1841_Gotthelf_136_22.txt

konnten wirklich einen noch einmal schlagen lassen, nachdem er schon abgetan worden, stüpften einen Hurnuss, der ins Ziel gefallen war, hinaus und hoben ihn erst draussen auf und leugneten es dem alten Brönzwyler, der pfiffig in der Nähe aufpasste, ab; aber es half alles nichts, sie mussten es endlich verloren geben. Sie waren unwirsch und hielten den Entscheid des Schicksals für durchaus ungerecht, weil sie offenbar die Bessern gewesen, und hie und da einer konnte sich nicht entalten, einem schuld zu geben, dass er schlecht geschlagen oder im Abtun sich verfehlt. Die Alten verliessen brummend den Platz und meinten, sie hätten es schon lange gesagt, es komme so; allbets wäre es anders gegangen, sie seien manchmal dabeigewesen, aber so leid hätten sie sich nie gestellt. Und die Weiber und die Mädchen gingen auch mit schweren Beinen heim und sagten: Das mach ihnen zuletzt noch nichts, wenn es Ihrer schon verspielt hätten, wenn es hinecht nur nichts Uwatligs geb, aber sie förchte, die kämen nicht ohne Kläpf auseinander. He nu, was das denn mache, sagte so ein alter Fäger; er sei auch manchmal dabeigewesen, wo es Kläpf gegeben habe, und noch ganz andere als heutzutag, und er sei doch immer mit dem Leben davongekommen.

Uli hatte sich brav gestellt, und doch trümpfte ihn ein Baurensohn, der selbst den Hurnuss mehr als einmal liederlich vorbeigelassen, als ob er am Verlust schuld sei. Das und die Aussicht, so mir nichts dir nichts um zwei bis drei Pfund zu kommen, machte ihn ganz böse und ärgerlich; er sagte: Er denke, er komme nicht mit zum Trinken, es sei ihm nicht darum und er müsse daheim füttern, der Meister werde kaum daheim sein; es soll doch einer für ihn zahlen, was es ihm breiche, er wolle es ihm dann wiedergeben. Aber da sagte man ihm, ob man ihn hintersich darauslassen wolle! Er hätte es verspielen helfen, er müsse jetzt auch zahlen helfen und mit den Andern halten, es möge kommen, was da wolle.

Das wäre lustig, wenn jetzt ein jeder heim wollte, dem Müetti unter dScheube schlüfen. Uli musste mit, unzufrieden mit sich selbst und der ganzen Welt. Er hatte im Stillen gehofft, einmal wieder recht trinken zu können auf anderer Leute Kosten, nun ging es ihm umgekehrt.

Es war wirklich für die Erdöpfelkofer eine harte Nuss, so gleichsam im Triumph von ihren Siegern aufgeführt zu werden dem auserwählten Wirtshaus zu und in diesem zug die fröhlichen Gesichter der Brönzwyler Weiber und Mädchen zu sehen und hören zu müssen: Wie sie es nicht geglaubt hätten, dass es Ihrer so wohl könnten, aber da hätten sie keinen vorbeigelassen, wie hoch einer auch dahergekommen sei und wie schnausig. Sie mussten es indessen leiden, gebärdeten sich dabei aber so trotzig als möglich, waren auf Spottreden mit Schlagworten bereit, und wenn die Mädchen mit schelmischen Blicken sie neckten, so vergalten sie es ihnen mit schlüpferigen Reden.

Im wirtshaus glimmte das heimliche Feuer, vom Weine genährt, immer mehr auf Stichelreden flogen hin und her, und manche Faust hob sich, und manche Flasche wurde zum Wurfe gefasst; aber noch mittelten die Ältern, setzten die Jüngern und mahnten, ja nicht anzufangen; aber wenn die Andern anfingen; so sollten sie sich wehren vom Teufel und nichts borgen. Aber immer mehr stieg auch den Ältern der Wein zu Haupt. Sie begannen zu erzählen von vergangenen zeiten, wie sie hier und dort sich geprügelt, dass das Blut durch die Karrgläuse gelaufen sei, wie aus allen Häusern die Leute zusammengelaufen seien, wie wenn man zusammengeläutet hätte, und wie sie allen Meister geworden wären. Die Erdöpfelkofer hielten den Brönzwylern vor, wie oft sie dieselben gejagt, gescheitert, gebodiget hätten. Die Brönzwyler führten anderes an und namentlich den heutigen Tag, und wenn sie es so verspielt hätten, so wollten sie sich nicht so gross machen; es hätten es ja alle Leute sehen können, welche die Leideren seien. Und Einer begann dem Andern vorzuhalten, wie er ihn dort in einen Bach geworfen oder in einer Mistgülle herumgezogen, mit einem Zaunstecken traktiert, dass er am Boden gelegen sei wie ein Kalb. Und der Andere erhob dann die Faust und wollte er, fahren, wer heute Meister sei. Und die Älteren, die früher abgewehrt, waren jetzt die Hitzigsten geworden, und hier griff ein Paar zusammen, und dort drückten sich einige alte Mannlein an die Wand, während einige mächtige Männer ruhig hinter den Tischen sassen und mit bewunderungswürdiger Gravität in das Getümmel schauten, nur hie und da einige gewichtige Worte sprachen, als: "Eh eh, ih wett nit; la gah, sust wills dr zeige";und ihre Worte verfehlten ihre wirkung nicht. Es waren die Künge, die man kannte, von denen man wusste, dass wenn die einmal aufstünden, es den Fall Vieler zu bedeuten hätte, denen es aber selten mehr der Mühe sich lohnte, ihre Kraft in die Wagschale zu legen. Ihre Worte unterstützten die Bemühungen des Wirtes, der Ruhe halten wollte, seiner Tische und Stühle, seiner Flaschen und Gläser wegen. Er war ein kräftiger und beliebter Mann, der ohne Furcht mitten unter die Streitenden trat, sie auseinandertat, den Einen hiehin, den Andern dortin setzte, wenn sie sich wehren wollten, und mit mächtigem arme den aus der stube warf, der sich nicht ergeben, nicht ruhig