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, so schoss Stini daher wie aus einer Büchse, liess die Milch ins Feuer laufen, schnüzte wie eine taube Katze, warf mit ungschämten Mönschern um sich und Fotzelbuben usw.

Je länger je ungerner liess Ürsi und Stini sich vertreiben, immer mehr hielten sie einander stand, hielten sich gegenseitig die wüstesten Sachen vor, und Eine drohte der Andern immer, beim Meister sie zu verklagen: es nähmte sie wunder, ob er denn ein solches Zök und Gschleipf dulden wolle? Der Meister und die Meisterfrau sahen das Ding schon lange und allerdings immer mehr mit Unwille, denn es störte den gang der Arbeit, und weder Stini noch Ürsi hatten Sinn für ihre Geschäfte, vergassen alles unter den Händen, auch Uli bösete es. Die Meisterin meinte schon lange, Johannes sollte doch mit dem Uli reden; sie hätte schon manchmal den Mägden abgeputzt, aber es sei nur, wie wenn sie Öl ins Feuer schütte, es dunke sie, dieselben würden alle Tage stürmer, und sie hätte afe Kummer, Stini werde ein Narr, es hätte letztin afe pläret, und das hätte es noch nie getan, so lange sie es kenne. Ürsi, selbem tue es nichts, das denke: Gits nit , su gits e angere. Johannes sagte, es sei ihm zuwider, mit Uli zu reden, er hätte ihm noch nichts davon gesagt; aber wenn es nicht gute, so werde es doch sein müssen, so könne es nicht länger gehen.

Uli kam die Sache auch immer peinlicher vor. Er schämte sich nach und nach seiner beiden Schätze, die Gärung war am Verrauchnen; Eine war der Andern im Wege gestanden, und Beide hatten dem Uli Zeit verschafft, wieder zu sich selbst zu kommen. Er begann nach und nach, die Zwiesprachen zu vermeiden; desto hitziger stellten sie ihm nach, desto wüster sagten sie einander. Er war ohne Laterne im Stall, desto emsiger suchten sie ihn. Einmal gab er den Rossen über Nacht, und kaum hatte er angefangen, so war Ürsi da und schätzelete mit ihm und fragte endlich ganz bedauerlich, was er auch habe, er sei nicht mehr der Gleiche. Daran sei nur Stini schuld, aber dem solle es gezeigt werden, es wolle Stini dahin helfen, wohin es gehöre. Und wie Ürsi das sagte, fing es draussen an zu poltern, zu plätschern und dann so wunderlich zu tönen und zu möggen. Ürsi jauchzte auf und schrie: "Es hets, es hets!", lief hinaus, und Uli zündete nach; aus dem haus liefen die Leute herbei, und da fanden sie Stini im Mistloch, das triefende Haupt aus der schwarzen Jauche emporstreckend und gar erbärmlich schnopsend, hustend und brüllend in allen Tönen. Es konnte nicht selbst heraus, und niemand mochte das triefende Mensch anrühren. Die ganze Haushaltung stunde ums Loch herum; niemand konnte sich des Lachens entalten, selbst die Meisterin musste auf die Seite, weil sie nicht mehr Meisterin ihrer Mienen war. Stini streckte beide hände empor und begann zu fluchen. Ürsi lachte immer lauter, Stini brüllte immer wüster: Es wolle es Ürsi zeigen, sobald es heraus sei, denn das Mönsch und niemand anders hätte das Loch abgedeckt, dass es auf dem Weg zum Brunnen hätte hineinfallen müssen. Während die lachten und Buchten, wollte niemand zugreifen; der Eine redete vom Mistaken, der Andere von einer Schossgabel, der Dritte meinte, man solle es mit Pulver heraussprengen. Endlich erbarmte sich der Meister, nahm einen drei bis vier Fuss langen Knebel, hielt ihn an einem Ende und gab Uli das andere, und Stini musste nun mit beiden Händen diesen Knebel in der Mitte fassen. So hoben sie mit Anstrengung aller ihrer Kräfte Stini langsam aus dem Loch empor.

Man kann sich keine Vorstellung machen, was das im Scheine der Laterne für ein Luegen war, als die von Jauche triefende Gestalt, in schwarzen Kot gehüllt, mit den roten Augen, der blauen Nase, den weissen Lippen so nach und nach aus dem schwarzen Loch tauchte und schwarze Ströme nach allen Seiten aus ihren Kleidern sich ergossen, bis sie endlich wie ein eigentlicher Drecksack auf festen Boden gestellt werden konnte. Die Zuschauer wollten sich fast am Boden herumwälzen vor lachen. Aber kaum fühlte Stini festen Boden, so stürzte es zsämefüesslige wie eine Hyäne auf Ürsi los. Dieses, laut aufschreiend, wollte fliehen, aber schon war es von Stini umkrallt, an den Züpfen zu Boden gerissen; auf dem schönen Ürsi wälzte sich der Drecksack, dessen grässliche Finger wühlten in seinem glatten Gesicht, und wie das gestrählte Ürsi der tusig Gottswillen um hülfe schrie, schrie wie am Messer, es kam ihm niemand zu hülfe, niemand mochte Stini anrühren, das bei jeder Bewegung Jauche weit um sich her spritzte. Da musste endlich Ürsi sich wehren, und Stini schrie auf, und sie wälzten, verschlungen, zu einem Knäuel geballt, sich am Boden. Von ferne hörte man Schritte; die Meisterin sagte, wenn man die Möntscher nicht bald voneinandertun wolle, so wolle sie es selbst tun. Das durfte man sich nicht zweimal sagen lassen, man suchte Ürsi zu ergreifen. Aber Ürsi war um nichts sauberer als Stini; wer zugriff, wurde besudelt, und als Uli helfen wollte, wären Beide bald über ihn hergefallen, an allem sollte er schuldig sein. Stini fluchte, dass er es habe ins Loch sprengen helfen, und Ürsi, dass er ihm Stini angereiset