er. übrigens wolle er, dass zur rechten Zeit gemolken würde und zwar gut, sonst tue er es. Die Kühe mangelten es, dass man gut zu ihnen sehe.
Im haus verwunderte man sich gar sehr, als diesmal die Milch so früh kam, und Vreneli sagte: Es sei gut, wenn es eine andere Ordnung gebe, es wäre schon lange nötig gewesen. Als es zum Essen rief, war Uli zuerst auf dem Platz; selbst die beiden Jungfrauen erschienen erst später, verstrupft und schliefrig anzusehen, die Knechte drehten sich mit unerträglicher Langsamkeit herbei. Vreneli balgete: Es sei ein unerträglich Warten, man könne an einem Sonntag gar nicht mehr fertig werden, um in die Kirche zu gehen. Von den Schlinglen gehe keiner, es wäre auch schade um die Kirche, wenn einer hineinkäme; aber das sei das Verflüchtest, dass ihretwegen auch niemand anders hineinkomme. Uli fragte, wie weit es sei bis zur Kirche, wann man gehen müsse, um zu rechter Zeit zu kommen, und wo syr Gattig sässen darin? "Die werden doch luegen," sagte Vreneli, "wenn einer aus der Glungge in die Kirche kommt, das ist schon manches Jahr nicht der Brauch gewesen. Der Vetter geht, wenn er Götti sein muss, die Base zweimal im Jahr zum Nachtmahl und übers ander Jahr an dem Bettag, Lisabetli (Elisi sött men ihm säge) allemal, wenn es ein neues seidenes Tschöpli bekommen, ich, wenn ich einmal allen wüst gesagt, dass sie doch zur rechten Zeit zum Essen kämen, und die Andern gar nie, die denken so wenig daran, dass sie eine Seele haben, als unser Ringgi. Es nimmt mich wunder, was einist der liebe Gott aus sellige Trüssle, wenn sie gestorben sind, macht, bsunders mit dem Melcher. Wenn ich ihn wäre, den wollte ich einbeizen hundert oder zweihundert Jahre in ein Bätzifass und ihn dann erst hervornehmen und luegen, ob er noch stinke; dann wär es erst noch Zeit, zu denken, was man aus ihm machen wolle. Aber, Uli, sie lachen dich aus," sagte Vreneli, "wenn du gehst, und du hast Verdruss." "I Gottsname," sagte Uli, "aber z'Kilche z'gah brauch ich mich doch nicht zu schämen, und wenn ich hier nicht gehen dürfte, so wollte ich lieber fort. Der Lohn wäre mir noch lang zu klein, als dass ich meine Seele darob vergessen sollte." "Du hast recht," sagte Vreneli, "geh du nur; ich wollte, ich könnte mit dir. Aber dene Tüfels Trüssle will ich einmal wieder recht wüst sagen, vielleicht kann ich dann den andern Sonntag gehen." "Warum sagt auch der Meister zu solchen Sachen nichts? Mein Meister, wohl, der hat uns gesagt, ob wir in die Kirche sollten oder nicht." "Der Vetter", sagte Vreneli, "sagt, es gehe ihn nichts an, was sie mit ihren Seelen anfangen wollten; wenn sie ihm nur brav werchen und nicht stehlen täten, und das sei fast nicht zu erwehren." "Das glaube ich," sagte Uli, "das kann er nicht erwehren; wenn da nicht ein Anderer wehrt, so ist Joggeli lang z'mutze dazu."
Uli machte sich zweg, trotz dem Gespött der Andern, nahm ein Psalmenbuch in die Kuttentäsche und wanderte der Kirche zu. Die Andern lachten ihm nach und sagten: Er wolle zu Üfligen den neuen Meisterknecht zeigen; er werde meinen, die Leute werden auf die Bänke hinaufsteigen, um ihn zu sehen. Aber Solche hätte man schon manchen gesehen und noch Brävere. Vielleicht meine er gar, der Pfarrer ziehe ihn an in der Predig, aber sellig Flause wollten sie ihm schon vertreiben. Vreneli war, vielleicht zufällig, vielleicht nicht, unter der tür gestanden und hatte ihm nachgesehen und sagte den Andern: Es wäre eher möglich, dass der Pfarrer sie anzöge und von Hurenbuben, Faulhüngen und Lugibuben redete, darum dürften sie nicht in die Kirche gehen. Dann wer, den sie denken, solche Fötzel an Leib und Seele gehörten nicht in die Kirche. "Säg ume," sagte einer, "es uverschants Mul hescht; aber gäll, der gfiel dr, du redst sonst nicht so; du bist nicht besser als die Andern, sonst wärst du auch zKilche gange. Du wirst denken, wenn er nur einmal mit dir zKilche chömm, so heigs de für dyr Lebtig." "Das geht dich nichts an; einmal mit dir begehre ich nicht zKilche, lieber mit einem Schinderhund", sagte Vreneli und verschwand. Wildes Gelächter scholl ihm nach.
Uli fand bald Begleiter auf seinem Wege und ein Geständ um das Schulhaus, wo die Predigt abgehalten wurde. Das werde der neue Meisterknecht in der Glungge sein, sagte hier einer, dort einer. Es nehme sie wunder, wie lange er es mache. Meisterknecht möchten sie da nicht sein. Alle Andern hätten es gut, der müsse für alle ausfressen. Könne er es wohl mit den Diensten und mache auch, was sie, so passe ihm Joggeli auf wie ein Häftlimacher, bis er ihn fortschikken könne. Wolle einer Ordnung halten und das Land werchen lassen, wie öppe der Brauch sei, so hocken ihm die Diensten auf, und Joggeli werde zuletzt noch gar schalus und meine, er