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so wirds scho guet cho, ih ha kei Kummer. Hock zueche u nimm; schüch dih nüt, es isch da, für dass me nähm." Auf dem Ofentritt sass noch eine dünne Gestalt mit weissem Gesicht, blassen, glanzlosen Augen, die tat, als bekümmere sie sich um alles nicht, ein schönes Druckli vor sich hatte und blauen Seidenfaden von einem Klungeli auf das andere wand.

Joggeli brichtete, wie er es mit dem letzten Meisterknecht gehabt habe und über was alles er seiter noch gekommen sei und wie es ihn düeche, es sei noch viel übler gegangen, als er jetzt nur sinne. "Was eim doch so ein Kerli Verdruss machen und schaden kann, und Sellig darf man nicht henke, es ist my Seel nicht recht. Allbets ist das nicht so gewesen; es ist eine Zeit gewesen, wo man jeden gehängt hat, der eines Strickes wert gestohlen. Selbist ist es recht gsi, aber jetzt ist es nüt meh. Es sollte einem meinen, die schlechten Leute sollten lauter ihresgleichen an der Regierung haben, so luegen sie ihnen durch die Finger. Ja nicht einmal die Weiber, welche ihre Männer vergiften, hängt man mehr. Es nimmt mih nume wunder, was schlechter ist, wenn man einen gegen das Gesetz tötet oder einen gegen das Gesetz lebendig lässt; es düecht mih, das sei eins wie das Andere. Und dennoch dünkt mich, wenn die, wo die gesetz aufrecht erhalten sollen, selber darinnen gange ga chaflen, so sei das ihnen vor Gott und Menschen nicht zu verzeihen. Da, dünkt es mich, sollte man das Recht haben, die zu tun, wo sie hingehören, statt ihnen noch müssen den Lohn zu geben."

Während dieser langen Rede von Joggeli, die er glücklicherweise innerhalb seiner vier Wände hielt, ansonst sie ihm leicht nicht sowohl einen Pressprozess, denn die waren damals noch nicht Mode, sondern eine Hochverratsgeschichte hätte zuziehen können, sagte seine Frau fortwährend zu Johannes und besonders zu Uli: "Näht doch, näht, es isch drfür da, oder düecht es ech nit guet? Mir gäs, wie mrs hei. Joggeli, schenk doch y, lue, sie hei us; trinkit doch, es isch no meh, wo gsi isch. Der Sohn het ne , es soll guete sy, er het ne selber gchauft im Weltschlang, aber er het is währli füfehalb Batze gchostet die Mass, und de ist no nit wohl gmesse gsi." Als Uli nicht mehr nehmen wollte, so legte ihm die Alte immer noch vor, stach die grössten Stücke mit der Gabel an und stiess sie dann mit dem Daumen ihm aufs Teller ab und sagte dazu: "He, du wärist mr e Lyde, wed das nit no möchtist; e sellige tolle Bursch muess gesse ha, wenn er bi dr Kraft blybe soll, und mir gönnen es; we si arbeite sölle, su muess me ne o z'esse . Nimm ume, nimm!" Indessen Uli vermochte doch endlich nichts mehr, nahm die Kappe in die hände, betete und stunde auf, um weiterzugehen. "Bleib doch," sagte Joggeli, "wo wotsch hi? Sie werden schon zum Blass sehen, ich habe es ihnen streng befohlen." "He, ih will use, öppe e wenig go umeangere luege, wies mir gfall", sagte Uli. "He nu, so gang, chum de wieder yche, wes dih friert, du sost mir hüt no nit werche," sagte die Mutter.

"Der wird noch etwas erleben," sagte Joggeli, "sie sehen ihn gar grusam ungern kommen; ich glaube, der Karrer wäre selbst gerne Meisterknecht geworden. Aber es ist mir recht, wenn sie schon wider einander sind. Es ist nie gut, wenn das Gesind zu einig ist, der Meister muss es immer entgelten." "He," sagte Johannes, "das ist, wie man es nimmt. Ja, wenn das Gesind auf einer Seite ist und der Meister auf der andern, so geht es dem Meister bös und er kann nichts zwängen. Aber wenn auch das Gesind wider einander ist und Eines dem Andern das Mögliche zuleid tut, Keines dem Andern helfen will, so geht es dem Meister auch bös, denn es geht am Ende doch alles über den Meister und seine Sache aus. Ich meine, das Wort sei allweg richtig: Friede bauet, Unfriede zerstört. Es will mir hier nicht recht gefallen. Da ist kein Mensch gekommen, das Ross abzunehmen, niemand wollte dem Uli tragen helfen; da macht ein jeder, was er will, und sie fürchten niemand. Das, Vetter, kommt nicht gut. Das muss ich sagen: so bleibt Uli nicht dabei. Wenn er Meisterknecht sein, die Verantwortung haben soll, so will er auch Ordnung, da lässt er nicht jeden machen, was er will. Da wirds nun Lärm geben alles wird auf ihn darkommen, und wenn Ihr ihn nicht unterstützet, so läuft er fort. Ich will es fry graduse säge: ich habe ihm gesagt, wenn er es hier nicht länger ausstehen könne, so solle er wieder zu mir kommen, für ihn hätte ich immer Platz. Er reut uns übel genug, und meine Frau het pläret, wo ich mit ihm fortgegangen bin, wie wenn er ihr Kind wäre." Das düechte die