den Kopf setzte, also gebetet hatte und auch hinaus wollte, sagte der Meister: "Kumm, los neuis" ging ins Stübli und machte hinter ihnen zu. Der Meister setzte sich oben zum Tischli, Uli blieb an der tür stehen und machte ein Schafsgesicht, das sich gleich leicht in ein trotziges oder ein reumütiges verwandeln liess.
Uli war ein grosser, schöner Bursche, noch nicht zwanzig Jahre alt, von kraftvollem Aussehen, aber mit etwas auf seinem gesicht, das nicht auf grosse Unschuld und Mässigkeit schliessen liess, das ihn im nächsten Jahre leicht zehn Jahre älter konnte aussehen lassen.
"Hör, Uli," hob der Meister an, "so kann das nicht länger gehen, du tust mir zu wüst, dein Hudeln kommt mir zu oft wieder; ich will meine Rosse und Kühe Keinem anvertrauen, der den Kopf voll Brönz oder Wein hat, einen Solchen darf ich nicht mit der Laterne in den Stall lassen, und ganz besonders nicht, wenn er noch dazu tubaket wie du, es sind mir schon zu viele Hauser so verleichtsinnigt worden. Ich weiss gar nicht, was du auch sinnest und was du denkst, wo das hinaus soll." Er hatte noch nichts verleichtsinniget, antwortete Uli, er hätte seine Arbeit immer noch gemacht, es hätte ihm sie niemand zu machen gebraucht, und was er saufe, zahle ihm niemand; was er versaufe gehe niemand an, er versaufe sein Geld. "Aber es ist mein Knecht," antwortete der Meister, "der sein Geld versauft, und wenn du wüst tust, so geht es über mich aus und die Leute sagen, das sei aber des Bodenbauren Knecht und sie wussten nicht, was der auch sinne, dass er ihn so machen lasse und dass er so einen haben möge. Du hast noch kein Haus verleichtsinniget; aber denke, Uli, wär es nicht an einem Mal zu viel und hättest du noch eine ruhige Stunde, wenn du denken müsstest, du hättest mir mein Haus verleichtsinniget, und wenn wir und die Kinder noch darin bleiben müssten? Und was ist es mit deiner Arbeit? Es wär mir lieber, du lägest den ganzen Tag im Bett. Du schläfst ja unter den Kühen beim Melken ein, siehst, hörst, schmöckest nichts und stopfest ums Haus herum, wie wenn du sturm wärest an der Leber. Es ist ein Elend, dir zuzusehen. Da staunest du so gradeaus, dass man wohl sieht, dass du an nichts als an deine Schleipfe sinnest, mit denen du desumetrolet bist." Er sei mit keinen Schleipfe desumetrolet, sagte Uli, solches nehme er nicht an. Und wenn er ihm nicht genug arbeiten könnte, so wolle er gehen. Aber so sei es heutzutage, man könne keinem Meister mehr genug arbeiten, wenn man schon immer mache; es sei einer wüster als der andere. Lohn wollten sie je länger je weniger geben, und das Essen werde alle Tage schlechter. Am Ende werde man noch Erdflöh, Käfer und Heustöffel zusammenlesen müssen, wenn man Fleisch haben wolle und etwas Schmutziges ins Kraut. "Hör, Uli," sagte der Meister, "so wollen wir nicht mit einander reden, du bist noch gstürmt, ich hätte noch nichts zu dir sagen sollen. Aber du kannst mich dauren, du wärest sonst ein braver Bursch und könntest arbeiten. Ich habe eine Zeitlang geglaubt, es gebe etwas Rechtes aus dir, und habe mich gefreut. Aber seitdem du das Hudeln angefangen und das Nachtgeläuf, bist du ganz ein Anderer geworden. Es ist dir an nichts mehr gelegen, hast einen bösen Kopf, und wenn man dir, wie leicht, etwas sagt, so hängst du einem das böse Maul an oder tublest eine ganze Woche lang. Jawohl gibst du dich mit Schleipfen ab, und zähle darauf, du wirst unglücklich! Du musst nicht glauben, ich wisse nicht, dass du zu Gnäggerlers Anne Lisi gehst, ihm alles anhängst. Und das ist ja das wüstest Meitli zentum; es geht bei ihm wie in einem Taubenhaus, es gibt sich mit je, dem Halunk ab, und da bist du ihm gerade der Rechte für dich anzugeben, wenn es gefehlt hat, kannst Kindbett halten für Andere, dein Leben lang der Gatter vor der tür und dein Leben lang mitten in der teuren Zeit sein wie so viel tausend Andere, die es gerade machten wie du und jetzt im Elend sind und in der teuren Zeit. Denn für einen, der nichts vermag, der immer zu wenig hat, der entweder betteln oder Schulden machen oder hungern muss, währet ja die teure Zeit, wie wohlfeil es übrigens sein mag, von Jahr zu Jahr in alle Ewigkeit. Geh jetzt, besinne dich, und wenn du dich nicht ändern willst, so kannst du in Gottes Namen gehen, ich begehre dich nicht mehr. Gib mir in acht Tagen den Bescheid."
Da hätte er sich bald ausbsinnt und brauche nicht acht Tage dazu, brummte Uli im Herausgehen; aber der Meister tat, als hörte er es nicht.
Als der Meister auch hinauskam, fragte ihn die Meisterfrau wie üblich: "Was hast du ihm gesagt, und was hat er wieder gesagt?" Er habe nichts mit ihm machen können, antwortete der Meister. Uli sei noch ganz aufbegehrisch gewesen, hätte den Rausch noch nicht verschlafen gehabt; es wäre besser gewesen, wenn man erst den folgenden Tag mit ihm