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die Leute, welche einen Kreuzer Geld mangeln, werden alle heute Anken verkaufen wollen. Es düechs, sagte es zu Uli, es möchte etwas essen, der Wein mache ihm Hunger; ob sie neuis wollen heissen cho? Es sei ihm gleich, sagte Uli. Er könnte es machen, aber er wolle mitalten. Käti rief den Wirt und fragte, was sie hätten. Der Wirt sagte: Wenn sie noch ein Brösmeli Geduld hätten, so könnten sie Bratis haben und Würste und von einem Hammli; aber es sei noch alles über; sie hätten nicht geglaubt, dass die Leute heute so früh kämen. Dem Käti war es recht, zu warten, von wegen den Säulene, sagte es; es kuhle dann derweilen. Da werden sie noch eine Halbe haben müssen; sie hätten so enangerena trunke und nicht daran gedacht, dass sie noch etwas essen wollten.

Endlich war aufgegessen und ausgetrunken und Käti rief: "Wirt, was sy mr schuldig?" "Kann man euch nicht noch mit etwas aufwarten?" sagte er, "öppe no mit emene Schöppli?" Als er das Nein vernahm, sagte er: "He nu so de, su isch es zäme sechszeche Batze." Sie fuhren Beide in die Säcke, und Käti sagte dem Uli, er solle nicht Geld fürezieh, es wolle zahlen. Uli sagte, das wäre ihm gspässig; er sei auch froh gewesen, etwas zu nehmen. Uli zog eine Handvoll Münze hervor und Käti nur sechs Kreuzer oder drei Batzen, dazu dann drei oder vier Neutaler. Es müsse wechseln lassen, sagte Käti, aber seine Neutaler reuten es schier, man bekäme immer so schlechte Münze in den Wirtshäusern. Es hätte einen ganzen Bieter voll Münze bei sich gehabt, aber dem Vater davon geben müssen, als er die Säuleni gezahlt habe, sein Geld habe ihn gereut. "Weisst was, Uli," sagte Käti, "zahl du auch für mich; ich will es dir wieder geben, sobald wir heim sind. Ich habe zu haus noch mehr Geld als das da, es hat noch Manche nicht so viel als ich; es wär mänge Bur froh, er könnte mit mir tauschen. Die Mutter sagt immer, es sei nicht manche Baurentochter ds Land auf und ds Land ab, die sövli Bietersackgeld habe wie ich. Aber ich bekomme Trinkgelder alle, mal, wenn wir Schweine verkaufen, auf das mindest immer fünf Batzen von einem. Und wenn etwas zu vertragen ist, kommt es an mich. Die Metzg ins Pfarrhaus trage ich auch, aber dort hats böset. Die vorige Pfarrere hat fünf Batzen gegeben, wenn eine Hamme dabeigewesen ist; die gibt nur dreieinhalb Batzen auf ds Vielst. Alle Jahre habe ich einen eigenen Flachsplätz, wo ich schon manchmal fünfundzwanzig Pfund gemacht habe. Aber die Mutter sagt, es sei nichts als billig, dass ich für mich pflanzen könne; es gäbte ds Land auf und ab nicht Manche, die sich zum Spinnen hielte wie ich, und sie wolle ausbieten, es seien im ganzen Kanton nicht ein Dotzend, die mit mir machen konnten, welches besser. Dann ist auch der Vater gar gut gegen mir; wenn ihm Geld eingeht und ich bin umeweg, so tut er es nie ins Bureau, bis er mir ein oder zwei Neutaler gegeben, ja ich weiss schon, ich habe eine ganze Dublone bekommen. Aber dr Vater hat schon manchmal gesagt, das sei nichts als billig. Wenn er einen Knecht bekommen sollte, der mir die Stange hielte und den er brauchen konnte wie mich in alle Spiel, er müsste ihm vierzig bis fünfzig Kronen Lohn geben, und dann könnte er ihn im Winter doch nicht zum Spinnen brauchen wie mich. Er hat schon manchmal gesagt, er hätte noch kein Meitschi gesehen, das mähen könne wie ich. Wo er jung gewesen sei, so hätte er mich müesse förchte, und doch hätte ihn nie einer mögen. Aber ds Wetzen verstehe ich aus dem ff; es haut mir durch Schärhüfe und durch den Wurmherd wie gschisse, und ich fahre noch lange zu, wenn die Andern schon lange nichts mehr machen können. Aber sie haben mir auch schon manchmal alle ihre Segessen zu wetzen gegeben und haben gesagt, es nehme sie nur wunder, wie ich es mache; so hauig hätten sie noch niemand wetzen sehen, und doch meine man, ich nehme die Segesse bloss i dFinger, so nüt z'tue gebs mr. Da bin ich am Morgen immer zuerst zweg, und wenn abends die Knechte schon lange im Nest sind, so fichten ih noch in der Küche und wasche ab oder helfe der Mutter zMorgen rüsten. Sie hat schon manchmal gesagt, es nehme sie nur wunder, wie ich es ausstehen möge. Aber gschau mini arme, Uli, und Beine habe ich noch dickere, da ist öppis drinne. Voriges Jahr habe ich zweitausend Korngarben, so schwer, wie wir sie machen, wo wir von einer immer fünf Immi dröschen, in einem halben Tag allein hinaufgegeben; es ist dem gschmuecht worden, wo sie hat abnehmen müssen. Die Leute haben von allem Wunder brichtet und gesagt, das sei noch nie erlebt worden, dass ein Meitschi zweitausend sellig Garben in einem halben Tag allein hinaufgegeben habe, und ich bin doch gar nicht müde gewesen. Unser Melker hat gesagt, jetz werde ich doch afe gstabelig sein. Und da habe ich ihm gesagt