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es war, als ob Uli den Nutzen davon hätte. Die seien lange gut gewesen, sagte er, er wüsste gar nicht, warum jetzt auf einmal alles neu sein solle. Die andern Knechte hätten mit denen wässern können, und wenn Uli so ein Meister sein wolle, so düech es ihn, er sollte es mit denen auch können.

Im März, an einem hellen Sonntagnachmittag, sagte Uli zu Vreneli, er möchte gerne ein Wort mit dem Meister reden, es solle ihn doch heissen herauskommen. Vreneli richtete den Auftrag aus, und Joggeli brummte: "Was wott er ächt aber, was ist ihm wieder zSinn cho? Er ist e Tüfels Chäri und lässt einem Sunndig und Werchtig nit rüeiig."

Draussen nun fragte ihn Uli um die Frühlingsarbeit. Sein Meister und er, sagte er, hätten in jeder Jahreszeit und vor jedem Werch die ganze Arbeit und alle Geschäfte ins Auge genommen und dann sich eingerichtet, dass öppe alles zusammen gegangen und nichts zurückgeblieben sei. Wenn man alles ein wenig ins Auge nehme, so wisse man, was für Leute man nötig habe, wann man anfangen und wie man die Leute brauchen müsse, dass an allen Orten etwas gehe. Wenn man die Sache nur so von einem Tag zum andern nehme, so vergesse man immer etwas; man glaube immer mehr Zeit zu haben, als es sich ergebe, und weniger Geschäfte, als sich dann nach und nach zeigen; so komme man in Hinderlig, und zuletzt werde alles zur Unzeit gemacht und schlecht, so auf und davon gearbeitet. Er möchte daher fragen, da es bald angehen werde, was für Sommerfrucht gepflanzt werde, wieviel Erdäpfel, wie grosse Bäunde usw. und wo man dieses und jenes haben wolle. Wenn es ihm anständig wäre, so sollte er ihm heute das Land anweisen; es sei ein so freiner Nachmittag, dass es ein rechtes Pläsier sei, ein wenig an der Sunne umezträtsche.

Da seis noch lange Zeit dafür, sagte Joggeli, der Schnee sei ja kaum ab; wenn es dann Zeit sei, so wolle er es ihm schon sagen. Das Pressiere trage nichts ab, sie hätten bis dahin den Hof werchen können ohne ein sellig Pressier. "Aber nichts desto besser," sagte die Frau, "es gibt ja bald keine Sachen mehr. Und ich wollte mit Uli gehen; es tut dir nur wohl, wenn du dich auch ein wenig an die Sonne lässest. Warum willst du hingere hangen und den Leuten umsonst z'fressen und den Lohn geben? Andere Jahre sind wir mit Holzen und Dreschen drei Wochen später fertig gewesen und mussten immer um so viel später anfangen als andere Leute und blieben so das ganze Jahr durch im Hinderlig. Was sollen die Leute jetzt machen, wenn du nicht Arbeit anweisen willst?" Joggeli zog brummend seine Finkenschuhe aus und andere an, die Frau musste ihm das Halstuch umlegen und ein Nastuch in die tasche tun. Hinter dem Ofen suchte er einen Stecken und ging endlich zankend und ärgerlich.

Joggeli hatte sein Lebtag noch nie sein ganzes prächtiges Gut ins Auge genommen und darüber nachgedacht, wie es zu benutzen sei, dass nicht nur ein bedeutender Ertrag her, auskomme, sondern dass das Gut selbst gesünder werde, ein teil dem andern nachhelfe usw. Er säete so viel an, als er Mist hatte oder die Zeit erlaubte. Mussten Erdäpfel gesetzt werden, so suchte er einen Plätz dazu, aber immer so klein als möglich, dass man nach dem Neujahr mit den Erdäpfeln zu sparen anfangen musste. So machte er es mit den Flachs-, Raps- und Werchplätzen. Er liess sich die von der Frau nur so abmärten, und Mist dazu und Bschütti musste fast gestohlen werden. Alles Land, das nicht Korn oder Futter trug, reute ihn, er hielt es wie für verloren. So war auf dem ganzen Gute nur so eine Stümperei. Hier ein Plätzli von dem, dort ein Plätzli von jenem, je nachdem zufällig ein Stücklein wenig oder viel Gras gehabt. Zudem stunde das Angebaute mit dem Liegenden nie in rechtem Verhältnis. So wenig als sein Gut nahm er seine Dienerschaft ins Auge, berechnete und verteilte nie ihre Kräfte in der Bearbeitung des Gutes. Er hatte eben nicht am liebsten zu viele Leute, die Leute aber, die er hatte, wusste er nicht zu beschäftigen und anzuleiten; er brummte freilich, wenn sie so wenig und so schlecht als möglich arbeiteten, allein weiter brachte er es nicht. Daher fehlten dem Gute die nötigen Kräfte, es wurde nicht bearbeitet; bald fehlte Mist zum Ansäen, meist die Zeit. Man wurde nie fertig, und doch wurde kaum die Hälfte von dem, was nötig gewesen wäre, getan. Daher nahm das Leben des Gutesdenn jedes Gut hat ein Leben, das halb von der Beschaffenheit des Bodens, halb von der Arbeit abhängtab, und somit auch alle Jahre der Ertrag. Und das ist die Ursache vom unglücklichen Siechtum vieler Güter, dass man das Gleichgewicht nicht zu finden weiss zwischen dem, was das Gut will, und dem, was sein Besitzer will, zwischen den Kräften und Bedürfnissen des Gutes, dass man das Mass und die Art und Weise der Arbeit nicht gehörig würdigt.

Uli hatte seine liebe Not mit dem Alten. Es reute ihn jeder Boden, den er hergeben sollte für dies oder das, aller Mist, der nötig war. Er wollte Boden und Mist