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, wie weit ich ihm trauen könne oder nicht." "Aber Joggeli, glaubst du denn, ein braver Bursche sei an einem Ort, wo man ihm nicht trauet, wo man ihm all Finger läng eine Täsche beizt? Wer ein rechtes Gefühl hat, kann nicht in einem haus sein, wo er sieht, dass man eine schlechte Meinung von ihm hat." "Du bist geng e Göhl, Alti," sagte Joggeli. "Heutzutag luegt man auf den Nutzen und nicht auf die Meinung, und es nähmte mich wunder, wo Uli einen grösseren Lohn machen könnte. Er wird sich wohl bsinnen, was er macht." Unterdessen war Vreneli hinaufgegangen und hatte gesehen, wie Uli einpackte, während ihm grosse Tropfen über die Backen kamen und zuweilen " Donner!" halb verdrückt über die Lippen kam. Vreneli trat unter die tür und fragte: "Was machst, was hast?" Uli antwortete lange nicht, bis Vreneli näher trat und endlich vernahm: "Furt wott ih." "Das tue nicht," sagte es, "es ist ja nicht dr wert; du musst dr Vetter näh, wie er ist." Aber Uli sagte: An Solches sei er nicht gewohnt und habe es nie erfahren. Ob das nun der Lohn sei dass er sich halb tot arbeite und dem Meister seinen Nutzen suche, wo er könne. Er sehe wohl, wo das hinaus solle. Zuletzt hänge ihm alt Donner noch einen schlechten Namen an, er begehre ihn zum Schelmen zu machen. Er wolle gehen, während es Zeit sei, Gränni könne dann sehen, wo er einen Andern hernehme. Er sei schon mehr als ein halbes Jahr da, und wüest Tüfel hatte ihm noch nie gesagt, dass er zufrieden sei. "Du hast es dann auch wie die Andern", sagte Vreneli. "Ich mache die ganze Haushaltung; er gibt mir keinen Lohn und ist noch imstande, mir zu sagen, er hätte mich dr Gottswillen. Wenn die Base nicht wäre, wer weiss, was ich schon gemacht hätte. Aber los, tue es uns nicht zuleid; du bist allen anständig und es ist es freins Debysi und es geht alles, dass man Freude daran hat. denke nur, was der Melcher und Karrer für Freud hätten, wenn du auch fortgingest! Sie würden dir einen Lärm machen weit und breit, wie du fortgejagt worden. Du mochtest sagen, was du wolltest, die Leute glaubten doch das Bösere." "Mira chönne sie," sagte Uli, "was gheit es mih; so dabeisein will ich nicht mehr." Da dröhnten die schweren Schritte und der schwere Atem der Mutter die hölzerne Treppe auf, welcher die Verhandlungen im Gaden zu lange gegangen waren. "Es ist gut, kommst du, Base," sagte Vreneli; "du kannst ihm nun selbst sagen, er solle nichts Einfaltes machen. Er will absolut fort". "Das sollst du mir nicht," sagte die Alte. "Was haben wir dir zuleid getan?" "He, Ihr nichts," sagte Uli, "Ihr wäret mir gar recht, aber der Meister ist wüst gegen mich und trauet mir nichts, will mich zum Schelmen machen, und bei einem Solchen bleibe ich nicht, my armi –" "Verred dich nicht, Uli," sagte die Alte. "denke, es ist ein alter Mann, man muss Geduld mit ihm haben; du wirst einmal auch froh sein, wenn man Geduld mit dir hat. Das soll nicht mehr geschehen, ich verspreche es dir, und wenn wir dir etwas tun können, so sag es nur, es soll nicht Nein sein." "Ihr könnet lang versprechen," sagte Uli, "ich weiss wohl, dass das nicht Euer Wille ist, aber für Euren Mann könnt Ihr nicht gut sein." "Wohl, das kann ich dann nadisch, wenn es sein muss, er muss mich dann z'zeiten auch noch fürchten; aber er soll selbst noch kommen und versprechen, dass er dich künftig mit Beizen und Fecken ruhig lassen will. Vreneli, geh und sag ihm, er solle heraufkommen!" Aber Vreneli hatte einen sehr harten Stand; Joggeli sagte, das wäre das erstemal, dass er vor einem Knecht würde anekneue, das tue er nicht. Wenn Uli ds Wüstest machen wolle, so könne er, aber anhalten tue er nicht. Vreneli sagte: "Aber Vetter, Ihr seid doch zuerst wüst gegen Uli gewesen; wenn Ihr mir es so machtet, ich lief auch fort." "Würdest aber bald wieder kommen, wenn dir niemand nachliefe," sagte Joggeli. "Das ist noch die Frage," sagte Vreneli; "aber Uli kommt nicht wieder, das kann ich Euch sagen, und wer soll dann ernten:" "He nu, so sag myr Alte, sie söll ihm anhalten und öppe ein paar Batzen in die Hand drücken, so wird er sich schon niederlassen." "Base hat Euch schon manchmal gut gemacht," sagte Vreneli, "aber dasmal macht es sich nicht damit. Uli will fort, wenn Ihr ihm nicht versprechet, dass so etwas nicht mehr geschehen soll, und dann könnt Ihr sehen, wie es gehen wird in der Ernte, während jetzt ja alles wie am Schnürchen lauft." "Gell