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Kopf erst zur tür hinein kommt, und ich soll ihnen dann noch das Kränzchen auf heften, dann kommt es mir in alle Finger und ich möchte sie lieber bei den Züpfen nehmen und sie verflümert haaren, als ihnen ein Kränzchen aufheften. Es ist eine bluetige Schand, dass eine jede Hure mit einem Kränzchen daherkömmt und damit im land herumfährt, und über den Fusssack heraus hängt ihr der Ranzen bis ihrer Mähre aufs Kreuz. Sellige sollten die Kränzchen verboten werden, es ist ja nur das Gespött damit getrieben. Aber es heisst, die Gnädigen Herren frügen dem nicht viel nach und hätten selbst die Ranzen lieber als die Kränzchen. Ich weiss das nicht, ich bin, seit die Östreicher gekommen, nie in Bern gewesen, aber man sagt es so. Ob es ist, weiss ich nicht, frage auch nicht viel darnach, was gehen mich die Herren an! Es ist mir zwider, wenn einer zu uns kommt. Sie sind so hochmütig, dass sie einem nicht einmal antworten mögen, wenn man ihnen Gottwilchen sagt; und wenn man ihnen die Hand längen will, so mögen sie einem die ihre nicht geben, so ziehen sie nicht einmal die Handschuhe aus und habest noch Furcht, man bschysse die."

Es begann zu läuten, und laut begann Vrenelis Herz zu klopfen, es schwamm ihm ordentlich vor den Augen. Die Wirtin brachte ihm Hoffmannstropfen, rieb ihm mit etwas die Schläfe und sagte: "Du musst das nicht so schwer nehmen, Meitschi, wir müssen alle da durch. Aber geht jetzt in Gottes Namen, der Herr wartet an einem Freitag nicht lange, er ist gar e Ängstige."

Uli fasste sein Vreneli bei der Hand und wanderte mit ihm der Kirche zu; feierlich tönten die feierlichen Klänge im Herzen wieder, denn der Siegrist läutete ordentlich die Glocken, dass sie an beiden Orten anschlugen, und sucht wie wenn sie lahm wären, nur bald all diesem, bald an jenem Orte. Wie sie auf den Kirchhof kamen, schaufelte eben der Totenmann an einem grab, und stille war es um ihn: kein Schaf, keine Ziege kam und verrichtete ihre Notdurft in des Menschen letzte Ruhestätte, denn da war der Kirchhof kein Weideplatz für ungeistliche Tiere. Es ergriff Vreneli plötzlich eine unwiderstehliche Wehmut. Der ehrwürdige Anblick der Gräber, das Schaufeln eines Grabes wecken düstere Gedanken. "Das bedeutet nichts Gutes," flüsterte es, "einem von uns schaufelt man sein Grab." Vor der Kirche stunden Gevatterleute, eine Gotte mit einem kind auf dem arme. "Das bedeutet einem von uns eine Kindbett", flüsterte Uli, um Vreneli zu trösten. "Ja, dass ich in einer solchen sterbe," antwortete es, "dass ich aus meinem Glück weg muss ins kalte Grab." "denke doch," sagte Uli, "dass der liebe Gott ja alles macht und dass wir nicht abergläubisch, sondern gläubig sein sollen. Dass einmal unser Grab geschaufelt werden wird, ist gewiss, aber dass das Grabgraben Sterben bedeute denen, die dazukommen, habe ich noch nie gehört. Denke doch, wie Viele ein Grab graben sehen; wenn es die alle nachzöge, denke auch, wie gross der Sterbet sein müsste." "Ach, verzeih mir," sagte Vreneli, "aber je wichtiger ein gang ist, um so ängstlicher wird die arme Seele und möchte gar zu gerne wissen, wie es zu Ende geht, und nimmt daher jede Bewegung als ein Zeichen auf, ein gutes oder ein böses; weisst du, was du von den Tauben sagtest, als wir ins Dorf fuhren?" Da drückte Uli seiner Braut die Hand und sagte ihr: "Du hast recht; lass du uns unser Vertrauen auf Gott stellen und nicht kummern. Was er uns tun, nehmen oder geben wird, das ist wohl getan."

Sie traten in die Kirche, leise, zagend, teilten sich zur Linken und zur Rechten, sahen ein Kindlein aufnehmen in den Bund des Herrn, dachten, wie schön es doch sei, so ein zart und hinfällig Kind der besonderen Obhut seines Heilands mit Leib und Seele anempfehlen zu dürfen, und wie eine grosse Last es von der Eltern Brust wälzen müsse, wenn sie in der Taufe das Bewusstsein erhielten, der Herr wolle mit ihnen sein und mit seinem geist sie das Kind nähren lassen, wie die Mutter es sättige mit ihrer Milch. Sie beteten recht andächtig mit und dachten, wie ernstaft sie es nehmen wollten, wenn sie als Taufzeugen es geloben müssten, darauf zu achten, dass das Kind dem Herrn zugeführt werde. Das gewöhnliche Wochengebet verhallte ihnen in der Wichtigkeit des ernsten Augenblicks, der näher und näher kam. Als der Pfarrer hinter dem Taufsteine hervortrat, als Uli Vreneli geholt hatte und Beide ans Bänkchen traten, sanken Beide auf die Knie, der Zeremonie weit vorgreifend, hielten die hände inbrünstig verschlungen, und von ganzer Seele, ganzem Gemüte und allen Kräften beteten und gelobten sie, was die Worte sie hiessen, ja noch viel mehr, was aus treuen Herzen sprudelte. Und als sie aufstunden, fühlten sie sich so recht fest und wohlgemut; es war einem jeden, als hätte es einen grossen Schatz gewonnen fürs ganze Leben, der ihn es glücklich machen müsse, den ihm niemand entreissen, niemand abgewinnen könne, mit dem es vereint bleiben müsse in alle Ewigkeit.

Draussen bat Uli sein Weibchen, mit ihm zum Pfarrer zu