Unterdessen fuhr Johannes dem Märit zu. Seine Augen betrachteten allentalben den Stand der Herbstarbeit, die Kornäcker, die gesäet waren, die Erdäpfel, die noch auszumachen waren; übersah die Bäume, wie sie behängt und ob nicht hier oder da eine schöne Sorte sei, die er noch nicht besitze.
Er sah vor sich mit einem schweren Korb am arme mühsam ein schlank Weibchen gehen, die zuweilen ein rosiges Gesicht zurückdrehte. "Hü, Blass," sagte er, "spring es bitzeli!" Aber kaum war der im zug, so zog der Meister das Leitseil wieder an und fragte: "Anne Meieli, wottsch öppe ryte?" Und Anne Meieli stunde still und sagte: "Gar gern, wes dih nüt irrt; es het mih scho vo wytem düecht, es sott dih sy und wed mih heissist cho, su wells dr nit absäge." "So gib mir dein Körbchen," sagte Johannes, schlug den Fusssack zurück, versorgte die Körbchen unten im Gestell und bot dann dem Weibchen die Hand, während er mit der andern den Blass mühsam zügelte. "So," sagte Anne Meieli, "jetz wär ih dobe, es isch mr viel z'guet gange. Mein Korb hätte mich würden plagen, wenn ich ihn hätte tragen müssen bis hinein. Aber ich habe viel zu kaufen, und da habe ich gedacht, ich wolle einmal nehmen, dass ich etwa lösen könne, was ich brauche." "Ihr werdet kein Geld mehr haben daheim!" sagte Johannes. Selb nicht, sagte Anne Meieli, eine junge, tätige Nachbarsfrau, aber es düechs geng, solange man etwas zu verkaufen habe, das einem nichts abtrage, so solle man verkaufen und nicht das Geld, das man habe, wiederum aus dem haus tragen. "Für son e Jungi," sagte Johannes, "bist du nicht die Letzte." Oh, sagte Anne Meieli, es sei nicht gesagt, dass die Ältesten immer die Besten wären und die Witzigsten; wenn manche Junge machen könnte, was sie wollte, es würde noch an manchem Orte besser gehen. Nit, sie wolle aparti nicht klagen; aber es hätte sie schon manchmal düecht, ihres Manns Mutter hätte einen Brauch, es wäre besser, er wäre nicht. Aber sie sage nichts, man könne alte Leute nicht anders gewöhnen, und es sei ein Söhniswyb geng dumm, wenn es alles nach seinem Brauch machen wolle. Wenn man jung sei, so könne man sich am besten leiden; wenn man einst alt werde, so hätte man es auch nicht gerne, wenn so eine Junge käme und alles besser machen wollte. Johannes antwortete darauf, wie es einem solchen mann anständig war.
Unter solchen Gesprächen fuhr man durch die sich mehrende Menge von allerlei Geschöpfen, grüsste links und grüsste rechts, und Anne Meieli machte ein recht glückliches, fast stolzes Gesicht auf dem schönen Wägeli und neben dem tollen Mann. Endlich angelangt, sprang Anne Meieli zuerst herab, empfing die beiden Körbchen und sagte: Wenn er seins ihm anvertrauen wolle, so wolle es seinen Anken auch verkaufen, es gehe ihm in einem zu und es wolle es machen, so gut es könne; es wisse wohl, dass die Männer mit dem nicht gerne zu tun hätten. "Anne Meieli," sagte Johannes, "du tust mir einen grossen Gefallen, aber ich will dir die Körbchen tragen bis auf den Ankenmärit. Ich mag die besser als du." Anne Mareili machte Komplimente, indessen es liess es geschehen, und Johannes fragte ihn es noch, wann es wieder fort wolle? Es solle mit ihm heimreiten, er wolle auch nicht spät sein. Es könnte ihm doch zu lange gehen, sagte Anne Mareili. Er solle sagen, wo es ihn antreffen könne so um Mittagszeit. Es wolle ihm dann das Geld bringen, und da könne man immer noch luegen, ob es sich schicken wolle.
Johannes ging seinen Geschäften nach, tat dieses ab und jenes, und bald war es Mittag. Da schiens ihm in dichtem Gedränge, er höre rufen hinter sich: "Vetterma, los neuis! Johannes, wart doch!" Endlich stunde er still, sah um sich, wollte wieder gehen, hörte wieder rufen, stunde wieder still, bis ein altes, schitteres Mannli sich zu ihm durcharbeitete und keuchend sagte: "Ich habe geglaubt, ich bringe es nicht zweg, bis zu dir zu kommen, Vetter Johannes." "Eh Gottwilche, Vetter," sagte Johannes. "Ich hätte eher an den Tod gedacht als an Euch, was bringt Euch hier zMärit so weit?" "Gerade deinetwegen komme ich," sagte er; "ich habe neuis mit dir zu reden, wenn du der Zeit hast, mir abzlose." "Warum nit, Vetter, saget ume." "Hier nicht," sagte er, "hier schickt es sich mir nicht; aber wenn wir etwa an einen Ort könnten, wo wir ein rühig Stübli haben könnten, wo nit alles zuechelauft, so wär es mir anständig. Aber ich bin hier gar nicht bekannt." "Kommet nur, Vetter, ich weiss schon, wo wir hin wollen. Da, wo ich eingestellt habe, da gibt uns die Wirtin schon ein Stübli; es ist noch von weitem meine Base, und wenn ich etwas möchte, so ist es nie Nein, wenn