Myne ist mir lieb und wert, ich bekäme keinen Bessern und er gönnt mir, was ich brauche, aber ich sehe öppe, wie es an andern Orten zugeht." "Ih ha welle lose", antwortete Johannes. "Du hast aber nachebesseret. Du hast recht, es geht an manchem Ort den Weibern bös, aber an andern den Männern auch, es kommt immer darauf an, wo auch Erkanntnus ist und öppe auch der Glaube, dass ein Gott im Himmel sei. Wo kein Glaube ist, da ist das Wüstest Meister."
Darauf wurden sie in die Hinterstube entboten. Dort war die Suppe aufgetragen, eine Mass Wein auf dem Tisch, ein Kännlein süsser Tee dabei. Sie habe gedacht, sie wolle gleich Tee machen, sagte die Wirtin, es könne dann nehmen, wer wolle; ein teil sei Liebhaber, ein teil nicht. Mit ungezwungener Freundlichkeit machte Vreneli die Wirtin, schenkte ein, legte vor, mahnte ans Austrinken; es wurde allen recht wohl und heimelig. Uli machte sich an den Meister und fragte ihn dies und das: Wie er sich einrichten solle im Stall, was er für vorteilhafter halte zu pflanzen, um welche Zeit er dieses säe und jenes, für was der Boden gut sei, für was jener. Johannes berichtete väterlich, fragte wieder, und Uli teilte seine Erfahrungen mit. Die Weiber horchten anfangs, dann aber schwoll auch Vrenelis Herz mit fragen an und es suchte Rat bei der Bäurin in den hundert Dingen, in denen eine Bäurin Meister sein sollte, erzählte, wie es es bis dahin gemacht, aber ob es nicht noch besser und vorteilhafter anzuschicken wäre? Mit Freuden entüllte die Bäurin ihre Geheimnisse, sagte aber oft: "Ich glaube, du machst es besser, das muss mir auch probiert sein." Die trauliche Heimeligkeit lockte Wirt und Wirtin an, verständige Leute, und Beide halfen raten und wägen, was das Beste sei, und zeigten ihre Freude an manchem, das sie hörten. Und je mehr sie hörten, um so mehr zeigten Vreneli und Uli Begierde, zu lernen, um so demütiger wurden sie und horchten den Alten ihre Erfahrungen ab und prägten dieselben sich ein in ihr nicht mit unnützen Dingen beschwertes Gedächtnis.
Der Nachmittag schwand, es wusste es niemand. Auf einmal warf die Sonne einen goldenen Schein ins Stübchen, und verklärt schwamm in ihrem Lichte, was darinnen war Erschrocken fuhren sie zweg über das unerwartete Licht; das fast von ausgebrochenem Feuer zu kommen schien. Sie sollten nur ruhig sein, sagte die Wirtin, das sei nur von der Sonne; die möge gegen Haustagen hineinscheinen, wenn sie nieder, gehen wolle. "Herr Yses, so spät schon?" sagte Vreneli, "wir müssen fort, Uli." "Ich wollte nicht pressieren," sagte die Wirtin, "der Mond kommt, ehe es finster wird." "Wie ist mir doch dieser Nachmittag vorbeigegangen!" sagte die Bäurin. "Ich wüsste mich gar nicht zu besinnen, wann ich so kurze Zeit gehabt hätte." "Es geht mir auch so", sagte die Wirtin. "Das ist etwas anderes gewesen als so viele Hochzeitleute, die vor langer Weile nichts anzufangen wissen als zu saufen und zu spielen, und einem so lange Zeit machen, dass man froh ist, wenn man ihnen den rücken sieht. Ja es dünkt mich manch, mal, ich müsste so einem Bürschchen, das nichts zu reden weiss an seinem Hochzeittag als zu fluchen und seine entlehnte Pfeife geradeausstreckt, wie wenn er den Mond hinunterguseln wollte, eins zum Grind geben, dass er ihn doch auch wieder da habe wo andere Leute und reden lerne wie andere Leute." Die Bäurin aber gab Vreneli die Hand und sagte: "Du bist mir, weiss Gott, recht lieb geworden, und ich lasse dich nicht fort, bis du mir versprichst, du wollest bald wieder zu uns kommen." "Recht gerne," sagte Vreneli, "wenn es möglich ist. Es ist mir auch gewesen, als rede ich mit einer Mutter, und wenn wir nur näher bei einander wären, ich käme nur zu viel. Aber wir haben ein grosses Wesen und wer, den nicht viel daraus können, ich und Uli. Aber kommt Ihr zu uns, das müsst Ihr mir versprechen; Ihr habt erwachsene Kinder und wisset, es geht zu haus gleich, wenn Ihr schon fort seid." "Ja, kommen will ich zu euch, das verspreche ich. Ich habe es dem Johannes schon manchmal gesagt, es nähmte mich wunder, wie es in der Glungge sei. Und los, wenn ihr öppe einist eine Gotte mangelt, so habt nicht Mühe und lauft weit um eine aus. Ich weiss eine, sie sagt euch nicht ab." "Das wäre guter Bescheid," sagte Vreneli und zupfte am Fürtuchbändel, es wolle ihn nicht vergessen und daran sinnen, wenn es ihnen einmal dazu kommen sollte; man wisse nie, was es geben könne. "Ungefähr wohl," lachte die Bäurin, "und dann wollen wir sehen, ob ihr uns etwas schätzet oder nicht."
Unterdessen hatte Uli abgeschafft, anspannen lassen und schenkte nun allseits ein und nötigte zum Abschiedstrunk. Da kam noch der Wirt mit einer Extraflasche und sagte: Etwas wolle er auch tun und nicht umsonst getrunken haben. Es freue ihn, dass sie bei ihm gewesen