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Händler dings verkauft, und den konnte er auf keinem Märit mehr antreffen und hatte vergessen, zu fragen, wie er heisse, und niemand wollte von so einem wissen, er habe schon viele Leute gefragt. Da begann es Uli doch Angst zu machen. Es fing ihm an vorzukommen, wenn er nur sein Geld wieder hätte, so wollte er zufrieden sein, an den Zins nicht denken, von Profit nichts sagen; aber eben, das Geld wieder zu kriegen, das war eine Kunst. So oft er es forderte, waren neue Ausreden da, und wenn er ungestüm wurde, so blieb man ihm die Antwort auch nicht schuldig. Man könne es einmal nicht aus den Steinen herausschlagen; er höre ja, wenn man es hätte, so wollte man es ihm geben. Er solle machen, was er könne, und wenn er sehe, es zu nehmen, so solle er es nehmen. Man hätte gar nicht geglaubt, dass er ein so Wüster sei, sonst hätte man lieber nichts mit ihm wollen zu tun haben. Er wusste sich gar nicht zu helfen und lief wie sturm herum. Der Gedanke, es sei doch schrecklich, was er so sauer verdient, so liederlich zu verlieren und gar nichts dafür zu haben, liess ihn nicht mehr essen, nicht mehr schlafen. Ehedem beim Hudeln, dachte er, hätte er doch gewusst, was er mache, und sein Geld selbst verschlengget; jetzt, wo er meine, gut zu tun, und bös habe, gehe es ihm noch ärger als zuvor und er komme gerade so weit als der ärgste Hudel; das sei doch schrecklich, und er sei der unglücklichste Hung auf der Welt, und das werde wohl an einem Orte geschrieben sein, dass er zu nichts kommen solle. Jetzt wüsste er, was sein Traum bedeuten solle und die Geldsäcke, die er nicht mehr finden könne.

Der Meister konnte gar nicht begreifen, was Uli hatte. Endlich glaubte er ihn krank, denn er sah keine andere Ursache seines sonderbaren Wesens. Er sah der Sache noch einige Zeit zu; aber als Uli immer schlechter aussah, fragte er ihn einmal, was ihm doch fehle, etwas sei nicht recht da. Uli wollte nicht mit der Sprache heraus. Erst als der Meister sagte, wenn er so dumm tun wolle, so könne er seinetalben; aber er hätte doch geglaubt, mehr Vertrauen zu verdienen als so. Uli wisse ja, dass wo er ihm helfen könne, es nie Nein sei bei ihm. Nachdem Uli noch manchmal gesagt, er dürfe es nicht sagen, gestund er endlich seinen Kummer und wie seine ganze Ersparnis vom letzten Jahr, auf die er sich so gefreut, dem Tüfel zu sei; er werde wohl nie einen Kreuzer davon wiedersehen.

"Ja, das hättest du denken sollen," sagte der Meister, "es wissen so viele Diensten nichts mit ihrem Gelde anzufangen, lassen es sich ablocken und kommen so darum. Aber ich mische mich nicht gerne in diese Sache, wenn man mich nicht apartig frägt", fuhr er fort. "Man meint sonst gleich, ich wolle Vogt sein oder gar das Geld für mich, und sie werden misstrauisch. Es tut mir leid für dich, aber den Hechler und den Schuhmacher hättest du kennen sollen, du weisst ja, was das für Vögel sind. Aber gell, Uli, dr Gyttüfel hat dich plaget! Weisst du, dass dir der Schuhmacher nicht weniger als hundert Prozent versprochen hat per Jahr, während ehrliche Leute sonst nur vier geben? Und der Hechler hat dir das Maul sonst süss gemacht. Aber eben so fängt man die einfältigen Leute, und wenn einer so viel verspricht, so sollte man doch denken können, der werde nicht halten wollen, er würde sonst nicht so viel versprechen." Ja, sagte Uli, das alles komme ihm jetzt hintendrein selbst in Sinn, aber er möchte dem Meister doch angehalten haben, dass er ihm zu seinem Gelde verhelfe, er hintersinne sich sonst noch. Der Meister schüttelte den Kopf dazu, indessen rettete er mehr, als er anfangs erwartete, da weder Schuhmacher noch Hechler gerne seine Kundsame verlor.

Als er Uli das Geld übergab, sagte ihm dieser: "Meister, behalte du es und kalte es. Ich brauche es nicht, und wenn ich es habe, so behalte ich es nicht lange; ich bin gar ungfellig mit dem Gelde: entweder vertue ich es, oder man betrügt mich darum, oder es wird mir gestohlen, und zuletzt, wenn niemand sonst dazu käme, so würden es mir die Mäuse fressen." "Nein," sagte der Meister, "das Geld will ich nicht behalten, ich habe genug an meinem zu hüten, wenn ich schon nicht viel habe. Aber weisst du was, tue du das i dKasse." "Was ist das?" fragte Uli. "He, das ist eine Kasse, wo man das Geld, welches man nicht braucht, hineinlegen kann, bis man es braucht, und unter der Zeit bekömmt man einen billigen Zins, und es ist gut versichert, dass man gar nichts zu fürchten hat." "Das ist kommod," sagte Uli, "aber kann man hineintun, so viel man will, und kommt es einem dann nicht aus, wenn man dort Geld hat?" Das sei eben gar kommod, bekam er zur Antwort, dass