hübschen Buben an der einen Hand, das hübsche Mädchen an der andern; in des Buben Kappe ein Pfingstnägeli, um dessen Hals ein rotseidenes Halstuch; das Mädchen unter einem schönen Schaubhütli, ein schönes Meieli im Corset, während in der Mutter stattlichem Brustlatz ein schöner Rosmarinstengel sich wiegte und in ihrem gesicht wohl erlaubte Mutterfreude.
Eine Viertelstunde nachher schossen den gleichen Weg zwei Mädchen mit Gesichtern wie angelaufene Krebse. Plötzlich stand das grössere still und fragte: "Hast du das Salzsäckli?" "Nein," sagte das andere, "ich habe gedacht, du hättest es." "Das verfluchte Salzsäckli!" sagte das erste, "ich wollte, der Meister müsste es unküchelt fresse. Du musst gehen und es holen. Aber lauf, was du magst, sonst balget die Meisterfrau, wenn wir so hintendrein kommen." Es ging hier auch wie allentalben in der Welt, die Meisterjungfere hatte es vergessen, die untergebene Magd musste die Mühe haben, es zu holen, und das ist eben in der ganzen Welt so: wenn der Obere etwas Dummes macht, so soll der Untergebene daran schuld sein oder es wieder gut machen.
Unterdessen war der Meister mit Barten fertig geworden, hatte im Stall sich umgesehen, stunde im Schopf, eine Pfeife stopfend und Sinns, auf das Bänkli vor dem Stalle sich zu setzen und hier dem Uli, der noch im Stall war, ans Herz zu greifen. Während er so dastund und stopfte und über das Kapitel sann, sah er ein Wägeli von der Strasse ablenken, ein stattlich Ross davor mit schön beschlagenem Geschirr, Leute darauf, grosse und kleine. Bald erkannte er seine Schwester, die mit seinem Schwager kam und drei Kindern, eines noch an der Brust. Mit herzlichem Gottwillche trat er ihnen entgegen, konnte sich aber nicht entalten, zu denken, es sei doch ds Tütschels sache, dass seine Frau heute hätte zKilche gehen müssen. Nachdem mit Mühe das Weib den schweren Weg vom hohen Wägeli auf den Boden gefunden, die Kinder ebenfalls, wurde gefragt: Wo er seine Alte habe? Es sei alles zKilche, sagte er, aber sie sollten nur hineinkommen, sie werde bald wieder da sein. Er führte sie zum haus; doch brachte es der Schwager nicht übers Herz, dem Uli, der das Ross abgenommen hatte, nicht in den Stall nachzugehen, zu sehen, wo er das Ross hinstelle, wie er es abschirre und anbinde, und zu hören, wie Uli es rühme. Das Letztere tat Uli auch. Es war ihm offenbar ein Stein vom Herzen gefallen, denn er hatte des Meisters Absicht wohl gemerket, und dass diese jetzt vereitelt war, machte ihn freundlicher, als er die ganze Woche gewesen. Drinnen hatte der Bauer seinem Meitschi befohlen, ein Kaffee zu machen. Er selbst ging in den Keller, nahm Nidle ab, hieb Käse ab und brachte alles nebst einem tüchtigen Laib Brot herauf und stellte es dem Mädchen zur Verfügung, das sich gar emsig rührte und für ein ganzes Königreich diese gelegenheit, der Mutter und der Gotte zu zeigen, was es schon verrichten könne, nicht gegeben hätte. Bald war in der Tat die Sache zweg, und die Gotte ermangelte nicht, das Annebäbeli zu rühmen, wie gleitig es sei und wie guten Kaffee es gemacht habe. Einmal ihr Lisabetli wäre das nicht imstande gewesen und sei doch siebenundzwanzig Wochen älter.
"Trini," sagte später der Bauer seiner Schwester, "dPredig ist aber lange nicht aus und du tätest mir ein Gefallen, wenn du kücheln wolltest. Meine Alte wird froh sein, wenn sie heimkömmt und das gmacht ist. Es ist Anken im Keller, ich will ihn dir hinaufholen." "Nein, Johannes, das tue ich nicht," sagte Trini. "Das manglet sich gar nicht z'küechle, und dann küchle ich nicht in einer fremden Pfanne und mit fremdem Anken. Ich hätte es auch nicht gern, wenn mir jemand über meine Ankenkübel ginge." "Du machst dich eigelicher als unsere Frau Pfarreri," sagte Johannes. "Warum, was hat denn die gemacht?" fragte Trini. "Ds Pfarrers sind letztin hier gewesen, und da war meine Alte auch nicht daheim. Sie geht manchmal so lange nicht von Haus, aber allemal, wenn sie fort ist, dünkt mich, es komme jemand. Da habe ich ds Pfarrers gesagt, es sei mir gar leid, meine Alte sei nicht daheim, sonst hätte die ihnen eins küchlen müssen. Ich wisse wohl, Küchleni seien den Herrenleuten seltsam. Oh, sie wolle schon küchlen, sagte ds Pfarrers Frau, ich solle ihr nur Anken geben, das Mehl wolle sie schon finden. Und ist sie nicht gegangen und hat geküchelt, dass man es im ganzen Dorf gschmöckt hat, und hat noch geglaubt, was sie verrichte. Wohl, da hat meine Alte etwas gesagt, als sie heimgekommen ist. So uverschant, meinte sie, sei sie doch nie gewesen, wenn sie schon nie im Welschland gewesen und Gumpernantlis gelernt habe." Während Trini lachte, ging der Bauer hinaus und sagte Annebäbeli: Es müsse noch mehr Fleisch in den Hafen und ein stattliches Hammeli, und dann solle es der Mutter alles zwegmachen zum Küchlen. Annebäbeli wäre im zug gewesen und hätte gerne selbst geküchelt, um zu zeigen, dass es das auch könne. Wer weiss, was Annebäbeli noch unterfangen hätte, wenn nicht