wolle regieren, und statt ihn zu unterstützen, kujiniere er ihn, bis er fort, laufe. Hintendrein sei er dann reuig und laufe ihnen nach, aber kaum habe er sie wieder, so fange das alte Spiel von neuem an. Das sei der wunderlichste Joggi, den es auf der Erde gebe, und dJoggeni seien doch füra etwas wunderlich, es wohne dem Namen an.
Jeder wusste von Joggeli ein Müsterli zu erzählen, was er gemacht und wie es ihm dieser und jener gereiset, und alle er, mahnten ihn, er solle sich da nicht plagen, sondern für sich sehen; wenn er es verstehe, so sei da etwas zu machen. Uli wurde ganz sturm darob und konnte seine Gedanken gar nicht bei der Predigt behalten. Alles, was er schon gesehen, bestätigte ihm das Gesagte; dasselbe kam ihm immer ärger, greller vor, das Unangenehme wuchs handgreiflich vor seinen Augen bis zur Unerträglichkeit. Er werde wohl nicht mehr oft in die Kirche gehen, dachte er, da halte er es nicht lange aus. Als er heimging, finster und trübselig, schien die Sonne so freundlich, und es glitzerte der Schnee so rein und weiss, und traulich hüpften und flogen die Gilberiche vor ihm her, dass ihm ganz heimelig zumute wurde, dass es ihm ward, als sei er wieder am alten Ort und Johannes gehe neben ihm und rede zu ihm. Und da ward ihm, als hörte er ihn sagen: "Weisst du noch von den zwei Stimmen, die einen begleiten im Leben, einer aufweisenden und einer mahnenden, und weisst du, wie die aufweisende, schmeichelnde stimme vom Versucher kommt, der Schlange im Paradiese, und wie sie einem den Kopf gross machen, ableiten will vom rechten Pfade und hinterher auslachet, wenn sie einen in Unglück und Schande gebracht, wie man die von sich weisen und sagen muss: Weiche von mir, Satanas! Wie sollte ich ein so grosses Übel tun und wider den Herrn, meinen Gott, sündigen!" So glaubte Uli den Johannes reden zu hören; und da gedachte er, was die Menschen, die gekommen waren, an Gottes Wort sich aufzuerbauen, zu ihm gesagt, wie sie ihn aufgewiesen, den Kopf gross gemacht. Da erkannte er, was das für Stimmen seien, was sie für eine Bedeutung hätten und wie er vor ihnen die Ohren verschliessen müsse. Aber es fing ihm fast an zu grusen vor den Leuten, die zusammenkommen, das Wort Gottes zu hören, Gott zu dienen, wie sie sagen, und die, statt Gott zu dienen, dem Satan dienen, statt sich zu erbauen, Andere niederziehen wollen in den Abgrund der Sünde. Es sei doch fürchterlich, dachte er, wenn den Leuten die Kirchenwege zu Höllenwegen würden, und es sei doch fürchterlich, ein Herz zu besitzen, das einem das Wort Gottes in Gift verkehre und dem Satan angehöre, während man mit dem leib Gott zu dienen vermeine. Da richtete er sich wieder auf und ward wohlgemut, dass er wieder wusste, woran er sei, und den rechten Weg wieder unter den Füssen fühlte. Doch schämte er sich fast, dass er beinahe und so leicht verführt worden, und er dachte, dass der Mensch fast sei wie ein Rohr, das der Wind hin- und herbewege, und wie notwendig es sei, zu wachen und zu beten, damit man nicht in Versuchung falle. Nun begriff er, was aus den Menschen werden müsse, die nicht wachen, nicht beten, und es kam ihm fast verwunderlich vor, dass nicht noch grössere Ruchlosigkeit sei unter den Menschen.
Beim Mittagessen konnte er ohne Zorn die Spöttereien er, tragen: Er solle sich schicken, er werde wohl noch in die Kinderlehre gehen und fragen aufsagen wollen. Er solle doch für sie alle beten; es käme ihnen jetzt kommod, dass sie einen Geistlichen unter sich hätten, der könne es für sie alle machen. Aber fluchen werden sie nüsti doch dürfen? Uli hätte es nie geglaubt, dass an einem Orte die Gottlosigkeit auf einem solchen Punkte stünde, dass sie so frech sich zeigen und die offen verfolgen dürfe, welche Gott dienen wollten. Uli wusste dar, um nicht, dass alle, die etwas Apartiges wollen, Glaubensfreiheit, Gewissensfreiheit wollen, bis sie in dieser Duldsamkeit zur Macht erwachsen und dann despotisch und gewaltsam Zwang und Tyrannei des Gewissens und des Glaubens einführen. Und merkwürdigerweise ist gerade die Gottlosigkeit am unduldsamsten, sobald sie das Recht erstritten hat, mit Frechheit offen sich zeigen zu dürfen. Sie will keine Gottesverehrung mehr dulden und verfolgt jede mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, legt euch Glaubens- und Gewissensfreiheit so aus, dass niemand mehr einen Glauben haben, niemand ein Gewissen zeigen solle. Wer fühlt nicht diese zur Macht strebende Gottlosigkeit und den Zwang, den sie bereits auszuüben beginnt?
Nach dem Essen ging Uli in sein Stübchen herauf, das kalt und dunkel war. Er nahm die Bibel hervor, die er im Trögli verschlossen hatte; es war eine sehr schöne, die ihm seine Meisterfrau zum Andenken geschenkt, mit grobem, weitem Druck und stattlichem Einbande. Da schlug er gleich das erste Kapitel auf, las die Schöpfungsgeschichte und staunte ob den Wundern, die Gottes Hand geschaffen, und dachte, wie weislich alles sich gestaltet und wie unendlich der Raum sein möge, den Gottes Allmacht mit Sternenheeren bevölkert. Er freute sich ob der Herrlichkeit des Paradieses und dachte