man nicht voraus. Wenn es bös gehe, so könne es zu Leistungen kommen, und man habe Beispiele, dass so ein Streit viele hundert Kronen gekostet habe. Das sei für reiche Bauernsöhne, welche gerne ihre Neutaler sonneten und denen ihre Alten nichts darauf hätten, wenn sie nicht alle halben Jahre eine Ausmacheten hätten, wenn sie nicht während ihrer ledigen Zeit einige hundert Neutaler an Schmerzengeld und Bussen zahlen müssten. Ob solchem sei schon mancher Bauer arm geworden, ein Knechtlein vermöge es vollends nicht. Er solle daher zurückbleiben, meinte der Meister, es könnte ihn sonst um manches Jahr zurückschlagen, ja machen, dass er nie mehr ins Geleise käme. Den Uli dünkte, was der Meister sagte, gar vernünftig, ob, gleich es ihn hart hielt, nicht an der Ehre teilzunehmen, an jenem Sonntag vor der grossen Zuschauerschaft als ein bewährter Hurnusser aufziehen zu können. Er ging den nächsten Abend hin, um abzusagen. natürlich nahm man sein Wort nicht gerne an, und unglücklicherweise war gerade jener oben genannte Nachbar auch dabei. Nachdem man lange umsonst in Uli gedrungen war, nahm jener Nachbar ihn nebenaus und stellte die Sache nun anders dar.
Der sagte nun dem Uli, wie es seinem Meister nur darum zu tun sei, dass er ihm nicht etwas versäume und dass er nicht etwa einen Abend für ihn füttern müsse. Er kenne den Bodenbauer von Jugend auf, sagte er. Das sei ihm der grösste Fuchs und scheinheiligste Ketzer unter der Sonne, und so wie er wisse Keiner die Diensten auszunutzen. Da gebe er ihnen alles Mögliche an und stelle sich lauter gutmeinend, nur um sie zu haus zu behalten, damit keiner einen Augenblick versäume und er sie brauchen könne Tag und Nacht. Auch wolle er nicht, dass sie mit andern Leuten Gemeinschaft hätten und Bekanntschaft machten, damit sie nicht vernähmten, wie viel Lohn man hier oder dort gebe, wie gut man es hätte usw. So mache er es allen seinen Diensten, und wenn er einen recht ausgenutzet habe, ihm alles aufgebürdet und der etwas mehr Lohn wolle, so jage er ihn fort und stelle wieder einen wohlfeilern an. Jetzt wolle er nur nicht, dass Uli gute Kameradschaft mache mit reichen Bauernsöhnen und dadurch vielleicht sein Glück machen könne, man wisse nicht wie. Er, Uli, solle nur dem Meister sagen, man hätte ihn nicht loslassen wollen. Es sei ihm nützlicher, der Meister brumme ein wenig, als wenn die ganze Dorfschaft ihn zHass ergreifen würde. Uli schwankte, gab nach; solche Worte fanden noch Glauben bei ihm, zudem gefiel ihm die Kameradschaft mit reichen Bauernsöhnen; er wusste nicht, dass auch hier das Sprüchwort giltet, es sei bös mit grossen Herren Kirschen essen, weil sie einem gerne Steine und Stiele ins Gesicht würfen, das Fleisch aber behielten. Wer mit Höhern ohne eigenen Schaden umgehen will, muss sehr klug sein, sonst wird er missbraucht, muss die Ehre teuer bezahlen und wird am Ende doch mit Spott und Hohn weggeworfen, wenn man seiner satt hat oder ihn nicht mehr zu brauchen weiss oder wenn er sich einfallen lässt, Ansprüche zu machen. Das ist ganz akkurat gleich zu Erdöpfelkofen wie zu Paris, zu Brönzwyler wie zu Bern.
Als Uli dem Meister sagte, er müsse doch mitalten, man wolle ihn nicht loslassen, so erwiderte dieser wenig darauf, nur ermahnte er Uli, dass er sich wohl in acht nehmen möchte; es wäre ihm leid, wenn er in Ungelegenheit käme und wieder ans alte Ort. Diese Milde rührte Uli fast, und beinahe wäre er jetzt noch zurückgegangen, aber die falsche Scham war stärker in ihm als die gute Regung.
Der ersehnte Sonntag brach endlich an, und mit ihm nahm Manchem eine schlaflose Nacht ihr Ende. Wenige hatten Zeit, die Kirche zu besuchen; alle Teilnehmer mussten sich rüsten, Schaufeln probieren, Stecken fecken, die Andern hatten ihnen zu helfen, und alle Weiber mussten das Mittagsmahl wenigstens eine halbe Stunde früher bereit halten als sonst, was für die einen eine schwere Aufgabe war, welche Fleisch im Hafen hatten, das drei Jahre im Kamin gehangen und von einer Kuh gekommen war, welche, wenn sie eine Frau gewesen, fast gar zur goldenen Hochzeit gekommen wäre.
Indessen wenn das Fleisch auch blieb wie mittelmässiges Sohlleder, heute nahm es niemand übel, und glücklich war man, als endlich nichts mehr zwischen dem Nachmittage war, an dem des Dorfes Ehre für Kind und Kindeskinder neu bewährt werden sollte.
Noch lange hatte die bestimmte Stunde nicht geschlagen, als man schon mit dem Rüstzeug auf den Achseln Einzelne dem Sammelplatz zuziehen und dort Stecken und Schaufeln von Hand zu Hand zu sorgfältiger Prüfung wandern sah. Die Knaben drängten sich gar eifrig herbei und schwangen mit Eifer die Stecken und redeten mit gar wichtigen Gesichtern, welche Schaufel am besten in die Hand sich schicke; die Alten aber stunden scheinbar kaltblütig draussen auf der Strasse, die kurzen Pfeifchen trotzig im mund, die hände in den Kuttentäschen und Westensäcken, und redeten vom Luft und vom Säen. Endlich wurde aufgebrochen, die jubelnde Jugend voran. Mit glücklichen Gesichtern die, welche eine Schaufel, einen Stecken tragen konnten, branzend und zankend die, welche leer nebenbeiliefen, kühn und trotzig, hie und da einer einen ungelenken Sprung versuchend, wenn er eben ein Mädchengesicht erblickte, das ihm nicht gleichgültig war, marschierten die Kämpfer in halbmilitärischer Ordnung nach, und hintendrein trätscheten, wie in halbem Selbstvergessen, die Alten