Trieb in sich fühlen und nicht ein völlig Tier werden wollen, die verlassen Stall und Gaden und suchen andere Menschen auf – Gesellschaft. Diese Gesellschaft besteht aber eben aus Leuten zumeist, welche kein Heim haben, keine Triftig daheim, deren Seele zu etwas Höherem weder gespeiset noch getränket wird. Hie und da wird ein harmlos Kurzweil getrieben, an vielen Orten aber reizen schon die gespräche die gröbste Sinnlichkeit, Getränke tun es nicht weniger, und man mag kaum die Nacht mit ihren dunkeln Schatten erwarten, um die mühsam gezügelte Begierde ganz loszulassen. Es würde ganz bestimmt selbst die, welche den Sonntag nicht als einen Tag des Herrn betrachten, schaudern an Leib und Seele, wenn man ihnen vor ihrem Angesicht all das Treiben an den Wintersonntagnachmittagen und -abenden könnte aufgehen lassen. Und ein bedeutender teil dieser Unsitte rührt davon her, dass die dienende Klasse in ihren unbeschäftigten Stunden keinen heitern Platz an einem Tische, keinen warmen Platz an oder auf einem warmen Ofen hat. Es klagen so viele sonst vernünftige Leute über die Schlechtigkeit der Dienstboten und wie sie kein Gefühl, keinen Verstand und ich weiss nicht, was alles, nicht hätten, und diese weisen ihren Diensten oft einen Wohnort an, den man nicht einmal unter die hoffärtigen Hundeställe rechnen könnte. Und wenn man ihnen die Bemerkung macht, dass wer wie das Vieh wohne, doch wohl nicht viel besser als das Vieh sein könne, so sagen sie, sie könnten sich nicht anders einrichten, die Hauszinse seien gar teuer und das Holz auch nicht wohlfeil. Ich habe nichts dawider; aber dann müssen sie auch mit den Diensten vorlieb nehmen, wie sie in Hundsställen und in Löchern werden.
Dieser Übelstand ist aber nicht nur auf dem land zu haus, sondern je länger je mehr auch in den Städten. Man mag kein Stübchen mehr für Mägde mieten, ja man baut grosse Häuser, wo man nur wirkliche und eigentliche Hundeställe für Dienstboten anbringt und keine stube für Menschen. Aber wie alles sich vergiltet, so auch dieses, und es gibt Häuser, welche gerade wegen dieser Unsitte nie rechte Dienstboten haben können, sie nie haben werden, solange sie das nicht ändern. Man glaube mir nur: einen grossen Segen würde manchem haus eine stube bringen, wo der arme Knecht, der eine ganze Woche am Wetter gewesen, wenigstens am Sonntag Licht und Wärme, einen freien Platz am Tisch, ein vernünftig Buch, ganz besonders die Bibel und allfällig auch ein Schreibzeug finden würde. Man bedenke: die Diensten sind keine Hunde; je vornehmer man sich gegen sie beträgt, um so gemeiner werden sie, und wenn unser Betragen gegen sie nicht mönschelet, so mönschelen sie auch nicht mehr.
Dieser Übelstand drückte auch Uli. Er wollte die Sonntagnachmittage daheim zubringen, aber was sollte er machen? Sie wurden ihm so lang wie des Samihanse Taunern im Buchiberg die Vormittage, wenn er dieselben mit dem Frühstück des Morgens um fünf Uhr angehen lässt, durch keinen Imbiss sie unterbricht und erst nachmittags um zwei Uhr mit dem Mittagessen sie schliesst (Wir wollen wetten, das ist der einzige an der ganzen Bucheggberg-Sonnseite, bei dem es so halb und halb pariserlet).
Einst traf der Meister Uli an, wie er unter dem Dachtrauf stunde und das eine Bein schon ausser demselben hatte und doch nicht ganz darüberauskam. Nachdem er ihm lange zu gesehen, fragte er ihn endlich: "Was Schiessigs hast du? Bist du da angeklebt, dass du nicht fortkömmst?" "Nein, Meister," sagte Uli, "aber es reisst mich fast voneinander; etwas reisst mich hinaus und ein Anderes hinein, und Keines mag das Andere recht, und so bin ich übel daran und fast wie gebannt; ich wollte, es würde mir jemand entweder hinaus, oder hineinhelfen; es friert mich bereits, dass ich meine Füsse gar nicht mehr fühle." Der Meister lachte und fragte: Was er da Wunderlichs habe, das ihn so hierher und dorter ziehe, er solle ihm es brichten.
"He, Meister, ich habe grausam Langeweile und weiss gar nicht, was machen, und da habe ich gedacht, ich wolle etwas zur Gesellschaft. Aber ich weiss nur an ein Ort hin und weiss, wie es da geht; wie ich davonkomme, das aber weiss ich nicht; da dachte ich, es sei besser, daheim zu bleiben. Aber was soll ich daheim machen? Ins Bett mag ich nicht, im Stall ist es mir auch erleidet, und ums Haus herum geht der Bysluft, dass es einem fast die Knöpfe ab den Kleidern nimmt, so dass es mich wegtreibt und gar nicht daheim dulden will. Meister, was soll ich machen?"
"Du bist ein dummer Bursche," sagte der Meister. "Kannst du nicht in die stube? Dort ist der Ofen warm, geht der Bysluft nicht, und wenn du schon einmal ein Kapitel lesen würdest, so würde es dir gar nichts schaden."
"Jä, ich weiss es neue nit mit der stube," sagte Uli, "obs denn allen recht ist, wenn ich da drinnen hocke; ich habe es neue einist welle probiere, und da hat es mich gedünkt, als wäre ich allen Leuten im Wege."
"He, das wäre mir gspässig," sagte der Meister; "wenn es mir recht ist, wenn du da drinnen bist, so wirds den Andern wohl auch recht sein müssen