Ringe, Häfte, Tüchleni, Mänteli; sie hatte manchmal damit, wenn es sie recht ankam, den ganzen Tisch überlegt und alle Stühle dazu, hielt eins nach dem andern bald ans Licht, bald an den Kopf oder an den rücken, und dann sollten ihr die Anwesenden sagen, was ihr am besten stehe; das legte sie zweg für den nächsten Sonntag. Da sie dieses aber fast alle Nachmittage vom Montag bis am Samstag trieb, so änderte der projektierte Putz gar manchmal, denn man trieb das Spiel mit ihm. Die Eltern durften ihm nichts sagen, sonst plärete Elisi und lag ins Bett, wollte sterben, weil sie verfolget würde; man musste den Doktor holen lassen, und es gab eine geschichte vom Gugger. Vreneli und Elisi waren einander nicht hold. Elisi behandelte Vreneli wie eine arme Verwandte, die das Gnadenbrot isst, und bedachte nicht, dass die Last der ganzen Haushaltung eigentlich auf ihm lag; auch mochten Vrenelis gesunde Farbe und rüstiges Wesen nicht wenig geheimen Neid erwecken, obgleich Elisi manchmal sagte: Im Weltschland hätten sie ein Wochenmönsch gehabt, das Vreneli auffallend ähnlich gewesen sei, und von dem hätten seine Frauen immer gesagt: "O ciel, quel air commun elle a!" Vreneli dagegen sah mit Bedauren der Verwandtin Narrochtigi und Meisterlosigkeit, nahm derselben Hochmut nicht sehr zu Herzen, liess hie und da ein Wort fallen, um Elisi abzumahnen, dass es sich doch nicht lächerlich machen möchte, was aber allemal übel aufgenommen und ausgelegt wurde, als ob Vreneli nur schalus sei.
Elisi grännete, als sich Uli an den Tisch setzte und etwas zu lesen begann. Er war ihr allentalben im Wege, er sollte nicht an diesem platz sein, sondern an einem andern, und war er an dem andern, so war er doch wieder nicht am rechten. Elisi hatte wieder den ganzen Tisch überlegt, eine ganze Menge Haarschnüre aufgerollt, eine schöner als die andere, und Uli konnte kaum mehr sein Buch darauf haben. Er ward in sich böse. Er sah die verdrüsslichen Gesichter wohl und die offenbare Absicht, ihn zu verdrängen, und nun meinte er bei sich selbst: wenn er eine ganze Woche bös habe, an Wind und Wetter sei, allentalben der Erste und der Letzte, so sollte doch wohl zwei oder drei Stunden für ihn Platz in einer warmen stube sein. Er war darauf und daran, seinen Unmut laut werden zu lassen und aufzuprotzen, obgleich es ihm so halb und halb vorkam, als wäre dieses dumm, indem er sich damit selbst strafe; das Klügste sei, zu tun, als achte er sich ihrer nicht, und zu machen, was ihm bequem sei. Aufzubegehren seis dann immer noch Zeit, wenn man ihm etwas sage. Wenn aber Ärger im Menschen ist, so macht er selten das Klügste, sondern gewöhnlich das Dümmste. Da fiel eins der Bänder Uli zu Füssen, er hob es auf, sah darüber hin und sagte unwillkürlich: Das sei das schönste Seidenband, das er noch gesehen; es nähmte ihn nur wunder, wie man sellig Blumen hineinweben könnte. Das sei noch gar nichts, sagte Elisi, es hätte noch viel schönere. Diese schönern brachte es herbei, und Uli bewunderte sie aus aufrichtigem Herzen, denn er hatte wirklich noch keine solchen gesehen. Es nehme ihn aber nicht wunder, setzte Uli hinzu, dass es schöne Haarschnüre begehre, es hätte auch schöne Züpfen dazu. Von da an fand Uli Platz am Tische und Gnade in Elisis Augen. Elisi war nun alle Sonntagnachmittage in der Wohnstube, züpfete darin, und Uli musste raten, welche Haarschnur einzuflechten sei. Uli war aber auch ein hübscher Mann, freilich bald dreissig, aber schön von Wuchs und Farbe; im Kopf hatte er blaue, heitere Augen und auf demselben dunkelblondes, gekrauselt Haar, bas nieden eine schöne Nase und darunter weisse Zähne, welche die Juden auch gestohlen haben würden, wenn sie sich an einen solchen Mann getraut hätten.
Das sah aber Joggeli wiederum nicht gerne, er wurde überhaupt immer ärgerlicher auf Uli. Der Schnee war vergangen und mit dem Holzen war man fertig geworden. Aber Uli hatte zugleich unnötiges Gräbel aller Art, das ums Haus lag, aufgeholzt und weggeräumt und die Scheiterbygen so zierlich gemacht, dass die Bäurin grosse Freude daran hatte und sagte: Jetzt sei eim doch einmal recht wohl, man könne zring ums Haus gehen, man stolpere über nichts und könne zring ums Haus luegen, und es mache einem nichts taub. Joggeli aber brummte gewaltig: So einen hätte er noch nicht gehabt, dem nichts recht sei; er lasse nichts am alten Ort, und zuletzt komme er ihnen noch ins Stübli und räume da auf. Zugleich hatte er um Erlaubnis gefragt, die Bäume, die in ganz jämmerlichem Zustande, voll Moos, Misteln und dürren Ästen waren, putzen zu dürfen. Er machte es einem Meister zTrotz, aber Joggeli doch nicht recht, und alle Knechte schimpften, er ziehe die Arbeit aus dem hintersten Ecken hervor, um sie zu kujonieren. Die Bschütti musste ausgetan werden, damit man für das Frühjahr neue machen könne, das war wieder Keinem recht. Sobald es recht auffror, ging es hinter die Matten, die eigentlich im Herbst hätten instand gesetzt werden sollen. Hier waren Wuhre aufzutun, und Graben und neue Britschen hätten sollen gemacht sein. Aber Joggeli, obgleich er das Holz hatte, sperrte sich mit allen Füssen und wollte nicht;