengt. Ich habe gemeint, das müsse nicht sein, das könne ich nicht leiden. Aber so nach und nach habe ich mich darein ergeben