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mich wohl. Aber was soll dann gehen? So kann es nicht bleiben. Jemand muss herzu." "Ja," sagte Uli, "das meine ich auch, und ich habe geglaubt, Ihr hättet für Andere gesehen." "Nein," sagte Joggeli, "ich habe geglaubt, du wollest nach Andern sehen, weil du die Andern nicht mehr gewollt." "Ich bin ja nur Knecht," sagte Uli, "und kann ja nicht andere Knechte dingen, das würde Euch öppe nicht anständig sein. Aber wenn Ihr nichts darwider habt, so möchte ich Euch etwas sagen." "He," sagte Joggeli, "rede ume; es düecht mich, ich brauche dirs nicht lange zu erlauben."

Nun setzte Uli auseinander, dass wenn es gut kommen solle, einer Meister sein müsse. Bisher sei ein jeder Meister gewesen, der Karrer, der Melcher, jeder souverän in seinem Stall über seine person, seine Zeit, und alle Andern hätten nach ihrem Beispiel nach der gleichen Freiheit gestrebt. Joggeli solle es ihm nicht für übel nehmen, aber er müsse es sagen: er habe nicht recht den Meister gemacht und befohlen, die Leute hätten ihn nicht gefürchtet, und doch hatte er niemand die Meisterschaft anvertrauen wollen, daher sei ein jeder Meister geworden; Eins habe hieraus, das Andere dortaus gezogen und mit allem sei man in Hinderlig gekommen. Er wolle nicht lebig dadänne, wenn mit dem Hof nicht ds Halbe mehr zu machen wäre, wenn man recht zum Herd sehe und auch aus den Ställen ziehe, was öppe der Brauch sei. Aber dafür müsse einer da sein, der befehle, und die Andern müssten wissen, dass sie zu gehorchen hätten. Nun sei ihm ganz recht, wenn Joggeli befehlen wolle; aber wenn er es nicht tue, so müsse es ein Anderer tun in seinem Namen, sonst wolle er lieber nichts mit der Sache zu tun haben. "So befiehl doch," sagte Joggeli, "ich habe dir ja manchmal gesagt, du sollest befehlen, es sei deine Sache." "Ja, gesagt habt Ihr mir es wohl, aber den Andern nie, dass sie mir gehorchen sollen, ds Gunträri." "Du bildest dir das nur ein," sagte Joggeli, "aber du musst nicht meinen, man könne da so einem, den man nicht kennt, gleich das ganze Heft in die Hand geben und machen lassen, als wenn niemand sonst mehr daheim sei. Meinetalb befiehl allesame, nur der Frau nicht, was sie kochen soll." "Das begehre ich nicht, Meister," sagte Uli, "aber dem Karrer und dem Melcher muss man befehlen dürfen, was sie machen sollen und wie man es haben will. Man kann nicht in einem Stall die Ordnung haben und im andern eine andere, und einer muss dem Andern helfen. Das geht bei den Herren gewöhnlich so schlecht, weil die nicht wissen, wie eine Sache sein soll, und daher auch nicht befehlen können, wie sie es haben wollen. Es machts nun ein jeder nach seinem Kopf. So ist man hinger em Haus im Emmental, vor dem Haus im Oberland und nebendran im Seeland und zuletzt ringsum im Uflat."

Joggeli ergab sich in sein Schicksal. Zwei Knechte wurden angestellt mit der Weisung, Uli zu gehorchen. Der alte Karrer und der Melcher wanderten endlich in die Weite hoffnungslos, nachdem sie in der Nähe umsonst Platz gesucht. Sie fluchten nicht übel über die Falschheit der Leute. Als sie noch in der Glungge gewesen, hätte sie jeder gerühmt, ihnen den Kopf gross gemacht, als ob jeder sie wolle; jetzt, da sie zu haben wären, begehre sie Keiner.

Siebzehntes Kapitel

Wie Vater und Sohn an einem Knechte operieren

In der Glungge zog alles schön an einem Seile und die Mutter sagte, es sei ihr lange nicht so wohl gewesen, es sei fry es ganz angers Leben und so freu es einem auch, dabeizusein. Es düech se nichts so ungewohnt, als wie man jetzt melke im Stall. Von den gleichen Kühen kriegten sie fast ds Halb mehr Milch. Es düech se, sie hätten es ihr sonst zuleid getan, dass sie selten in einem Werch genug Milch gehabt, und wenn man nicht Milch habe, so wisse man gar nicht, wie die Haushaltung machen. Jetzt dürfe sie die Ernte auch erwarten, und die Ankenhäfen werden ihr an der Sichelten nicht leer.

Joggeli hingegen war es nicht wohl. Es schien ihm immer, als hätte er zur Sache nichts mehr zu sagen. Noch einmal so viel strich er auf dem land herum, in den Ställen, suchte etwas zu sehen, an dem er sich ärgern, über das er balgen konnte, wenigstens vor seiner Frau. Gegen Uli redete er nicht recht heraus, stichelte nur so hintenum, konnte sich aber nicht entalten, hie und da das Gegenteil von dem zu befehlen, was Uli angeordnet hatte.

Einst strich er auch so missmutig um einen Kornakker her, um, ärgerte sich über dessen schlechtes Aussehen und hätte gerne Uli schuld gegeben, aber der hatte noch keine Hand daran gelegt. Da trat der Müller zu ihm und sagte: "Da hast du einen braven Acker voll und bald Reifes! Und ich möchte dich eben gefragt haben, ob du mir nicht etwa dreissig Mütte geben könntest. Ich mangelte sie sehr übel und weiss sie gar nicht