verdunkelt und einzig das ins Licht stellt, was Ziel jenes Triebes ist. Das ist allerdings eine sehr handgreifliche Erklärung vieler sogenannter Liebe. Aber man erkläre es mir anders, wenn die widerwärtigste person wegen hundert Kronen geheiratet wird, das fäulste Schlärpli, weil es eine schöne Haut hat, die sinnlichste, üppigste Witwe, weil sie das Flattieren versteht, während aller früheres Leben, das meist den Betreffenden bekannt ist, ihre Umstände, ihre Anlagen die unglücklichste Ehe wie mir Kanonendonner predigen!
Kann man bei einem Menschen die Zeit dieser Gärung vorbeiweisen, ehe er ans Heiraten gekommen ist, so geht der Rausch vorbei; er erwacht wie aus einem Traume, es ist ihm, als ob die Augen ihm aufgingen, Schuppen von denselben fielen, ganz anders sieht er alles an, ganz anders rechnet er, und sein Dringlichstes ist, von seinem sogenannten Lebensglück sich zu befreien. Daher das Geschrei über verschwundene Liebe, über Untreue, daher die Trennung vieler Brautpaare, daher die noch zahlreicheren sogenannten unglücklichen Ehen. Einen solchen Gärungsprozess hat man halt für Liebe angesehen; es hat nun ausgejäset, der natürliche Zustand kehrt wieder: da ist nun keine Liebe mehr; was eins werden sollte, hat sich nicht binden wollen, sondern liegt ausgeschieden feindselig sich gegenüber.
Nun steckte in Uli noch immer der einige zwanzig Jahre alte Bursche, der beim Flattieren warm wird und ein hübsches Mädchen lieber hat als ein wüstes, dem die Sinnlichkeit zur Brille wird, mit der er ein Mädchen und das durch dasselbe zu erlangende Glück ansieht. Aber in Uli regte sich auch die Huslichkeit, der Trieb, etwas Selbständiges anzufangen, ein Meister zu werden. Einige hundert Kronen und eine sparsame Frau hatten daher eine eigene Bedeutung in seinen Augen; mit so einer glaubte er alles gewonnen und seine Dienstjahre um vieles abgekürzt.
Daher konnte er sich nicht entalten, mit Ürsi zu tschänzlen, zu denken, es sei doch ein liebes und gutes Meitschi, und mit ihm würde er ein gut Leben haben. Und er spielte oft in Gedanken mit diesem Leben und wie er und Ürsi es treiben, wie sie miteinander Kilbi haben und einen Haushalt führen wollten. Dann kam ihm wieder vor, dass man am Ende von der Hübschi nicht leben könne und dass Ürsi nicht nur nichts habe, sondern noch hoffärtig sei, zu ihren Kleidern nicht recht sorge tragen könne, wie es eben nicht das Eifrigste in der Arbeit sei. Indessen, dachte er, daran könnte er es gewöhnen. Dann kam ihm aber auch Stini in Sinn, und es kam ihm vor, als ob er es mit demselben viel besser machen würde. Stini hatte Geld, war werchbar und huslig. Freilich war es hässig; aber daran gewöhne man sich, dachte er, dass man es zuletzt gar nicht mehr achte. Es war sehr wüst; aber dann dachte er wieder, zletzt sei eine Frau wie die ander, es könnten nicht alle schöne Weiber haben, und Mancher würde seine schöne Frau an eine wüstere tauschen, die aber minder hoffärtig und werchbarer wäre. Dann schwatzte er wohl mit Stini und liess sich mit ihm an; dann grinste Stini ihn noch grimmiger an, es war fast, als ob die Haare sich ihm zu Berge stellten, und zankte ihn noch einmal so innig und inbrünstig aus und sparte die Uflät und wüeste Hüng nicht, während es noch einmal so wenig Mehl und Anken in die Suppe tat. Dann dachte Uli, es sei doch wahrhaftig nicht alles, mit einer Frau leben zu müssen, deren Freundlichkeit Sauersehen, deren Wohlmeinenheit Zanken sei, und wenn sie ihm nichts gönne und er bei ihr keine Leute haben könnte, ob er nicht ein geschlagener Mann wäre, und was ihm dann das Schübeli Geld hülfe?
So wurde Uli von zwei Gewalten angezogen und abgestossen; immer dringlicher kam es ihm vor, sich bald zu entscheiden, denn es schien ihm, als ob er nach und nach veralte und dass wenn er sich nicht bald entscheide, es bei ihm mit dem Heiraten vorbei sein werde, so einen Alten Keine mehr nähme. Denn man kommt sich heutzutage viel früher alt vor als ehemals; der Schnuderbube will schon ein Mann sein, was kann daher ein Mann anders sein als ein Greis? Ehedem schämte sich einer, zu heiraten vor dem dreissigsten Jahre, jetzt rümpfen die Meitscheni die Nase, wenn einer über fünfundzwanzig ist, und nehmen am liebsten mit den Flaumbärtigen von achtzehn bis zwanzig vorlieb. Das gibt einen guten Begriff, wie witzig die heutigen Mädchen sind und für was sie die Ehe ansehen und wie wenig sie darnach fragen, was Kinder mit Kindern anfangen sollen.
Glücklicherweise für Uli wurde in diesem haus nicht geduldet, dass die Dienstboten sich nächtlich besuchten; zudem waren die beiden Nebenbuhlerinnen in einem Bette, da wäre jedenfalls ein strubes nächtliches Besuchen gewesen. Aber eben dieser Hemmungen wegen suchten sie ihn um so eifriger bei Tage auf, denn auch bei ihnen wuchs der Drang, die Vereinigung zu beschleunigen, Ulis sicher zu sein. Deswegen war Uli nirgends sicher. Im Stall beim Melken, im Futtergang beim Füttern, auf der Bühne beim Futterrüsten, beim Grasen und Misten schlich sich bald Stini, bald Ürsi herbei, Stini zankend, Ürsi liebelend. Aber kaum war Stini da, so war auch Ürsi nicht weit, trennte entweder die Zwiesprache oder plagte Uli später deswegen. Und kaum war Ürsi dem Uli an einem Ort unter die Augen gestanden und blinzelte mit den Augen zu ihm auf