mich allemal, wenn ich einen auf einem bessern Weg sehe. Wo du in die Unterweisung gekommen bist, hätte ich das nicht von dir erwartet. Aber es ist dem lieben Gott gar viel möglich, woran der Mensch nicht denkt. Vergiss aber in der Glungge nicht, dass dort der gleiche Gott ist, der hier sein Auge auf dir gehabt hat, und dass es dir nur so lange wohl geht, als er dir hilft und du ihm treu bist. Vergiss nie, dass er alles gseht und alles ghört, wenn es schon dein Meister nicht sieht und nicht hört. Jetzt wirst du über viel gesetzt, es wird auch viel von dir gefordert werden. Jetzt hast du Gott nötiger als nie, und denke immer, was du sagst, wenn du betest: Führe mich nicht in Versuchung! Denke daran, was der Heiland gesagt hat: Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtungen fallet! Es wird mich immer freuen, wenn ich gute Nachricht von dir habe, und wenn du hieher zDorf kömmst, so komm auch zu mir und gib mir Bricht, wie es dir geht, es wird mich recht wohl freuen."
Uli ging ganz gerührt und verwundert fort und mochte nicht warten, bis er dem Meister sagen konnte: "denke, dr Pfarrer hat mich noch gekannt und es ist ihm alles bekannt gewesen. Er hat gewusst, dass ich mich geändert, dass ich in die Glungge komme, und wie es dort ist, hat mir geschienen, wisse er auch. Wie ist das auch möglich, er hat doch nie mit mir geredet und ist die längste Zeit nicht bei dir gewesen?" "Jä," sagte der Meister, "das ist der Name, von dem ich dir gesagt habe. Der gute Name kommt weit und der böse noch weiter, und es ist kein Mensch so gering, es wird von ihm brichtet. Und so ein Pfarrer soll auf diese Namen mehr oder weniger acht haben, damit, wenn die gelegenheit kommt, er weiss, wie er mit den Leuten reden soll. So ein unerwarteter Zuspruch bei gelegenheit tut manchmal recht gute wirkung; es schadet niemere nüt, wenn man weiss, dass auf einen gesehen wird." "Ja, das muss ich sagen," sagte Uli, "der Zuspruch hat mich gefreut, und ich wollte nicht, dass ich nicht selbst gegangen wäre. Er hat mir da ein paar wichtige Worte gesagt, die ich nicht vergessen will."
Der Meister hatte sich entschlossen, Uli selbst auf seinen neuen Platz zu führen; er solle mit dem Züglen nicht Kosten haben, sagte er, und dann könne er ihm vielleicht einen oder den andern Rat geben, wenn er die gelegenheit selbst angesehen. Uli liess seinen Lohn fast ganz zurück und hatte nun in der Kasse ordentlich über hundertfünfzig Kronen. Einen Trog hatte er machen lassen mit einem guten Schloss, damit ihm nicht jeder über seine Sachen könne.
Neujahr kam, da wurde auch gneujahret nach allgemeinem Gebrauch. Wein und Fleisch war genug auf dem Tisch, sonst ging es recht lustig zu. Jetzt sass man beisammen, ass und trank und wollte lustig sein. Da sagte Uli: "Hocken ih ächt zum letztenmal da?", und das Augenwasser schoss ihm über die Backen ab, und er stunde auf und ging hinaus. Und allen kam das Augenwasser und stellte ihnen das Essen, und sie redeten lange nichts, bis endlich die Frau sagte: "Johannes du musst doch use und ga luege, wo Uli bleibt; er soll hineinkommen. Es ist jetzt so, und ich bin nicht schuld daran aber mir wei die letzti stunde doch noch binenangere sy."
Zwölftes Kapitel
Wie Uli seinen alten Dienstort verlässt und an den
neuen einfährt
Am folgenden Morgen wurde der Schlitten zurecht gemacht, das Tröglein aufgebunden, und Uli musste noch im Stübli mit ihnen frühstücken, Kaffee, Käs und Eiertätsch. Als angespannt war, konnte er fast nicht fort, und als es endlich sein musste und er der Meisterin die Hand längte und sagte: "Lebet wohl, Mutter, und zürnet mr nüt!", da schoss ihm wieder das wasser aus den Augen, und die Bäurin musste das Fürtuch vor die Augen nehmen und sagte: "Ich wüsste nicht, was ich zürnen wollte, wenn es dir nur gut geht, aber wenn es dir nicht gefällt, so komm wieder, welche Stunde du willst, je eher je lieber." Die Kinder wollten ihn fast nicht lassen; es düechte ihn, als wolle es ihm das Herz zerreissen, als endlich der Meister sagte: Sie sollten lugg lassen, sie müssten fort, wenn sie noch heute an Ort und Stelle wollten, und es werde nicht das letzte Mal sein, dass sie einander sehen. Es sei einmal jetzt so. Als sie fortfuhren, wischte sich die Frau noch lange die Augen ab und musste die Kinder trösten, die fast nicht vom Jammern lassen wollten.
Die Beiden fuhren lange stillschweigend durch den glitzernden Schnee. "Na, na!" musste der Meister zuweilen sagen, wenn der wilde Blass in Galopp fiel, den leichten Schlitten pfeilschnell dahinriss und mit hochgeworfenen Beinen den Schnee weit in die Luft warf. "Es macht mir Kummer," sagte Uli, "und je länger je mehr, je näher wir kommen, es ist mir so schwer, ich kann nichts anderes glauben, als dass ich meinem