1841_Gotthelf_136_52.txt

es frage ihm draussen eine Frau nach. Er werde etwas Bestelltes haben, spöttelte die Wirtin. Die Magd sagte, es sei einmal eine Hübsche. Sobald Johannes draussen war, sagte der Vetter: Ob denn der so einer sei? Er hätte das nicht von ihm geglaubt. "Bhüetis," sagte die Wirtin, "da ist nichts Böses, das ist von den Brävsten einer. Es wird öppe eine sein, die mit ihm heimreiten will." Johannes brachte die Körbchen herein und bestätigte der Wirtin Meinung und sagte, es sei eine Nachbäurin gewesen, die ihm seinen Anken verkauft habe. Sie habe nicht warten wollen und wolle mit einem Andern heimreiten, wenn es sich schicke. Das sei ihm leid, wenn er im Weg gewesen sei; es hätte ihn schon lange düecht, er erwarte jemand, er habe ihm nur halb zugehört und noch keine Antwort gegeben. "Bhüetis, Vetter," sagte Johannes, "da seid Ihr letz dra; wisst Ihr, was ich gesinnet habe und warum noch keine Antwort gegeben? Es ist mir etwas im Sinn herumgegangen, und es hat sich bei mir gwerweiset, ob ich es Euch sagen wolle. Ich will es jetzt fry graduse bekenne. Ich hätte gerade so einen Knecht, wie Ihr ihn mangelt, aber er reut mich; ich kriege einen solchen nicht bald wieder, und doch möchte ich nicht vor seinem Glück sein." "Das wäre!" sagte der Vetter; "aber warum willst du ihn fortlassen, was scheust du an ihm?" "Gar nichts," sagte Johannes, "er ist mir gerade recht, und ich wünsche mir keinen bessern; allein er trachtet nach grossem Lohn, und er verdient ihn auch. Er kann einem Bauernwesen vorstehen mit arbeiten und Handeln wie der beste Bauer, und dazu ist er fromm, man könnte ihn in Königs Schatzkammer lassen, er würde um keinen Kreuzer betrügen, da ist alles sicher vor ihm." "Das wär mir afe," sagte der Vetter; "grad so einen möchte ich. Und was meinst du, käme mir der um vierzig Kronen? Das ist ein schönes Geld." "Gerade so viel gebe ich ihm selbst," sagte Johannes; "Vetter, wenn Ihr den wollt, so kostet er sechzig Kronen und keinen Rappen weniger." "Ist er dir verwandt?" fragte der Vetter. "Nein," sagte Johannes, "er ist ein armer Bursch gewesen, wo er zu mir gekommen ist." Noch ein gar langes Examen stellte der misstreue Vetter an, bis er sich endlich entschloss, mit Johannes heimzufahren und den Knecht selbst ins auge zu nehmen. Johannes war fast reuig, dass er etwas gesagt.

Bald befahlen sie anzuspannen, und der Vetter bezahlte die ganze Ürti, geb wie Johannes sich wehrte. Als sie hinunter, kamen, kam Anne Meieli wiederum daher und sagte: Da sei es ihm schön ergangen, der Burri Uli hätte ihm versprochen, ihn es mitzunehmen, er wolle nur noch eine Verrichtung machen, es solle hier warten. Es habe nun gewartet, ihn noch gesucht und könne ihn nirgends finden, und wenn es jetzt heim, laufen müsse, so komme es, es wisse niemand wann, heim; es schäme sich schon jetzt, so lang auf dem Märit zu sein. Johannes sagte, der alte Platz warte ihm noch, und so fuhren sie fort, Johannes voran, der Vetter in seinem schönen Reitwägeli hintendrein. Er dachte allerlei, so allein fahrend, und als sie noch etwa eine Stunde vom Bodenhof waren, rief er Johannes: Ob nicht im nächsten Dörfchen eine Schmiede sei, er müsse ein Eisen festschlagen lassen, er verliere es sonst. Johannes sagte: Ja, und er wolle ihm warten, es sei gleich dabei auch ein Wirtshäuschen. Aber der Vetter wollte nicht. Die Frau pressiere, sagte er, und es sei nicht der wert einzukehren, er komme gleich nach.

So fuhr Johannes voraus; Joggeli, der Vetter, gar langsam nach, liess beim Wirtshaus ausspannen und zum Schein einen Nagel einschlagen. Beim Ausspannen fragte er den Stallknecht, was das für ein Bauer sei, der da vor ihm hergefahren? Ob das seine Frau sei, "Nein," sagte der Stallknecht. "Sie werden einander sonst lieb haben," meinte Joggeli. Er wisse nichts Apartigs, er hätte von Beiden nichts dergleichen gehört, sagte der Stallknecht. Er hätte gar ein braves Ross im Wägeli gehabt, sagte Joggeli, er mangelte schier so eins und hätte auf dem Märit nichts Anständiges gefunden; ob das wohl dem Bauer feil wäre und ob er noch mehrere hätte? Der hätte einen ganzen Stall voll Ross, sagte der Stallknecht. Da finde man selten die besten Rosse; wenn man so viel habe, so werde gewöhnlich schlecht gefüttert und schlecht zu ihnen gesehen, warf Joggeli ein. Das sei da nicht der Fall, antwortete der Stallknecht; der Bauer täts nicht so, das sei einer von den Mehbessern, und dann hätte er einen bsonderbar guten Knecht, es gäb weit und breit keinen solchen. Joggeli schwieg, liess den Stallknecht das Pferd besorgen, ging in die stube und fing dort fast das gleiche Examen an, während er seinen Schoppen trank, nur mit ganz andern Wendungen, kam aber am Ende aufs Gleiche heraus: dass sein Vetter Johannes ein gar braver Mann sei, soviel me emel