1841_Gotthelf_136_23.txt

sein wollte.

Dem guten Mann floss von der Stirne heiss der Schweiss: wenn er hier auseinandergetan, so klebten dort Andere zusammen; aber er gab nicht nach, sondern rief immer mächtiger: Hier sei er Meister und hier dulde er keinen Streit; wer für ds Teufels Gwalt Schläge haben wolle, der solle hinaus, dort hätten sie Platz genug, und dort könnten sie einander seinetalb dGringe abschrysse. Die recht Streitbrünstigen liessen sich das gesagt sein. Es verschwand einer nach dem andern; einer wollte dem andern auflauern, und ehe er recht draussen war, hagelten Streiche auf ihn ein wie von unsichtbaren Händen; er konnte kaum seinen Kopf sichern und mit Dreinschlagen den Feind sich vom leib halten. Wie man es draussen so tätschen und klepfen hörte, so nahm es die drinnen immer mehr wunder, wie es draussen ginge, sie stürzten hinaus und hingen sich auch in den grossen, immer blutiger werdenden Knäuel, auf den mild lächelnd die heitern Sterne schienen, aber nicht hell genug leuchteten, dass der Freund vor Freundes Schlag sich wehren, der Feind den Feind er, kennen konnte. Es ging wüst draussen, und hie und da kam einer herein, mit Blut überströmt, sagte, es werde ihm fast gschmucht und man solle ihm wasser geben. Der Wirt, der wasser holen wollte, kam auch blutend, mit zerschlagener Flasche und sagte den Küngen, die noch immer am Tische sassen, es wäre doch afe Zeit, dass sie hinausgingen und sähen, was es gebe; es dünke ihn, es gehe afe wüst genug. Die Mannen tranken aus, klopften ihre Pfeifen aus, erhoben langsam ihre Riesenglieder und schritten langsam hinaus; sie wären schneller gegangen, wenn man sie gerufen hatte, draussen einem Pferde die Fliegen zu wehren. Draussen stellten sie sich, betrachteten gemächlich das Gewühl der auf dem Boden Liegenden, der in Masse Kämpfenden, und endlich sagte einer: Es dunke ihn, es sollte jetzt genug sein, sie sollten jetzt aufhören, sonst wolle man es ihnen teilen, aber dann unsauber. "La gseh, guetets jetz de?" rief ein anderer, als der Streit fortdauerte, nahm den nächsten und schmiss ihn rücklings in einen Haufen hinein, dass er durch denselben fuhr wie eine Kanonenkugel und jenseits in einem Zaune hängen blieb. Die andern griffen auch zu, und es war merkwürdig zu sehen, wie die wildesten Schläger im arme eines der Künge zappelten wie Fische in der Hand einer Köchin, und in kürzer Zeit war der Platz von Streitenden leer, nur noch hie und da, in immer zunehmender Ferne, hörte man Schläge fallen, Fluche schallen. Nun wurden die Verwundeten aufgehoben, ausgewaschen und suchten sich im Geleite der Künge den Weg nach haus. Nur zwei von Brönzwyler wollten nicht fort, sondern blieben, wie man zu sagen pflegt, in der Leistung liegen und begehrten einen Doktor, das heisst sie blieben auf Kosten ihrer Schläger liegen so lange als möglich oder bis der Handel ausgemacht, die Entschädnis ausgemittelt war. Das wollte zwar den Küngen nicht gefallen, sie sagten: Zu ihren zeiten hätte man sich wegen solchen Flöhbicken nicht umgesehen, es sei nichts mehr mit den Leuten. Aber die Bursche liessen sich nicht abwendig machen; es waren halt nicht die reichsten und es war ihnen nur um das Stück Geld zu tun.

Uli war gereizten Gemütes zum Weine gekommen und hatte viel getrunken. Er dachte, wenn er doch mitzahlen müsse, so wolle er wenigstens machen, dass er redlich seinen teil bekäme. Er war auch im Streit gewesen, aber nur so im allgemeinen, weil gerade kein besonderer Hass gegen irgend einen Brönzwylerer in ihm war. Er teilte tüchtige Schläge aus hie und da, aber misshandelte niemand insbesonders; er erhielt einige rässe Kläpfe, blutete, und sein Sonntagsstaat hing ihm zerrissen am leib. Als die alten Fäger dem Streit ein Ende machten, so hatten die Erdöpfelkofer die Oberhand, auch waren die beiden in der Leistung Liegenden Brönzwylerer. Die ersten schrieben sich daher den nächtlichen Sieg zu, trösteten sich deswegen über die Niederlage beim Hurnussen und verführten beim Heimgehen einen Mordsspektakel, und manches unschuldige Bäumchen und manch noch unschuldigeres Fenster mussten ihren Sieges- und andern Rausch büssen. Die Helden von Waterloo oder Morgarten konnten nicht bäumeliger heimgekommen sein als sie. Am Morgen verging Einigen der jubel. Als Uli erwachte, der zerschlagene Kopf ihn brannte, ein Arm sich fast nicht wollte bewegen lassen, seine zerfetzten Sonntagskleider ihm in die Augen und die mächtige Ürti ihm ins Gedächtnis fielen, da hätte er fast weinen mögen. Jetzt sei alles aus, dachte er, Hausen lohne sich nicht der Mühe. Er habe doch recht, ein arm Knechtlein komme zu nichts, und wenn er ein einzig Mal übertrappe, so sei er fertig, es möge ihm auch gar nichts erleiden. Er hatte allen Mut verloren, gab nicht nur niemand ein gutes Wort, sondern ging umher wie eine geladene Kanone, vor der jedermann floh, weil man fürchtete, sie könnte jeden Augenblick losgehen.

Unterdessen hatten die in der Leistung Liegenden zwei Männer nach Erdöpfelkofen gesandt mit der Frage, ob sie es mit ihnen in Freundlichkeit ausmachen oder ob sie es dem Landvogt anzeigen sollten. Diese Männer hatten sich an den Bauer gewandt, der den Uli aufgestiefelt hatte gegen seinen Meister, und dieser gab ihnen den Bescheid: Man werde wohl ausmachen, wenn es der wert sei, es werde wohl nicht so bös gegangen sein. Indessen müsse er