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auch nicht ein Augvoll an dir taten. Du hast es gehabt wie alle: du hast den Glauben an die Schlechten gehabt und Unglauben gegen die, welche gut an dir waren; dann kommst du wie alle Andern: du hättest nicht geglaubt, dass die Menschen so schlecht seien. Das ist eine unvernünftige Rede. Aber ihr könnt Gut von Schlecht nicht unterscheiden und habt eine natürliche Vorliebe für die, welche euch aufweisen, und eine natürliche Abneigung gegen die, welche euch befehlen, euch in Ordnung halten müssen, und darum glaubt ihr zehnmal einem Halunk und nicht einmal einem Meister. Darum gehts den Meisten auch so gut und kommen so weit. Glaubs mir nur: die, welche Knechte und Mägde haben müssen, sind weit mehr gestraft als die, welche Knechte und Mägde sein müssen." Der Meister war wider seine Gewohnheit ganz heiss geworden. Uli hielt ihm an: Er solle doch recht nicht böse sein; wenn es jetzt so gehe, wie er gesagt habe, so wolle er sein Lebtag an ihn glauben und nie mehr an Aufweisungen und Halunken.

Am andern Morgen früh kam Uli zum Meister und sagte ihm: Er hätts nicht geglaubt, aber punktum sei es gegangen, wie er gesagt; er glaube, der Meister könne hexen. Sie hatten ihn fast gefressen vor lauter Liebe und Freundschaft, und zwischenein habe hie und da einer ihn wollen zu fürchten machen, und am Ende hätten sie ihm über alles aus tausend Pfund für ihn versprochen. Da habe er nachgegeben und es gschriftlich gefordert. Lange hätten sie mit ihm gezankt, und endlich habe Resli gesagt: He, was das dann mache, sie könnten es ihm wohl geben, und er solle selbst schreiben, wie er es haben wolle. Da habe er gesagt, er verstand sich nichts aufs Gschriftliche, und Resli habe gesagt, so wolle er es machen, und Zwei müssten es im Namen aller unterschreiben. Nun hätten sie ihm dieses Papier mitgegeben, aber ihm gesagt, er solle es bei Leib und Leben einstweilen niemandes zeigen, sonst könnte das Ganze fehlen; und wie sie es ihm abgelesen, sei alles so gewesen, wie sie es abgeredet. Aber das hätte ihm nicht gefallen, sie hätten zäpflet untereinander, und jeder habe das Maul verzogen, wenn er dareingesehen.

Der Meister sagte: "Soll ich dir jetzt ablesen, was darauf steht; Hör:

Dass vergangenen Sonntag es schlecht gegangen mit dem Hurnussen und dass nachher auch übel geschlagen worden, woran des Bodenbauren Knecht schuld ist und sich auch als schuldig dargegeben und bekannt hat und alle hiemit liberiert sind, das bezeugen mit ihren Unterschriften für sie und die Andern: Heuschrecken, den siebenesiebezigst Jänner 1000,8005.

Johnes Fürfuss.

Bendicht Hemmlischilt."

Als Uli das Papier ablesen hörte, wurde er bald rot und bald weiss, und als es aus war, hatte er beide hände geballt und konnte nichts sagen als: "Die Donnere, die Donnere!" "Und jetzt, Uli," sagte der Meister, "wem ist nun zu glauben?" "Schwyg doch, Meister," sagte Uli; "aber wart, dem Donners Resli schlag ich auf der Stelle beide Beine abenandere." "Das käme gut heraus," sagte der Meister. "Da kämest du vom Regen unter das Dachtrauf." "Aber was soll ich machen?" sagte Uli, "so will ich es nicht annehmen."

"Gehe, mach deine Sache," sagte der Meister, "und lass mir das Papier da, ich will das Ding in der Stille fertig machen; es ist am besten, man mache nicht Lärm, es könnte für beide Teile nichts Gutes dabei herauskommen, nichts als Futter für die Lämmergeier, welche vom Streit der bauern leben." Als der Meister ruhig zMorgen gegessen hatte, trätschete er so wie von ungefähr gegen Reslis Hofstatt, wo dieser Äpfel auflas, rühmte ihm, wie viele und schöne Bäume darin seien und wie sie bsunderbar gerne trügen. Er ging darauf einige Schritte, kehrte sich dann um und sagte: ", jetzt hätte ich es bald vergessen! Uli geht heute nicht an die Ausmacheten, das Papier hat ihm nicht recht gefallen." Resli bückte sich nach Äpfeln und sagte: "He nun, er hat dWehli; aber sehe er nur, was er macht." "He, ja ja," sagte der Meister, "aber ich habe dir nur sagen wollen, dass man mir Uli eh rüeiig lässt; es ist euch nützlicher, ihr machet aus und zahlet und fordert dem Uli keinen Kreuzer, als dass er das Papier dem Landvogt zeigt." Darauf gab Resli gar keine Antwort, sondern sagte: "Johannes, es wäre mir lieb, wenn du deinen Hag besser vermachtest; deine Schafe sind immer in meiner Hofstatt, und wenn eins an einem Öpfel erstickt, so will ich nicht schuld sein." Noch diesen Nachmittag solle die Lücke vermacht werden, sagte Johannes; es wäre schon lange geschehen, wenn man Zeit gehabt hätte. Er solle es nicht für ungut halten. Nein, sagte Resli, aber es hätte ihn gedünkt, es wäre afe Zeit. Er hätte nichts dawider, sagte Johannes, "aber Resli, du weisst wohl, wenn ds Hurnusse nicht gewesen wäre, so wäre Manches gemacht, was nicht gemacht ist, und manches wäre unterwegs geblieben, was nichts abtragt." Dem