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zu bekommen." Joggeli und der Müller wurden des Handels einig. Da sagte der Erste: "Du könntest mir einen Gefallen tun. Versprich meinem Knecht einen Neuentaler, wenn er mache, dass du das Korn um den und den Preis kaufen könnest. Es nimmt mich wunder, was er macht. Man kann Keinem zu viel trauen; wenn man schon meint, man habe es getroffen, so ist man gerade am übelsten zweg." Der Müller versprach es natürlich und machte sich an einem Abend an Uli. Dieser las just einen Brief von seinem alten Meister, worin ihm dieser zusprach, auszuhalten und nicht den Kübel auszuleeren. Er solle nur mit Joggeli recht reden und ihm die Sache in der Manier sagen. Das sei weit besser, als den Ärger so in sich zu verschlucken; da jäse dann dieser, mache einem übel und breche zuletzt unaufhaltsam und ungereimt aus, dass man sich dessen schämen müsse. Er sei kein Meitschi, das am Kupen, am Ärger sterben werde. Darum solle er nicht mutlos werden; es hätte im Leben jeder sein Bürdeli, und je eher man sich daran gewöhne, das manierlich zu tragen, desto leichter komme es einem später vor. Er solle nicht alles auf einmal wollen, und wenn er wieder dinge, auf die Entlassung derer dringen, mit denen er nicht fahren könne. Dann waren noch viele Grüsse dabei und wie er bald einmal kommen solle, es blangeten alle gar grusam nach ihm. Zu dem in seinen Brief Vertieften trat der Müller, setzte sich zu ihm und redete mit schönen Worten von allerlei über Ulis Verdienste, rühmte den Mistaufen und das Gras in der Hofstatt, dem man es ansehe, dass es beschüttet worden sei. Nach langem Vorspiel kam er endlich zum Kornkauf. Er müsse Korn haben und Joggeli könne ihm geben. Aber der sei gar ein grusam Wunderlicher und könne die Sache nie im Preis geben. Zuerst wolle er viel zu viel, und hernach, wenn sie ihm erleidet sei, gebe er sie ums halbe Geld. Er könne diesmal aber nicht auf das Erleiden warten, und doch möchte er nicht gar zu viel bezahlen. Er wisse nun, dass Uli alles zu sagen habe, und was er sage, das sei geredet. Er solle ihm doch z'best reden, und wenn er mache, dass er den Mütt um neunzig Batzen kriege, so komme es ihm auf einen oder zwei Neutaler nicht an. Es sei zwar noch immer mehr als zahlt, aber wie gesagt, er mangle es übel und wisse vor der Ernte es nirgends zu bekommen. Uli sagte: Darein mische er sich nicht, das sei seines Meisters Sache. Der Müller aber gab nicht nach, zog endlich einen heraus und wollte ihn ihm in die Hand drücken. Uli stunde auf und begann nun dem Müller wüst zu sagen: Er müsse ein schlechter Mann sein, dass er Diensten schlecht machen wolle; es müsse ihm scheints alles ums Geld feil sein, dass er meine, Andere hätten es auch so. Aber um eines Müllers willen wolle er sein Gewissen nicht beladen, und wenn er ihm alles Mehl geben wollte, was er in seinem Leben den bauern gestohlen usw. Das machte am Ende den Müller auch warm und er sagte: Es gebe bauern, die noch schlechter seien als die Müller, mit denen er sich noch lange nicht zusammenzähle. übrigens habe er das nicht aus sich selbst gemacht und er habe noch niemand schlecht machen wollen. "Wer hat dir denn das angegeben?" fragte Uli. "He, das sollte dir doch in Sinn kommen, wenn du so ein Listiger sein willst," antwortete der Müller. "Öppe der Meister?" "Ich will nichts gesagt haben," antwortete der Müller, "aber da solltest öppe nicht lange fragen." Da fasste eine zornige Wehmut Uli, presste ihm die Brust, dass ihm fast der Atem fehlte, grosse, schwere Tropfen aus den Augen kamen, und die geballten Fäuste stiess er geradeaus. Er konnte nichts mehr sagen als: "Ist das so gemeint?" und sprang hinauf ins Gaden.

Der Müller schlich sich hinter dem Haus durch zur Küche und sagte dort der Meisterin: Sie solle doch hinauf ins Gaden gehen und sehen, was Uli mache, er glaube, es habe gefehlt; und darauf erzählte er, wie er ihn habe fecken sollen und wie Uli es aufgenommen und den Meister erraten. "Vreneli, gang guck," sagte sie, "und komm sag dann, was er macht." Zum Mann aber ging sie und sagte: "Du bist doch dr wüstest Hung, hast du denn nicht an einem Male genug gehabt? Du hast den besten Knecht weit und breit, und es reitet dich dr Tüfel, bis du ihn fortgesprengt." Man könne niemand zu viel trauen, sagte Joggeli, und weil sie an Uli den Narren gefressen, so müsse er zusehen; es wüsste kein Mensch, wie es ginge, wenn er nicht öppe es bitzli luegti, und es könne sich ein Mensch von einem Tag zum andern ändern. Und man probiere ja jedes Ross, und so wüsste er nicht, warum man nicht auch einen Menschen, auf den es doch noch viel mehr ankomme als auf ein Ross, sollte probieren können. "Und wenn er schon den Neutaler genommen hatte, deswegen hätte ich ihn nicht fortgeschickt, aber ich hätte dann gewusst