1841_Gotthelf_136_35.txt

man viel und wenig hineintun könne und wann man wolle. Was das Auskommen anbetreffe, so solle er sich deshalb nicht fürchten. Wer Geld am Zins habe, dem komme es früher oder später immer aus. Und zudem glaube er nicht, dass es einem Knechte schade, wenn man vernehme, er hätte Geld am Zins. Ds Gunträri, er glaube, das vermehre nicht wenig seinen guten Namen und verschaffe ihm einen gewissen Respekt. In einer solchen Kasse brauche er sich auch um den Zins nicht zu bekümmern. So, bald ein Jahr um sei, werde der Zins zum Kapital geschlagen und trage wieder Zins, so könne sich, zu vier Prozent gerechnet, in siebenzehn Jahren das Kapital verdoppeln. Und sobald er es nötig habe, kriege er es ohne Umstände in gesetzlicher Frist wieder ganz bestimmt, denn solche Kassen seien gut verbürget und hintersetzt. Da könnten Diensten weitaus am besten ihre Gelder einlegen, eben weil man auch weniges nehme und zu jeder Zeit, weil sie sich da vor keinen Schelmereien, Kunstgriffen usw. in acht zu nehmen hätten, nichts zu tun hätten mit Benefizien, Inventarien, Geltstagen oder gar mit Rechtsagenten. Da könnten sie ganz ruhig ihr Geld hin tun, arbeiten lassen, bis sie es einmal brauchten, und könnten jedem, der ihnen abentlehnen wolle, ohne Lüge sagen, sie hätten keins. Nur solle er sich vor einer St. Galler Kasse hüten, die seien nicht die richtigsten; entweder könnten sie da gar nicht rechnen oder nur zu gut, und überdem geltstagen sie dort gerne. Da schmollte Uli mit dem Meister, dass er ihm dieses nicht früher gesagt, so wäre er nicht zu Schaden gekommen. "Du hasts gehört," sagte darauf dieser, "ich kann einen Knecht nicht behandeln wie ein kleines Kind. Willst du aber, dass ich dich halte wie ein Kind, so musst du vor allem aus mit Zutrauen an mich kommen, musst mir das Maul gönnen. Das Kind kommt zum Vater und frägt um Rat und sagt: Vater, was meinst; Vater, was glaubst?"

Uli bekannte sich im Fehler und bat den Meister, sein Geld in die Ersparniskasse zu tun; es waren fünfzehn Kronen, welche er übrig zu haben glaubte. Es trage zwar nicht viel ab, meinte er, aber es sei ihm doch sicher. "Das scheint dir," sagte der Meister, "und eben diese Ungeduld ist es, was so viele Menschen um Hab und Gut bringt. Wem es auf dem rechten Weg zu langsam geht, wird entweder ein Spitzbube oder ein Hudel. Warte nur einige Jahre, lege immer zu, so wirst du sehen, zu welchem Kapital du kommen wirst."

Neuntes Kapitel

Uli steigt im Ansehen und kommt Mädchen in den

Kopf

Und Uli tat so. Er blieb sparsam, ward immer anschlägiger und emsiger und wuchs zugleich an Weisheit und Verstand und an Gnade bei Gott und den Menschen. Es war recht merkwürdig, auch äusserlich die Veränderung wahrzunehmen, die mit ihm vorgegangen. Er ging eigentlich erst jetzt recht aufrecht wie ein Mensch, man sah es ihm von weitem an, dass das kein Sauniggel sei; man nahm ihn sehr oft für einen Baurensohn und nicht für einen Baurenknecht, und zwar nicht bloss wegen der Kleidung und weil er eine silberne Uhrenkette hatte, sondern wegen seiner guten Haltung, seinem anständigen Betragen. Es redete jeder Bauer gerne mit ihm, fragte ihn: "Uli, was meinst?" Und seine Worte hatten eine Bedeutung. Er fühlte auch, dass sie eine Art von Gewicht er, hielten; darum laferte er nicht mehr in den Tag hinein, sondern besann sich, was er sagte, wog seine Worte ab, so dass es schon hie und da hiess: "Ds Bodebure Ueli het gseit, er hets o gmeint."

Er fühlte, dass er nicht mehr nur so ein arm Knechtlein sei, der nirgends sein sollte, sondern dass er in der Welt sich auf einen Platz gestellt, wo man ihn gerne sah, wo er etwas zu bedeuten hatte. Wie das alles so nach und nach kam und bei welchen einzelnen Anlässen, indem er dem Meister vor Schaden zum Nutzen war, Mängel an Rossen entdeckte, die der Meister kaufen wollte, günstige Witterung benutzte in seiner Abwesenheit usw., kann ich nicht erzählen, es wäre zu weitläufig. Er begann auch zu fühlen, dass man ganz anders auf die Erde trappe, auch sie mit andern Augen ansehe, wenn man ein Besitzer ist, als wenn man ein Habenichts ist. Es kommt so eine Art ruhige Sicherheit, die bei Vielen in dummen Stolz ausartet, über den Menschen, wenn er angehängt hat an der Welt, das heisst wenn er Früchte seiner Arbeit, Ertrag seiner Kräfte vorgespart, Vorrat gewonnen hat auf künftige Jahre. Er fühlt: er ist nicht mehr ganz allen Winden, fremder Willkür preisgegeben, er ist schon selbständiger, mehr Herr seiner selbst. Er kann schon einige Krankheitswochen unbesorgt ertragen, kann einige Wochen ohne Meister sein, das macht ihn zufriedener, gelassener; er schiesst auch nicht mehr herum, wie wenn er in einer Wesperen wäre, denn mit der inneren Ruhe nimmt auch die äussere zu, und in dem Masse, als er wirklich zufrieden in seinem Inwendigen wird, wird er auch zufriedener mit seinen Meisterleuten. Und je mehr er zu etwas kommt, um so mehr erkennt er den Wert der Dinge, huset nicht