1841_Gotthelf_136_62.txt

Ordnung einführen wolle, von so einem wollten sie sich nicht kujinieren lassen. Er daure sie noch, es wäre ein manierlicher Bursche, und arbeiten könne er, man müsse es bekennen. Alles, was er in die Finger nehme, stehe ihm wohl an. Unterdessen man im Tenn drosch, war der Karrer auf einem Rosse ausgeritten; es hiess, er sei in die Schmiede. Der Melcher war mit einer Kuh fortgefahren, er hatte aber niemand gesagt wohin. Es war Mittag, ehe einer von ihnen heimkam, Keiner hatte einen Streich gearbeitet.

Nach dem Mittagessen half Uli noch Erdäpfel schinden, wie es in geordneten Haushaltungen, wenn die Zeit es erlaubt, üblich ist; die Andern liefen hinaus, nahmen sich kaum Zeit zum Beten. Als Uli hinauskam, war Lärm im Tenn; zwei Paare schwangen auf dem Stroh der letzten Tenneten, die Andern sahen zu. Er rief dem Melcher, er solle kommen, sie wollten geschwind die Kälber herausnehmen und sehen, wie es mit ihnen stehe, wahrscheinlich müssten sie geschoren und gesalbet werden. Der Melcher sagte, das gehe Uli nichts an; die Kälber solle ihm niemand anrühren, die seien noch lang wohl so. Und der Karrer trat zu Uli: "Wei mr öppe eis mit enangere mache, wed darfst?" Es kochte Uli in den Adern, und er sah, dass das ein angelegtes Spiel sei, dem er sich nicht wohl entziehen könne. Früher oder später, das wusste er wohl, musste er ihnen stehen und sich fecken lassen. Darum also gerade jetzt, so wüssten sie doch, woran sie mit ihm seien. "He, wennds probiere witt, es ist mir gleich," und zweimal hintereinander schlug er den Karrer auf den rücken, dass es krachte. Da sagte der Melcher, er wolle es auch probieren; es sei ihm zwar fast nicht der wert, mit einem solchen Hagstecken z'machen, der Scheichleni heig wie ein Tubakröhrli und Wadli dran wien e Flöhdreck. Mit seinen braunen haarigen Armen packte er Uli an, als ob er ihn wie einen alten Lumpen verrupfen wollte. Aber Uli hielt stand, der Melcher brachte nichts ab. Er wurde immer zorniger, setzte immer giftiger an, schonte weder arme noch Beine, müpfte mit dem Kopf wie ein Tier, bis endlich Uli die Sache auch satt hatte, alle Kraft zusammennahm und dem Melcher einen solchen Schwung gab, dass er über den Kornwalm in die Mitte des Tenns flog und auf dem jenseitigen Schenkel niederfiel, alle Viere in die Höhe streckend, lange nicht recht wissend, wo er sei. Wie zufällig hatte Vreneli den Schweinen gebracht und Ulis Sieg gesehen. Drinnen sagte es der Gotte, es hätte etwas gesehen, das ihn es gefreut. Sie hätten Uli zuschanden machen wollen, er hätte mit ihnen schwingen müssen, aber er hätte sie alle mögen. Den struben Melcher hätte er auf den rücken geschlagen, als ob er nie gestanden wäre. Das sei ihm kommod, wenn er sie alle möge, so müssen sie ihn doch fürchten und Respekt haben. Uli aber, an seinem Kälberexamen gestört, ergriff den Flegel und sagte dem Melcher bloss: Heute habe er keine Zeit mehr für die Kälber, sie wollten denen dann an einem andern Tag lausen. Das Kornmutzen nahm diesmal mehr Zeit weg als sonst, und doch war man früher fertig als sonst und das Korn besser geputzt; aber man hatte sich auch anders gemühet als sonst und dabei auch weniger gefroren. Als Uli dem Meister angab, wieviel Korn es gegeben, so sagte der: So viel hätten sie noch nie gemacht in diesem Jahre, und doch hätten sie Gefallenes gedroschen.

Am Abend, als sie bei Tische sassen, kam der Meister und sagte: Es düeche ihn, das Holzen wäre jetzt kommod, man hätte die Pferde nichts zu brauchen und das Wetter sei schön und es düeche ihn, das Holzen und das Dreschen sollten miteinander gehen, wenn man es recht einrichte. Der Karrer sagte, die Pferde seien nicht gespitzt, und ein Anderer meinte, dann könne man nicht mehr zu Sechsen, sondern höchstens zu Vieren dreschen und werde so nie fertig. Uli sagte nichts. Endlich fragte Joggeli, als er nichts mehr zu antworten wusste, von den Diensten übermaulet: "sehe du, was meinst denn du?" "Wenn der Meister befiehlt, so muss es gehen", antwortete Uli. "Hans, der Karrer und ich bringen das Holz schon heim, und wenn der Melcher dreschen hilft und die Andern ihm misten und Futter rüsten helfen, so säumt das Holzen das Dreschen nicht." "He nu, so machet es so," sagte Joggeli und ging. Nun brach das Wetter über Uli los, in einzelnen Schlägen erst, dann in ganzen Batterien Donnerwettern. Der Karrer verfluchte sich, er gehe nicht ins Holz; der Melcher verfluchte sich, er rühre keinen Flegel an; die Andern verfluchten sich, sie wollten nicht zu Vieren dreschen. Sie liessen sich nicht kujinieren, sie seien keine Hüng, sie wüssten, was Brauch sei usw. Aber sie wüssten wohl, von wem es käme; aber der solle sich in acht nehmen, wenn er hier wolle sechse läuten hören. Es sei schon Mancher gekommen wie ein Landvogt und hätte sich streichen müssen wie ein Hund. Es sei einer ein schlechter Donner, wenn er, um dem Meister die Augen auszubohren, seine Nebendiensten vermalestiere.