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etwas anfangen wolle oder Kinder bekomme, so könne er kaum das Druckte mehr, vrschwyge de das Gschriebne. So komme ja gar nichts mehr Vernünftiges in seinen Kopf und er vergesse ganz und gar, dass er ein Mensch sei. Und noch eins habe er gedacht. Fast allemal, wenn eins fortgehe, so komme es mit einem grossen Kopfheim; sie machen sich die Köpfe gegenseitig so gross wie Ofenhäuser. "Eine jede Frau hat die Freude, auszufrägeln, aufzuweisen, und die boshaftesten können sich dabei so verflümeret gutmeinend stellen, dass es mich schon manchmal gejuckt hat, so einem Giftlöffel eins zum Gring zu geben, dass es dünke, es fahre zring um dWelt. Da habe ich gedacht: wenn man sie ungezwungen und ungeheissen daheim behalten könnte, so wäre man ds Halb bas, und wenn sie bei dem Daheimbleiben vernünftiger würden und öppe o sinne lernte, was ihr eigener Nutze wäre, so wär man nicht nur ds Halb bas, sondern noch einmal so wohl."

"Eh Johannes," sagte die Frau, "schnup doch, du kömmst ja ganz vom Atem und machst es akkurat wie üse Predikant, der redet auch, es ist am Halbe zviel. Es ist mir zuwider, einen neuen Brauch anzufangen, und wo sollen wir sein? Sollen wir keinen rühigen Ecken haben, wo wir für uns sein sollen, wo uns nicht immer so ein Gstabi am Weg ist, wenn man auch etwa ein vertraulich Wort miteinander reden möchte, wozu man durch die ganze Woche keine Zeit hat?" Der Johannes meinte, sie hätten immer das Stübli, oder man könnte am Sonntag die Hinterstube heizen, es trage es eim wohl ab, wenn man die Diensten nicht in der Wohnstube haben möchte. "Was würden die Leute sagen, wenn wir so etwas Neues anfangen wollten?" sagte die Frau. "Du Tröpfli," sagte Johannes, "merkst du noch nicht, dass die Leute immer zu reden haben, du magst alte oder neue Sachen machen? Den Leuten entrinnt man nie, man mag es machen, wie man will; aber man kommt am ungebissensten davon, wenn man es mit ihnen gerade macht wie mit den Hunden, ihre Ehre vorbehalten: diese beissen die am meisten, welche sich am meisten vor ihnen fürchten."

"Aber Johannes, denkest du denn nicht an deine Kinder? Die werden immer bei den Diensten sein wollen, und du weisst ja, was sie da für wüste Sachen lernen. Es ist gerade, verzeih mir Gott meine Sünde, als ob der Tüfel sie stüpfe, ihnen das Wüsteste zu sagen." "Aber Frau," sagte Johannes, "du verhütest es nicht, dass die Kinder nicht bei ihnen sind, und finden dieselben die Diensten nicht in der stube, so laufen sie zu ihnen in den Stall, du kannst nicht immer daran denken. Gerade jetzt habe ich zwei bei Uli gefunden. Nun werden sie ihnen in der stube unter unsern Ohren gewiss weniger wüste Sachen brichten als draussen im Stall. Und wenn sie etwas Vernünftiges vernehmen in der stube, so ist es mir weit lieber, dass die Kinder bei ihnen seien, als draussen auf der Gasse, woher sie dir ja gewöhnlich heimkommen, als hätte man sie durch Dornhäge gezogen und in Güllen herumgetröhlt."

Die Frau hatte noch manches einzuwenden, doch gab sie am Ende nach, und Johannes führte den neuen Brauch ein, dass seine Knechte an Sonntagen und nach dem Feierabend Triftig hatten an einem warmen, hellen Orte. Herd warf es freilich allemal auf, wenn an Abenden hie und da zwei Lichter notwendig wurden. Es wollte der Bäurin fast vor den Atem kommen, wenn der Johannes die zweite Lampe anzündete, damit ein Knecht im Kalender lesen könnte. Müssen doch an vielen Orten Knechte ohne Licht ins Bett, und jetzt gab ihnen Johannes eins nur so für die Gwundernase! Es düechte sie, das hätte afe sy Seel ke Gattig.

Indessen sie gewöhnte sich daran, und es ging je länger je besser und zu ihrer eigentlichen Freude.

Die Diensten gewöhnten sich daran, dass immer ein Platz für sie da sei und am Sonntag bald in der Wohnstube, bald in der Hinterstube, wie es sich schickte. Dort konnte einer auf dem Ofen liegen oder am Tische sitzen, wie er wollte, aber meistens geschah das Letztere. Eins las, eins machte Buchstaben, zwei Andere versuchten etwas zu rechnen; die Einen halfen den Andern, und wenn niemand mehr aus und an wusste, so ward man rätig, den Meister zu fragen, und wenn der zum Beispiel ein vorkommend Wort nicht zu erklären wusste, so musste ein Kind am folgenden Tag den Schulmeister fragen, der aber auch nicht einen Kopf hatte, in dem alles stand, was Andere nicht wussten. An allem diesem nahmen die Kinder teil und hatten eine unbändige Freude, wenn sie die grossen Knechte etwas brichten konnten und wenn es hiess: "Dr Johannesli ist afe e Gschickte, dr Schumeister cha ne wäger bald nüt meh lehre." Aber sie hatten nicht nur Freude. Selbst die Bäurin musste sagen: Es düech se, sie hätten noch keinen Winter so viel gelernt als in diesem, und man hätte so wenig mit ihnen zu tun und wüsste doch immer, wo sie wären.

Aber auch die Diensten schienen anders zu werden. Es gab viel weniger Verdruss mit ihnen, viel weniger Streit unter ihnen. Sie hatten etwas