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kaufen wollte, und von Sacken Geld, die er mit sich herumtrug, um die Höfe gleich zu bezahlen. Aber er bystete, berzete, gruchsete unter dem Gewichte dieser Säcke, dass er manchmal fast zu erstikken fürchtete, und wenn er sie abstellte, so wurden sie ihm gestohlen oder er konnte sie sonst nicht mehr finden. Dann versprach ihm ein schönes Meitschi, es wolle sie ihm zeigen, und ging voran; ihm aber fielen die Schuhe von den Füssen, als er dem Meitschi nach wollte, und als er diese in beide hände nahm, konnte er seine Beine nicht vorwärtsbringen, es war ihm, als ob er gspannet wäre. Das Mädchen aber lief immer geschwinder, er konnte je länger je weniger Schritte machen, obschon er bachnass sich schwitzte. Endlich verschwand das Mädchen, und eine alte Frau kam mit dem Besen und wollte ihn fortjagen, weil er ihr durch die Bäunde gehe, und er wollte davonlaufen und konnte wieder nicht und musste dem Besen darhalten und sich wüst sagen lassen, und endlich rief er aus: "Uy, Uy, su hör doch, du alts Räf!" Darob erwachte er, und sein Mitknecht fragte ihn, was er doch gehabt hätte, er hätte ihn schon lange gemüpft, aber er hätte nicht erwachen wollen. Er hätte sich bald angefangen zu fürchten und hätte noch den Meister geholt, wenn er jetzt nicht erwachet wäre. Ds Toggeli hätte ihn gedrückt, sagte Uli. Den Traum konnte er lange nicht vergessen, und wenn er sich nicht geschämt hätte, er wäre seinetwegen zu einer Wahrsagerin gelaufen, denn er selbst konnte gar nicht einig darüber werden, ob derselbe bedeute, dass er einst einen Hof werde kaufen können, oder aber das Gegenteil; heute dünkte ihn dies und morgen das Andere. Auffallend war es, dass wenn er gegessen und gut geschlafen hatte, es ihm immer schien, als sei er eine gute Vorbedeutung; hingegen wenn er müde war und hungrig, so hätte ihm niemand ausgeredet, der Traum bedeute, dass er um alles kommen werde, was er habe oder sich erwerbe, und zuletzt aller Menschen Schuhwisch abgeben müsse.

Unterdessen ging es ihm sehr gut. Er ging dem Meister mit allem Fleiss an die Hand, als ob es seine eigene Sache wäre, und fühlte dabei alle Tage mehr, dass er doch auf diese Weise ein ganz anderer Kerli werde, als er zu selber Zeit einer gewesen sei, wo er es für eine Schande geachtet, ein guter, treuer Knecht zu sein, und seinen Ruhm dareingesetzt, den Meister zu überlistelen, zu viel zu fressen und zu wenig zu arbeiten. Er setzte eine Ehre darein, das ganze Jahr durch vom Lohne nichts einzuziehen, ihn ganz stehen zu lassen, und er zwängte es auch durch. Er liess es sich gesagt sein, dass man nicht auf die Zukunft hin oder vielmehr auf künftigen Erwerb hin anschaffen dürfe, sondern dass der zukünftige Erwerb der Zukunft gehöre und die Vergangenheit die Gegenwart ernähren müsse, das heisst dass man aus dem verdienten Lohn seine Bedürfnisse müsse bestreiten können. Und da in der Zukunft der Gebrauch wohl sicher ist, aber nicht der Erwerb, so muss die Vergangenheit uns auch die Notpfennige liefern für die Tage, von denen man sagt, sie gefallen mir nicht.

Es war aber auch ein Tag grosser Freude für Uli, als auf Weihnacht nachmittags der Meister ihn ins Stübli rief, ihm dreissig Kronen vorzählte und noch einen Neuentaler als Trinkgeld dazulegte. Dem starken Burschen zitterte die Hand, als er es einstrich, denn so viel Geld hatte er noch nie beisammen gehabt. Und als der Meister ihn noch lobte und ihn er, mahnte, so fortzufahren, so gäbte er noch ein Kerli ab, so bekam er Augenwasser. Er begann nun auch zu danken und zu erzählen, was er mit dem Gelde machen wolle, Kleider musste er haben, Hemder besonders; aber wenn nicht den halben, doch den Drittel des Lohns wolle er beiseitetun. Er hätte nicht geglaubt, sagte er, wie wohl so dreissig Kronen bschüssten, wenn man Sorg dazu hätte; es schienen nur so dreissig Krönlein, und doch könnte man weit längen damit, wenn man abzuteilen wüsste. Er hatte nie geglaubt, dass das Geld so darhalten könne; früher hätte er es immer damit gehabt wie der Bauer mit dem herbeigeführten Heu, wo man ein Klafter nur anzusehen brauche, so sei es nicht mehr da. Jetzt gehe es ihm mit dem Gelde wie mit einem selbstgemachten, gutgelegenen Stock Heu; gäb wie man davon nehme, so scheine es eim, er mindere nicht und man hätte immer gleich viel. Der Meister musste lachen ob dieser Vergleichung, die Meisterin dagegen wurde gerührt und sagte ihm: Er sei ihr recht lieb geworden, und wenn die Näherin auf die Stör komme, so werde die ihm als Weihnachtskindli von ihr ein Hemd machen, das Tuch sei schon lange zweg dafür. Uli meinte, der Meister hätte ihm schon zu viel gegeben und alles dürfte er nicht nehmen, er hätte es nicht verdienet. Der Meister hätte so viel an ihm getan, dass er ein Lehrgeld fordern könnte. Aber wenn sie ihm einen Gefallen tun wolle, so solle sie doch so gut sein und ihm Tuch für etwa drei Hemder kaufen; er wolle gleich recht viel zusammen machen lassen, es hätts dann eine gute Weil. Wenn man nur so eins ums ander kaufe, so müsse man immer hingerfür anfangen