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Unglück entgegenfahre; es ist mir, als wenn es mir vor wäre."

"Das ist nichts anders" sagte der Meister, "und ich wollte das nicht für eine böse Bedeutung nehmen. Sinn daran: vor bald zehn Jahren, wo du ein Nütnutz gewesen bist und ich zum Bessern dich angetrieben, wie schwer kam dich die Besserung nicht an, wie wenig Glauben hattest du an die Möglichkeit, dass alles gut kommen werde! Und doch kam es nach und nach gut, dein Glaube mehrte sich, und jetzt bist ein Bursch, von dem man wohl sagen kann, dass es mit dem gewonnen sei. Darum kümmere nicht; was du jetzt vor dir hast, ist ds Halb leichter; da kann es öppe nicht übeler gehen, als dass du nach einem Jahr wieder zu mir kommst. Halte dich nur gut, nimm dich in acht, der Vetter ist grusam misstreu; aber wenn er dich einmal erfahren hat, so kannst du dich seiner trösten. Mit den Diensten wirst du es am bösten haben; da mach süferli, nur nach und nach, solang es geht, in der Liebe, und nützt das nicht, so gschirr einmal recht aus, dass du weisst, woran du bist; so darinnen hangen ein ganzes Jahr möchte ich auch nicht."

Es war ein heller, klarer Jennertag, als sie durch schöne Felder, dann zwischen weissen Zäunen, glitzernden Bäumen durch der Glunggen zufuhren. Dieses Gut lag etwa eine Viertelstunde von Üfligen, war über hundert Jucharten gross, sehr fruchtbar, doch nicht ganz in einer Einhäge, einige Äcker und eine Matte lagen entfernter. In nassen Jahren mochte es an einigen Orten wohl nass werden, doch dem liess sich helfen. Als sie anfuhren, trätschete Joggeli an einem Stock ums Haus herum, das etwas im Boden lag, und sagte: Er hätte schon lange auf sie gesehen und bald geglaubt, sie kämen nicht mehr, es hätte ihn blanget. "Es soll einer kommen und das Ross abnehmen!" rief er gegen das Scheuerwerk hin, das am haus war. Es kam niemand. Uli musste selbst abspannen und fragte, wo er mit dem Blass hin solle? "sehe, es soll einer kommen!" Keiner kam. Da ging der Alte ärgerlich gegen den Stall, riss die tür auf, und da striegelte der Karrer ganz gelassen Pferde. "Ghörst denn nichts, wenn man ruft" sagte Joggeli. "Ich habe nichts gehört." "Su los es andermal, und chumm nimm das Ross!" Er müsse ihm zuerst Platz machen, schnauzte der Bursche und fuhr nun unter seine Rosse wie der Habek in ein Taubenhaus, dass die in die Krippe schossen, aufwarfen und Uli unter beständigem "Ü, ü, ü" und Lebensgefahr seinen Blass zuhinterst in den Stall brachte. Dort konnte er lange keine Halfter kriegen. "Hättest eine mitgebracht!" erhielt er erst zur Antwort. Als er wieder zum Schlitten kam und sein Trögli abband, sollten Holzer es ihm tragen helfen, aber lange rührte sich keiner. Endlich schickten sie den Bueb, der auf der Treppe die Handhabe fahren liess, so dass Uli beinahe rückwärts hinabgefahren wäre und nur seiner Kraft es zu verdanken hatte, dass es nicht geschah. Das Gemach, in das man ihn führte, war nicht hell, unheizbar und mit zwei Betten besetzt. Etwas trübselig stunde er darin, als man ihn hinunterrief: Er solle kommen und etwas Warmes nehmen.

Draussen nahm ihn ein munteres, schönes Mädchen in Empfang, nussbraun an Haar und Augen, rot und weiss an den Backen, kusslicht die Lippen, blendend die Zähne, gross, fest, aber schlank gebaut, mit ernsten Mienen, hinter denen der Schalk lauerte, aber auch die Gutmütigkeit. Über das Ganze war das bekannte, aber unbeschreibliche Etwas gegossen, das da, wo es sichtbar wird, von innerer und äusserer Reinlichkeit zeuget, von einer Seele, die das Unreine hasst, deren Leib daher auch nie unrein wird oder nie unrein scheint mitten in der wüstesten Arbeit. Vreneli, so hiess das Mädchen, war eine arme Verwandte im haus, die ihr Lebtag nirgends hätte sein sollen, allentalben für Aschenbrödel gehalten wurde, aber immer die Asche abschüttelte, weder äusserlich noch innerlich getrübt wurde, Gott und Menschen und jedem jungen Tage in neuer Frische entgegenlachte, daher auch allentalben sein konnte und sich Platz machte in den Herzen, gäb wie man sich dagegen wehren mochte; daher es oft schon lange von Verwandten innerlich geliebt wurde, während sie glaubten, sie hassten es noch und verschüpften es als den Zeugen des unerlaubten Umganges einer vornehmen Verwandtin mit einem Tauner. Vreneli hatte die tür nicht aufgemacht. Als Uli heraustrat, überflogen ihn die braunen Augen, und ganz ernst fragte Vreneli: "Du wirst der neue Meisterknecht sein sollen; du sollest hinunterkommen und öppis Warms näh." Es hätte sich nicht gemangelt, sagte Uli, sie hätten unterwegs etwas genommen. Indessen ging er stillschweigend hinter dem raschen Mädchen her der stube zu. Dort sassen Joggeli und Johannes schon hinter dem Tische hinter dampfendem Fleische, grünes und gesalzenes, hinter Sauerkabis und Birenschnitzen, und eine alte, runde, freundliche Frau trat ihm entgegen, strichdie Hand noch am Fürtuche ab, bot ihm sie dar und sagte: "Bist du dr neu Meisterknecht? He nu so de, wed son e Fromme bist, wie de e Brave bist,