von Vreneli habe. "Ich kann dir nicht sagen, Frau," sagte Joggeli, "wie mir das Meitli zwider ist; es hat seine Nase in allem innen, und hinten und vornen heissts immer nur: Vreneli, Vreneli. Das hat ein Gschleipf mit dem Uli, zahl darauf. Was hätte es so früh beim Stall zu tun gehabt, wenn es ihm nicht hätte nachstreichen wollen? Aber zähl darauf, sobald ich darüberkomme, so jage ich es fort. Es hat schon Schande genug in die Familie gebracht, es soll nicht noch mehr bringen, die wüste Täsche!" Dann könne er selbst die Haushaltung machen, sagte seine Frau. Das sei nicht reche, dass Vreneli jetzt alles ausessen solle. Es hätte ihnen zGutem wollen, und jetzt wolle er es schlecht machen. Wenn sie von allen verraten und verkauft würden, so sei er selbst schuld daran. Sobald eins ihnen einen Dienst erweise, so hänge er ihm etwas an, statt ihm zu danken. "Aber mach meinetalb, was du willst, me isch umen e Göhl, we me dir zGuetem will."
Joggeli bedachte sich die Sache wohl, und sie ging ihm im leib herum wie ein Wurmpulver.
Achtzehntes Kapitel
Wie eine gute Mutter viel Ungerades gerade, viel
Böses gut macht
Am Abend ging Uli den Kirschbäumen nach, um zu sehen, wo noch gekirschet werden müsse; unversehens war Joggeli bei ihm. Nachdem sie allerhand verhandelt, sagte Joggeli:
Die Ernte sei gut gegangen, die Arbeit gut gelaufen, nur müsse er nicht meinen, dass man dem Weibervolk alles machen müsse, woran es sinne; das Korn sei die Hauptsache, der andern Sachen hätte man sich nicht zu achten, wenn es nur mit dem Korn gut gehe. Zum Zeichen der Zufriedenheit wolle er ihm da etwas geben. Er drückte ihm einen Neutaler in die Hand. Uli dankte, sagte aber doch: Es sei ihm nicht wegen dem Weibervolk und er wisse wohl, dass das Korn die Hauptsache sei; aber er meine, man müsse alle Sachen achten und womöglich gar nichts Schaden leiden lassen. Er hätte ihn auch gleich fragen wollen, ob er gedenke, zu bleiben, fragte Joggeli. Er wisse nicht recht, was er sagen solle; es sei ihm zu, wider, fürers, aber er sei auch nicht gerne an einem Orte, wo man nicht mit ihm zufrieden sei, ihm nicht traue. Wenn er wüsste, dass noch etwas der Art geschehen würde wie letzt, hin, so wollte er gleich gehen, antwortete Uli. Er hatte es ja gehört, sagte Joggeli, dass er zufrieden sei, und so wolle er ihm gleich noch einen Neutaler Haftpfennig geben. Er hätte es sonst nicht im Brauch, wenn er wieder dinge, aber am Ende vermochte er es so gut als Andere. Er wolle lieber seine Neutaler selbst brauchen, wie er wolle, als Andere mit seinen Neutalern ihm Streiche spielen lassen. Da dachte Uli an diesen Morgen und sagte: Wer ihm das schon wieder gesagt habe? "He, Uli," sagte Joggeli, "es ist denen immer am mindesten zu trauen, wo vorwärts am meisten schlecken und einem nachstreichen. So machen es gewöhnlich die falschen Katzen, die geben einem hinterrucks den Talpen," und damit höpperlete Joggeli an seinem Stecken gegen Üfligen zu, wo er gerne an einem Sonntage seinen Schoppen nahm.
Die letzten Worte warfen Uli einen Stachel ins Herz, er wollte fast, er hätte den letzten Neutaler nicht genommen. Wem sollte er nicht trauen? Wer hatte ihm den Talpen gegeben? Doch wohl Vreneli! Das war vom Brunnen weggegangen, musste allem an die Verhandlungen gehört haben. Er hatte es mit allen gut gemeint, niemand etwas zuwider getan und glaubte sich namentlich mit Vreneli in einem gewissen zutraulichen Einverständnisse ohne alle Liebe. Die Bezüglichkeit, die mehr oder weniger zwischen einem hübschen Burschen und einem hübschen Mädchen, welche in einem haus wohnen, entweder anziehend oder abstossend stattfindet, merkt man oft lange nicht. Aber Vreneli war im haus, was Uli ausser dem haus; sie konnten einander viel zuwider, viel zu lieb tun. Uli hatte nun geglaubt, das Letztere getan zu haben, weil es auch der Meisterleute Nutzen war, dass sie einander in die Hand arbeiteten und gemeinsam das Gemeinsame förderten. Ulis schlichter Verstand begriff, wohin es kommen muss, wenn ein Departement hieaus will, das andere daaus und die Departemente ungefähr das vorstellen am staat, was die unbändigen Hengste an einem Verbrecher, der zerrissen werden soll. Uli hatte in dieser Beziehung mehr gesunden Verstand als manches Departement in corpore, zum Beispiel als gegenwärtig das Departement des Auswärtigen in Paris.
Nun war also Vreneli falsch an ihm und verklagte ihn hinterrücks, das tat ihm weh. Er hasste das Kesslerwesen, wo immer Feindseligkeit herrscht, bald die Einen verbündet sind und bald wieder die gestern Verbündeten als Feinde sich gegenüberstehen, er war daran nicht gewohnt.
Je länger die Sache ihm im Herzen wurmte, desto ärgerlicher wurde er; er war oft darauf und daran, den Haftpfennig wiederzugeben und express zu Johannes zu gehen. natürlich war er dabei mürrischer als sonst, hatte sein fröhliches Aussehen nicht, war einsilbig über Tisch, liess hier und da einen Trumpf fliegen und tat manchmal, als hörte er etwas nicht, das ihm gesagt wurde. Die Mutter fragte mehr als einmal: "Was hat doch auch Uli, er ist ganz ein Anderer