dass er ihn es gleich mitnehme? Nein, hiess es, selten warte man im Pfarrhaus. nachher gingen wohl Viele zusammen hin, den Schein zu holen. Was aber so die Scheuen seien oder die, welche glaubten, der Pfarrer hätte Ursache, ihnen etwas zu sagen, die kämen gleich wieder ins Wirtshaus, und nur die Kerleni gingen hin.
Nachdem Vreneli das Mitkommen von der Hand gewiesen und Uli noch befohlen hatte, dass man seinem Meister Bescheid mache, er und seine Frau sollten doch kommen, machte er sich auf. In seiner stattlichen Kleidung und in dem düstern Stübchen erkannte ihn der Pfarrer nicht gleich, hatte dann aber eine rechte Freude. "Ich habe gehört," sagte derselbe, "du seiest zweg, bekommest ein gutes Lehen, eine gute Frau und habest schön Geld erspart. Das tut mir gar wohl, wenn ich eine Ehe einsegnen kann, von der ich hoffe, dass sie in dem Herren bleibt. Dass du etwas erspart, ist nicht die Hauptsache, aber du hättest es nicht und man hätte dir nicht so viel anvertraut, wenn du nicht brav und fromm wärest, und das ist es, was mich eigentlich recht freut. Das Weltliche und das rechte Geistliche sind viel näher bei einander, als die meisten Leute glauben. Sie meinen, um recht wohl zu sein auf der Welt, müsse man das Christentum an den Nagel hängen, und das ist gerade das Gegenteil; daher das beständige Klagen in der Welt, daher betten sich die meisten Menschen so, dass sie liegen wie in Nesseln. Frage dich nur selbst, ob es dir so wohl wäre, wenn du ein Hudel geblieben, verachtet von allen Leuten. Was meinst du wohl, was für einen Hochzeittag hättest du erlebt? Denke dir recht, was du für Eine erhalten und was für Aussichten du gehabt und was die Leute gesagt hätten, wenn sie euch hätten zur Kirche gehen sehen, und stelle dagegen, wie es heute ist, dann ermiss den grossen Unter, schied. Oder was meinst du, ist das blinde Glück, der Zufall, das sogenannte Gfell schuld daran? Die Leute sagen immer: Ich habe das Gfell nicht, es ist heutzutage nichts mehr zu machen. Was glaubst du, Uli, ist es bloss das Gfell? Hättest du dieses Gfell auch gehabt, wenn du ein Hudel geblieben? Aber eben das ist das Unglück, dass die Leute durch das Gfell glücklich werden wollen und nicht durch ein frommes Leben, bei dem der Segen Gottes ist. Da ist es nun ganz recht, dass die, welche nur auf das Gfell warten, vom Gfell betrogen werden, bis sie wieder zur Erkenntnis kommen, dass am Gfell nichts, aber an Gottes Segen alles gelegen sei."
"Ja, Herr Pfarrer," sagte Uli, "ich kann Euch nicht sagen, wie wohl es mir ist gegen damals, wo ich einer von den Schlechtern gewesen bin, die auf der Gasse herumgelaufen. Aber es kommt doch auch etwas auf das Gfell an, denn wäre ich nicht zu so einem guten Meister gekommen, so wäre auch nichts aus mir geworden." "Uli, Uli," sagte der Pfarrer, "war das Gfell oder Gottes Fügung?" "Das ist das Gleiche, meine ich", antwortete Uli. "Ja," sagte der Pfarrer, "es ist das Gleiche, aber gleichgültig ist es nicht, wie man sagt, darin liegt eben der Unterschied. Wer vom Gfell redet, denkt nicht an Gott, dankt ihm nicht, sucht seine Gnade nicht, er sucht das Gfell von und in der Welt. Wer von Gottes Fügung redet, denkt an Gott, danket ihm, sucht sein Wohlgefallen, sieht in allem Gottes Leitung; er kennt weder Gfell noch Ungfell, sondern alles ist ihm Gottes gütige Leitung, die ihn zur Seligkeit führen will. Die verschiedene Redensart ist der Ausdruck einer verschiedenen Gesinnung, einer verschiedenen Ansicht des Lebens; darum liegt ein so grosser Unterschied in den Worten, und es ist wichtig, welche man braucht. Und meint man es auch gut, so macht es einen, wenn man nur von Gfell redet, leichtsinnig oder missmutig; redet man aber von Gottes Fügung, so wecken diese Worte schon Gedanken in uns und richten unsere Augen auf Gott." "Ja, so, Herr Pfarrer, habt Ihr etwas recht," sagte Uli, "und ich will es mir lassen gesagt sein." "Du kommst doch mit deiner Braut nach dem Gottesdienst zu mir?" "Gar gerne, wenn Ihr es begehret" , sagte Uli, "aber wir versäumen Euch an Eurer Arbeit." "Es versäumt mich niemand", sagte der Pfarrer, "denn das ist nicht nur mein Amt, sondern auch meine Freude, bei ernsten Anlässen ein ernstes Wort zu Herzen zu reden, wo ich auf einen Boden hoffen darf, der Früchte trägt. Was bei solchen Anlässen der Herr redet, das wird nicht so bald vergessen."
Unterdessen hatte Vreneli die Finkenschuhe ausgezogen, die rechte Kappe aufgesetzt, und mit eigenen Händen hatte die Wirtin ihm das Kränzchen aufgeheftet. Das sei eins auf die Langentaler Mode, sagte sie. "Sei es nun eins auf welche Mode es wolle, so steht es dir wohl an", fuhr sie fort. "Aber wenn sie mir daherkommen mit einem Ranzen, der beim Fenster ist, wenn der