alte Mutter gar schön, und sie wischte bloss vom Hörensagen schon die Augen aus und sagte: "Häb nit Kummer, Vetter Johannes, dem soll es öppe nit übel bei uns gehen, wir vermögen es auch, zu ihm z'luege. Es düecht mich, wenn wir nume afe einen hätten, dem man trauen könnte und dem an der Sache gelegen wäre, es reute mich kein Lohn." "Base," sagte Johannes, "es kommt auf den Lohn nicht alles an; aber Unterstützig muss Uli haben und glauben muss man ihm. Wir haben ihn fast gehabt wie ein Kind vom haus, und da täte es ihm gar ungewohnt, wenn er nur so der Knecht sein sollte." "He," sagte die Mutter, "häb nit Kummer, Johannes, mir wei ds Mügliche tue. Wenn wir für uns ein Kaffee machen so zwüsche yche, so muss es nicht zu machen sein, oder er muss ein Kacheli davon haben. Und wir haben öppe alle Tage unser Möckli Fleisch, die Diensten aber nur am Sonntag. Wo käme man hin, wenn man ihnen alle Tage geben wollte? Aber wennd meinst, so wei mr luege, dass dr Uli o allbeneinisch zwüsche yche Fleisch überchunt." "Base," sagte Johannes, "das macht die Sache nicht aus, und Uli begehrt das auch nicht, es macht die Andern nur schalus. Geb wie man es anstellt, die Andern merken es doch. Wir haben eine Jungfrau gehabt, die hat allemal, wenn sie vom feld kam, in allen Kachelene gschmöckt und hat allemal es richtig erraten, wenn ein Kaffee gemacht worden, von dem sie nichts erhielt, wohl aber ein anderer Dienst, und dann hat sie acht Tage dr Kolder gmacht, dass man es bei ihr kaum aushalten konnte. Aber Zutrauen müsset ihr haben und ihm helfen, dann kömmts gut."
Der Vetter mochte das Gespräch nicht länger dauren lassen und führte den Johannes herum, in Ställen und Spycher, solange es heiter war, fragte um Rat und erhielt welchen, aber rühmen wollte ihm Johannes nichts. Bei den Kälbern sagte er, es wäre gut, wenn man dazu täte, die hätten Läuse, und bei den Schafen, die wären wohl dicht ineinander, sie erdrückten sich, und die Lämmer verrigelten ganz. Die übrige Inspektion tat er stillschweigend ab. Als sie wieder hineingingen, trafen sie Uli trübselig im Schopfe an, nahmen ihn hinein, aber trübselig blieb er den ganzen Abend. Das Weinen war ihm zvorderst, sobald jemand ein Wort zu ihm sagte.
Am folgenden Morgen rüstete Johannes sich zur Abreise, nachdem er über Vermögen hatte essen und auf alles hinauf noch ein Schnäpschen hatte trinken müssen, gäb wie er sagte: Er trinke nie Selligs am ene Morge. Uli hing ihm fast an der Kutte wie ein Kind, das fürchtet, der Vater laufe ihm fort, und als er ihm die Hand geben wollte, so sagte Uli, wenn es ihm erlaubt würde, so wollte er noch einen Plätz mit ihm fahren; er wisse nicht, wann er ihn wieder sehe. "Und wie gefällt es dir?" sagte Johannes, sobald sie vom haus weg waren. "O Meister, ich kann nicht sagen, wie es mir ist. Ich bin an vielen Orten gewesen, aber so habe ich es nirgends angetroffen. Da ist, helf mir Gott, nirgends keine Ordnung. Die Bschütte läuft in den Stall, der Mist ist noch nie recht ausgemacht worden, die Rosse stehen hinten höher als vornen, am Stroh ist noch das halbe Korn, auf der Bühne ist es Gsau, das Werkzeug sieht aus, man darfs nicht ansehen. Sie sehen mich alle an, als ob sie mich fressen wollten. Entweder geben sie mir keinen Bescheid oder messen mir unverschämte Worte zu, dass es mih düecht, ich müss ihnen eine zum Grind geben." "Häb Geduld und lyd dih," sagte Johannes. "Fange hübscheli an, nimm sHeft unbemerkt, mach selbst, so viel du kannst, sag alles mit Manier und lueg, dass du sie nach und nach äne ume bringest oder wenigstens Einige auf deine Seite. So warte eine Zeitlang und lueg, wie es geht und bis du recht gut mit allem bekannt worden bist, dass du siehst, wo du am besten zwegkommen magst. So grad afangs dryzschiesse, trägt nichts ab; man kennt die Sache gewöhnlich zu wenig und greifts nicht recht an. Wenn du dann weisst, woran du bist, und gutet es nicht, so turniere dann einmal recht aus dem ff aus, damit sie wissen, woran sie mit dir sind, und mach, dass Einer oder Zwei fort müssen, es wird dann schon bessern. Darneben habe nur guten Mut, du bist ja kein Sklave, kannst gehen, wann du willst. Es ist aber eine Lehrzeit für dich, und je mehr ein junger Mensch ausstehen muss, desto besser ist es ihm. Du kannst da viel lernen, kannst lernen Meister sein, und das ist eine grössere Kunst als du meinst, und es ist mir immer, als könnest du da so recht dein Glück machen und ein Mann werden. Mach nur, dass du es mit dem Weibervolk wohl kannst, aber doch nicht, dass der Alte misstreu wird; wennds mit denen kannst, so hast du schon viel gewonnen. Aber wenn sie dich zu viel