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und Nacht, das angebotene Essen verschmähend.

Uli sah sie nicht gehen, aber als er hörte, dass sie fort seien, leichtete es ihm ordentlich ums Herz, und die ihm zugefallene Arbeit kam ihm fast wie ein Lohn, eine Freude vor. Es war auch, als ob zwei Sperrscheiter aus einer Maschine genommen worden. Trotzdem dass zwei Arbeiter weniger waren, wurde doch nicht weniger gemacht. Uli spudete sich freilich ganz wunderbar, und es schien manchmal, als ob er zwei, und dreifach sei. Er mähte und besorgte doch die Ställe, dängelte grösstenteils und war doch nicht viel länger daheim als die Andern; aber er wusste alles anzukehren, konnte zwei, drei Sachen fast miteinander machen. Im Vorbeigehen gleichsam ging ihm dies und jenes, wozu ein Anderer eine Stunde brauchte. Erst da sieht man, was für ein Unterschied es ist zwischen einem Gstabi und einem beseelten Menschen. Zudem konnte nun Uli die Kräfte recht zusammenspannen, dass Eins dem Andern helfen musste. Unter ihm verrichtete der Bub so viel als sonst ein Knecht. Aus der übrigen Diener- und Taunerschaft schien ein böser Geist gefahren zu sein, es war alles willig und rührsam. Es schien fast, als ob ihnen selbst etwas an der Sache gelegen sei. Die, welche in der Verschwörung gegen Uli am tiefsten verflochten waren, die zeigten sich nun nach deren unglücklichem Ausgang als die Eifrigsten. Ja sie rühmten nun Uli und erzählten ihm alles, was der Karrer und der Melcher getan, gesagt und im Sinn gehabt und wie sie ihnen oft abgewehrt und gesagt hätten, es komme nicht gut, wie es sich ihnen aber nicht geschickt hatte, sich dareinzumischen, und dazu hätten sie ihn nicht sövli gekannt.

Der Melcher und der Karrer hielten mit grossem jubel in einer nahegelegenen Pinte sich auf, rühmten mit weitem Maul, wie sie es gemacht, und konnten vor Freude nicht schlafen, weil sie nicht erwarten mochten, welche Zerstörung und Verwirrung nun in der Glungge zum Vorschein kommen werde, weil sie nicht mehr da seien. Aber es ging den ersten Tag. Da sagten sie: Ja, das sei noch so gegangen, aber man werde es morgen schon sehen. Es ging aber morgen auch. Da vertrösteten sie die Leute auf den dritten Tag. Aber auch dieser verstrich, in der Glunggen war alles emsig und ruhig. Kein Mensch fragte nach ihnen. Ja wenn sie sich von weitem zeigten, so taten ihre ehemaligen Freunde, als hätten sie keine Augen. Das begann sie doch zu gmühen, denn es hatte insgeheim jeder für sich die Erwartung gehegt, man werde nach ihm schicken und ihn wieder haben wollen. Jeder hatte bei sich schon ausgedacht, wie er aufbegehren, wieviel Lohn er mehr fordern wolle, und jetzt kam niemand. Niemand sah nach ihnen. Da sandte der Karrer eine geheime Botschaft an Joggeli ab. Diese sollte verblümt zu verstehen geben, der Karrer käme wieder. eigentlich sei der Melcher an allem schuld, der habe immer alles hintereinandergereiset und der Karrer es nicht besser gsinnet. Es sei ihm jetzt leid, er sehe sein Unrecht ein. Der Melcher aber sandte eine gleiche Botschaft an Uli, liess ihm einen Neutaler versprechen, wenn er mache, dass er wieder darkomme. Der Karrer sei an allem schuld, wenn der nicht dagewesen wäre, so hätte der Melcher nicht daran gesinnet, so wüst zu tun. Sobald er zu Uli komme, wolle er ihm sagen, was der Karrer für einer sei. Er wisse noch Sachen, woran jetzt niemand sinne.

Als Uli dängelete, kam Joggeli zu ihm und sagte: "Der Karrer wäre neue Sinns, wieder zu kommen; er hat neue gmurbet, der Melcher syg neue an allem schuld. Es wird wohl am richtigsten sein, wenn man ihn wieder kommen heisst? Er ist sich gewohnt hier, ein Neuer muss man erst wieder brichten, wie man es haben will."

"Meister," sagte Uli, "das könnet Ihr machen, wie Ihr wollt, aber mit dem Karrer will ich nichts zu tun haben. Der Melcher hat mir einen Neutaler versprechen lassen, wenn ich ihm z'best rede, und gibt dem Karrer an allem schuld. Es ist Einer wie der Andere, ich kehre nicht die Hand um. Und so gewiss einer wieder kommt, so haben wir wieder Streit."

" nu," sagte Joggeli, "so ist es. Aber was meinst denn, was sollen wir anfangen, wenn dir kein Anderer recht ist? Gwerchet muss die Sache doch sein, so kann es nicht länger gehen"

He, sagte Uli, er glaube, die Sache sei gwerchet worden so gut, als wo der Melcher und der Karrer dagewesen. Mit dem Heuen seien sie ja bald fertig und hätten trotz dem schlechten Wetter weit weniger lang daran gemacht, als die Leute sagen, dass man andere Jahre daran gezogget habe. Er glaube nicht, dass etwas versäumt worden sei. "Du bist doch afe so prüssische, Uli," sagte Joggeli, "man kann gar nicht mit dir reden." "He nei, Meister," sagte Uli, "aber ich habe auch gemeint, ich schaffe, dass öppe nit viel dahintenbleibt, und da macht es mich taub, wenn ich immer hören muss, ohne Melcher und ohne Karrer gehe es nicht." "Ja, das habe ich nicht gesagt," antwortete Joggeli, "verstehe