1841_Gotthelf_136_74.txt

am Abend zugesetzt hatten, und fuhr am Morgen in aller Frühe von dannen.

Der Morgen war heraufgezogen in aller Schöne, die Mattenblumen dufteten köstlich, in süssem Tau erglänzend, munter und heiterwanderten er und seine Kühe in die Zukunft hinein. Nicht lange war er gegangen, so gesellte sich ein langer, hagerer Mann zu ihm, von dem er nicht wusste, wie er zu ihm kam. Alsobald begann derselbe mit ihm zu handeln um die Kühe, liess nicht nach, bis Uli schätzte, und ehe sie in Bern waren, hatte Uli verkauft und zwar, wie er glaubte, wenigstens um zwei Dublonen zu teuer. Noch vor der Stadt zahlte ihn der Mann aus, fuhr mit den Kühen von dannen, und er sah ihn nicht wieder. Es wurde Uli doch noch angst, er möchte sich übereilt haben, der Preis anders stehen, als er gemeint. Allein er sah bald viel Ware daherkommen, sah, dass sie sehr feil war, weil man wegen trocknem Wetter nicht viel Heu erwartete. Das sei ihm gut gegangen, dachte er, und ein guter Schick fehle ihm nicht. Er wartete nicht weit vom obern Tore und sah die schönen Rinder herbeitreiben, die aus den reichen Gemeinden oberhalb der Stadt und aus dem Freiburger Gebiete kamen. Es fiel ihm eine grosse junge Kuh mit gewaltigem Knochengebäude in die Augen, welche ein kleiner Mann mit einer Speckseitenkutte und breitem, niederm Wetterhute führte. Die Kuh war mager, strub anzusehen, hatte noch lange nicht ausgetragen; aber an der sei etwas zu machen, dachte er, wenn sie nicht ungerecht sei. Das war sie nicht, die Haut liess schön von den Knochen. Aber der Mann roch gar übel, dass man ihn auf zehn Schritte in die Nase fasste; sein ganzes Aussehen gab mit, dass er nebenaus wohne und in der Welt nicht recht daheim sei. Diese sind sehr oft im eigenen Hauswesen auch nicht daheim, haben absonderliche Gebräuche, wissen sich nicht zu helfen, fangen alles verkehrt an, geizen, tun genug bis aufs Blut und kommen doch nicht vorwärts, sondern hangen so zwischen Leben und Sterben. Das Mannli sagte, als Uli die Kuh visitierte: "Ja, visitier sie nur, der Kuh fehlt nichts! Ich habe den halben Winter durch Stroh füttern müssen, ich habe zu viel Ware gehabt, und doch hat es mich gereut, etwas zu verkaufen, und Heu kaufen vermag unsereinem nicht. Ich habe mich auf das Grün getröstet, und jetzt will das auch fehlen, und so muss ich jetzt abstossen. Sie reut mich übel, aber wenn ich alles eingrase, so habe ich dann im Winter nichts. Dr Ätti hat immer drei Kühe gehabt, und ich zwänge es jetzt, fünf Haupt zu halten, es ist mir von wegen dem Mist; aber es geht manchmal kaum genug zu." Das gute Nebenausmannli wusste auch noch nicht, dass zwei gut gefütterte Kühe mehr Nutzung und Mist geben als vier schlecht gefütterte (Dem Nebenausmannli war aber das nicht zu verargen, wissen dieses doch grosse Männer an grossen Strassen nicht, halten dreizehn Kühe und bringen es auf zehn Mass Milch von dreizehn Kühen). Das Mannli weinte fast, und Uli hatte das Herz nicht, ihn zu drücken, wie er vielleicht gekonnt hätte; denn niemand sah auf die strube Kuh, niemand kam ihm ins Spiel. Er kaufte sie wohlfeil, doch war das Mannli zufrieden und wünschte ihm alles Glück zu der Kuh, der er mit nassen Augen nachsah. Zu dieser kaufte Uli noch eine andere, nähig, leicht in den Hörnern, fein von Haaren, hintenaus wie ein Eisenwecken, kurz wie man die Kühe, von denen man Milch haben will, gerne hat. Bald nach zehn fuhr er schon zum Tore hinaus mit fröhlichem Herzen, denn er hatte drei Neutaler weniger ausgegeben als gelöst und glaubte doch viel bessere Ware heimzutreiben, als er fortgeführt.

Was Joggeli sagen werde und der Melcher! dachte er. Freilich werden sie ihm die magere ausfuhren; aber er wolle sie nur reden lassen, bis zum Kalben solle die eine andere Gattig haben, wenn er das Salz an ihr nicht spare und zu rechter Zeit ein Trank gebrauche, damit die bessere Fütterung nicht böse Säfte erzeuge und ungerecht mache. Die drei Neutaler konnte er dabei nicht aus den Fingern lassen. Es kam ihm immer mehr vor, als ob die eigentlich ihm gehörten. Es war ja ganz seine Schuld, dass so teuer verkauft, so gut eingekauft worden.

Dazu hatte er schon manchen Batzen für Joggeli gebraucht, den er nicht anrechnen konnte, hatte schon manchen Schuhnagel ausgesprengt, der bei minderer Anstrengung im Schuh geblieben wäre. Es begann ihm vorzuschweben die grosse Ürti, die er den Diensten bezahlt um Fried und Ruhe willen, wovon der grösste Nutzen eigentlich Joggeli zugefallen wäre. An der hatte ihm auch niemand etwas gegeben, zu seinem Lohn war ihm auch nichts gekommen, die Trinkgelder aus den Ställen fielen dem Melcher und dem Karrer zu. Billig und recht war es nicht, dass er, der die meiste Muhe und sorge hatte, nichts extra erhielt. Wenn er die drei Neutaler für sich behalte, so könne der Meister sich wahrhaftig nicht klagen, er müsse noch zufrieden sein, dass er ihm nicht mehr anrechne. Die gekauften Kühe wolle er ihm nicht teurer anschlagen, hingegen könne er den Erlös für die zwei verkauften um drei Neutaler geringer angeben, ohne dass das jemand im Geringsten