Kiltganges treiben so früh möglich, welche dabei ohne Gewissensbisse, ich mochte fast sagen ganz gedankenlos, alles treiben, was Lust und gelegenheit ihnen darbieten, welche ohne Ahnung von Gefahr flattern um das Licht wie die Fliegen und auf eine, wenn man dieser Leute Gedankenlosigkeit nicht kennte, fast unglaubliche Art aufschrecken, wenn die notwendigen, natürlichen Folgen eintreten, wenn ein Mädchen sie der Vaterschaft beklagt, aufschrecken wie Menschen, die man mit verbundenen Augen an einen Abgrund geführt, ihnen die Binde erst abnimmt, wenn man sie hineinstösst. Bei ihnen wird nie Liebe sichtbar, sobald ein Mädchen sie anklagt; sie fliehen die Mädchen, mit welchen sie früher so zärtlich getan, sie so oft zu Gast gehalten, nicht nur, sie hassen sie recht eigentlich. Und dies wollen die Mädchen trotz tausendfältiger Erfahrung nie begreifen, die Mädchen, welche mit ihrer lästerlichen Willfährigkeit, ja Zutäppigkeit sich Huld und Liebe zu erwerben und zu erhalten meinen.
Der Bauer und seine Frau liessen den Burschen machen; es war, als ob sie sich nicht um ihn kümmerten. Es war aber nicht so. Die Frau hatte ein paar Male zum mann gesagt: Uli tue doch so wüst, sie hätte ihn noch nie so gesehen; ob er ihm wohl nicht zu scharf zugesprochen? Der Mann wollte das nicht glauben; Uli sei ja nicht über ihn allein böse, sondern über die ganze Welt, sagte er. Er glaube, er sei eigentlich am meisten böse über sich selbst und lasse es nun an Andern aus. Am Sonntag wolle er mit ihm noch einmal reden, so könne es nicht mehr gehen, das müsse nun einmal halten oder brechen. Er solle es aber doch nicht zu grob machen, sagte die Frau. Daneben sei Uli nicht der Schlimmste; man wisse, was man an ihm habe, aber nie, was man bekomme.
Zweites Kapitel
Ein heiterer Sonntag in einem schönen Baurenhause Der Sonntag kam am Himmel herauf, hell, klar, wunder schön. Die dunkelgrünen Gräslein hatten mit demantenen Kränzlein ihre Stirnen geschmückt und funkelten und dufteten als süsse Bräutlein in Gottes unermesslichem Tempel. Tausend Finken, tausend Amseln, tausend Lerchen sangen die Hochzeitlieder; weissbärtig, ernst und feierlich, aber mit den Rosen der Jugend auf den gefurchten Wangen, sahen die alten Berge als Zeugen auf die holden Bräutlein nieder, und als Priesterin Gottes erhob sich hoch über alle die goldene Sonne und spendete in funkelnden Strahlen ihren Hochzeitsegen.
Der tausendstimmige Gesang und des Landes Herrlichkeit hatten den Bauer früh geweckt, und er wandelte andächtigen Gemütes dem Segen nach, den ihm Gott beschert hatte. Er durchging mit hochgehobenen Beinen und langen Schritten das mächtige Gras, stunde am üppigen Kornacker still, an den wohlgeordneten Pflanzplätzen, dem sanft sich wiegenden Flachse, betrachtete die schwellenden Kirschen, die von kleiner Frucht starrenden Bäume mit Kernobst, band hier etwas auf und las dort etwas Schädliches ab und freute sich bei allem nicht nur des Preises, den es einsten gelten, nicht nur des Gewinnes, den er machen werde, sondern des Herren, dessen Güte die Erde voll, dessen Herrlichkeit und Weisheit neu sei jeden Morgen. Und er gedachte: wie alles Kraut und jedes Tier jetzt den Schöpfer preise, so sollte es auch der Mensch tun, und mit dem mund nicht nur, sondern mit seinem ganzen Wesen, wie der Baum in seiner Pracht, wie der Kornacker in seiner Fülle, so der Mensch in seinem Tun und Las sen. "Gott Lob und Dank!" dachte er, "ich und mein Weib und meine Kinder, wir wollen dem Herren dienen, und er braucht sich unser nicht zu schämen. Wir sind wohl auch arme Sünder und haben nur einen geringen Anfang der Gottseligkeit, aber wir haben doch ein Herz zu ihm und vergessen ihn nie einen ganzen Tag lang und essen nichts, trinken nichts, dass wir ihm nicht danken, und nicht nur mit Worten, sondern von Herzensgrund."
Aber wenn er des Uli gedachte und wie der liebe Gott ihn so fürstlich ausgestattet mit Gesundheit und Kraft und wie Uli seines Schöpfers so ganz vergesse, so schnöde seine Gaben missbrauche, so wurde er ganz wehmütig und stunde oft und lange still, sinnend, was er ihm wohl sagen solle, dass er wie, der werde ein Preis seines Schöpfers. Es war ihm an seiner eigenen Seele viel gelegen, darum an den Seelen Anderer auch, und wie er teilnahm, wenn ein Knecht oder eine Magd am leib krank war, so schmerzte es ihn auch, wenn er ihre Seelen in Gefahr sah, und wie er für kranke Diensten den Doktor kommen liess, so suchte er auch ihre kranken Seelen zu doktern. So was ist nicht immer der Fall. Den meisten Menschen ist an den eigenen Seelen nichts gelegen, darum auch an den Seelen der Andern nicht. Das ist ein Grundübel dieser Zeit.
So verweilete sich der Bauer unvermerkt, und die Mutter hatte schon lange gesagt, sie wollte zum Essen rufen, wenn der Ätti da wäre. Als er zur Küchetüre ein kam mit der freundlichen Frage, ob sie gekochet hätten, und als ihm die freundliche Antwort wurde, man hätte schon lange essen können, wenn er dagewesen wäre, mit wem er sich wohl wieder verdampet hätte, und als er ernstaft sagte: "Mit dem lieben Gott." so kam seiner Frau fast das Augenwasser, und sie sah ihn gar sinnig an, während sie den Kaffee einschenkte und die Mägde die