Aber einem Solchen hätte man es nadisch dann bald erleidet. Uli sagte nicht viel dazu als dass, was der Meister befohlen, vollzogen werden müsse. Der Meister hätte befohlen und nicht er, und wenn Keiner schlechter da wegkäme als er, so sollten sie Gott danken. Er wolle niemand kujinieren, aber er lasse sich auch von niemanden kujinieren; er hätte keine Ursache, einen von ihnen zu fürchten. Der Meisterfrau sagte er, sie solle doch so gut sein und für ihrer drei zMittag rüsten zum Mitnehmen, denn sie würden zum Essen kaum heimkommen aus dem wald.
Am Morgen ging es in den Wald. Gäb wie der Karrer brummte und fluchte, er musste mit. Der Melcher wollte nicht dreschen, und der Meister zeigte sich nicht. Da nahm die Meisterfrau sich zusammen, ging hinaus und sagte: Es düech se, er sollte nicht zu vornehm sein zum Dreschen, es hätten schon viel vornehmere Leute als er gedroschen. Sie vermöchten keinen Melcher zu haben, der den ganzen Morgen die Zähng am Luft trocknen wolle. So wurde das Holz heimgebracht, man wusste nicht wie, und im Horner war Wetter und Weg so bös, dass man bös gelebt hätte beim Holzen.
Wie Uli auch draussen gearbeitet hatte und bös gehabt im wald (denn er nahm immer am schwereren Orte, er wollte der Meister sein nicht nur im Befehlen, sondern auch im arbeiten), so half er doch am Abend rüsten, was die Meisterfrau aufzuschütten befahl, es mochte sein, was es wollte. Er drehte sich nie davon und wehrte auch den Andern, es zu tun; je mehr man einander helfe, desto eher sei man fertig, sagte er, und wenn man davon essen wolle, so sei es doch billig, dass man daran helfe. Überhaupt war er behülflich, wo er nur konnte. Wenn eine Jungfrau einen Korb mit Kartoffeln gewaschen hatte und ihn nicht gerne alleine trug, weil sie dabei ganz nass wurde, so half er selbst tragen oder befahl es dem Buben, und als der sich anfangs weigerte, auf seine Worte nicht kam, so gewöhnte er ihn mit Ernst zum Gehorsam. Das sei nichts gemacht, sagte er, wenn ein Dienst dem andern nicht helfe sorge tragen zu seinen Kleidern, überhaupt ein Dienst den andern plage. So mache man sich ja selbst das Dienen mutwilligerweise noch schwerer, als es sonst sei. Sie wollten das lange nicht fassen. Es war überhaupt da eine merkwürdige Weise. Die Knechte plagten die Mägde, wo sie nur konnten, da war nirgends eine gegenseitige Hülfsleistung. Wenn ein Knecht dem Weibervolke Hand bieten sollte, so höhnte er und fluchte, tat keinen Wank; selbst die Meisterfrau musste sich dieses gefallen lassen, und wenn sie Joggeli klagte, so sagte er: Sie hätte immer nur zu balgen. Er hätte die Knechte nicht, um dem Weibervolk zu helfen; die hatten anderes zu tun als das Meienzeug desumz'zaaggen. Das Benehmen von Uli, der an eine solche Zwiespältigkeit in einem haus nicht gewohnt war, fiel daher auf und zog ihm von den Knechten argen Hohn und Spott zu.
Dieser Hohn, dieser Spott steigerte sich noch wegen andern Sachen bis zum Unerträglichen auf. Am ersten Samstag schon wollte der Melcher aus blossem Mutwillen nicht misten, sondern es versparen auf den Sonntagmorgen. Uli sagte, das tue er nicht, es sei durchaus kein Grund dazu da, es aufzuschieben. So könne man ja am Samstag nicht aufräumen ums Haus herum, wie es auch der Brauch sei. Zudem heisse es, man solle am Sonntag nicht arbeiten, du und dein Knecht und deine Magd. Am allerwenigsten schicke es sich, die wüsteste Sache auf den Sonntag zu sparen. Der Melcher sagte: "Sunntig hi, Sunntig her; was gheit mich der Sonntag, und heute miste ich nicht." Uli kochte es hoch im Kopf, indessen besass er sich und sagte bloss: "He nu, so miste ich." Der Meister, der das Brüll hörte, ging hinein und brummte für sich: "Wenn doch Uli nicht alles zwänge wett und neu Brüch yfüere, selb isch mr nit recht. Man hat lange am Sonntag gemistet, und es ist allen gut gsi; es wäre auch noch gut genug für ihn."
Vierzehntes Kapitel
Der erste Sonntag am neuen Orte
In der Samstagnacht ging es aus und ein wie in einem Taubenhaus. Als am Sonntagmorgen Uli zur gewohnten Stunde hinunterkam, war es still von Menschen, aber die Pferde scharrten, die Kühe brüllten und kein Melcher, kein Karrer waren da. Uli gab einmal Futter, gab zum zweitenmal, setzte sich endlich selbst ans Melchen, denn es ist nichts schlimmer, als wenn nicht immer zur gleichen Stunde gemolken und gefüttert wird. Mit Schrecken sah er, wie verwahrloset die Euter der Kühe waren, nicht die halben Striche gut; es schien ihm, als wenn der Melcher nicht melchen könne oder sich nicht Zeit nehme, es gut zu machen. Er war bald fertig, als der Melcher fluchend kam und sagte, das hätte nicht so pressiert, die Kühe hätten wohl der Zeit gehabt, zu warten, bis er gekommen, und wenn er ihm mehr unter eine Kuh sitze, so schlage er ihn unter sie, dass er sich seiner Lebenlang daran besinne. Uli sagte, das könnte er machen, wie er wolle, aber es wäre möglich, dass der Melcher eher unter der Kuh wäre als