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, keine Stunde; entweder gehe ich, oder sie müssen gehen." He, he, sagte Joggeli, man mache im Zorn leicht etwas Unrechtes; sie wollten sich gegenseitig noch bsinnen bis morgen, man könne dann immer noch sehen. "Meister, das ist ausbsinnet," sagte Uli, "das ist mir schon zu lang auf dem Magen gelegen; entweder gebt Ihr dem Karrer und dem Melcher noch heute den Lohn oder mir, eins von beiden." "Ich werde mir doch von einem Knecht nicht sollen befehlen lassen," sagte Joggeli. "Ich will Euch nichts befehlen, ich lasse Euch ja dWehli, aber eins von beiden muss sein." "Bis doch nit e Göhl," sagte die Meisterin, "da wollte ich mich bald ausbesonnen haben." "Ja, aber wo dann einen anderen Karrer und einen anderen Melcher her, nehmen gerade in dieser unmussigen Zeit? Das kann nicht gehen." "He," sagte Uli, "wenn die fort sind, so geht die ganze Sache ds Halb ringer, und dann kann ich auch noch melken und fahren so gut als die. Ich will einstweilen den Dienst für Beide machen, und ich denke, es wird nicht lange gehen, bis man Andere hat. Aber Ihr könnts machen, wie Ihr wollt, es ist mir ganz recht, zu gehen. Ich habe es gestern geschrieben, ich werde wohl bald wieder kommen."

Das schlug bei Joggeli ein und er bequemte sich, den Karrer und den Melcher kommen zu lassen, um ihnen den Lohn zu geben. Die meinten, er wolle ihnen nur ein Kapitel lesen, und begehrten gleich von Anfang ganz fürchterlich auf und machten, als ob sie die ganze Erde dem Mond ins Gesicht spucken wollten. Als Joggeli so hübscheli von Lohngeben zu reden anfing, da sagten sie, das sei ihnen gerade recht, und sie begehrten es; aber dann könne er sehen, wie es ihm ergehe, wenn Uli alle die weggebissen hätte, die ihm im Wege seien. Er solle nur füremachen, es lächere sie nur, grösseren Lohn hätten sie schon längst haben können. Joggeli wurde ganz lugg. Glücklicherweise war die Frau in der stube geblieben, um den Wagen zu reisen, wenn er bestechen oder in den Graben fahren sollte. Diese sagte nun: "sehe, Joggeli, mach füre, sie haben ja gesagt, sie begehrten ihn. Die zwei Schlinglen sind mir schon lange im Weg gewesen, es ist gut, wenn die einmal fort sind; ich hoffe, sie gehen noch heute." Keine Stunde länger blieben sie in einem solchen haus, sagten Beide. Sie könnten ihretalben bis Martistag heuen, es lächere sie nur, und je eher sie fort könnten, desto lieber sei es ihnen.

Joggeli zählte Beiden den Lohn zweg. Draussen fing es an zu winden, die Wolken flogen am Himmel, schwarze Wände, der Zukunft einer kummervollen Seele vergleichbar, erhoben sich langsam, die Vögel suchten die Gebüsche, die Fische sprangen nach Mükken, Windspiele rissen hoch in die Lüfte bald Heu, bald Staub. Draussen hastete Uli, Heu so viel möglich einzubringen, drinnen zählten hohnlächelnd die Beiden ihr Geld und meinten: Ob Joggeli nicht auch noch wolle gehen und helfen, es mangelte sich bei dem schonen Heuwetter. Der Wind riss das Heu von den Gabeln, die Mähnen der Pferde flogen im Winde, die Heulader flogen den Walmen nach, die schönen Recherinnen spudeten sich wie flüchtige Rehe, in hochgefüllten Fürtüchern das Zusammengerechete nachtragend. "Häb dih!" scholl es von unten herauf; die mächtigen Rosse jagten im Trabe, die Heraufgeber sprangen nach, warfen mitten im Laufe Gabeln voll auf den Wagen, die der kundige Lader auf den Knien mit ausgebreiteten Armen empfing. Schwere Tropfen rauschten, der Wind stiess heftiger, nach dem Bindbaum sprang einer; im Hui war er auf dem Fuder, mit dicken Wellenseilen wurde er niedergeschnürt, flink eilten die Recherinnen um das Fuder, kämmten es glatt. Da jagte das Wetter heran, es glitzerte der schwere Regen, es krachte aus den schwarzen Wolken, Staub stob weit dem Regen voran. Die mächtigen Rosse flogen weit aus, greifend, aber durch Ulis sichere Hand geleitet der Scheune zu. Mit den Gabeln auf den Achseln rannten die Heuer nach, und mit den Fürtüchern über Achseln oder Kopf formierten den flüchtigen Nachtrab die lustigen Heuerinnen, die unter lachen und Schäkern sich schüttelten unter sicherem dach. Da platzte der Regen herab in ungemessnen Strömen, es zuckte die Glut des Blitzes durchs dunkle Tenn, hart klepfte es über dem haus. ängstlich und andächtig stunde das Gesinde im Schopf; es wusste, der Herr rolle nahe über seinen Häuptern weg.

Es dunkelte, man rief zum Essen, schwarz war es noch am Himmel, aber der Regen rauschte sanfter, der Donner rollte ferner; da kamen aus dem Gaden herab der Melcher und der Karrer gsunntiget, machten Adie bei ihren Freunden, die ganz erstaunt frugen, was das geben solle? He, sie sollten Uli fragen, hiess es, der sei jetzt der Meister, und weil sie nicht unter einem Solchen sein wollten, so gingen sie lieber, sie möchten für kein Geld bleiben. Nachdem sie ihre Sachen, die sie würden holen lassen, guter Obhut empfohlen, den Andern geweissaget, dass sie es auch nicht lange mehr da machen würden, wanderten sie fort wie zwei Nachtvögel zwischen Tag