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sind sicher viel anders, als man glaubt, die Seligkeit viel süsser, die Hölle viel bitterer. Da klopft mir das Herz immer mehr, ich muss mich fast schämen, und doch kann ich es nicht verbergen."

"Meine Eltern sind nie zusammen z'Kilche gegangen," sagte Vreneli, "und ich habe es entgelten müssen. Während Beide noch gelebt, bin ich doch ein arm, verstossen Waischen gewesen und alle bösen Geister haben mir aufgelauert, aber Einer hat mich behütet. Wer weiss, ob nicht auch ein frommes Grossmütti für mich gebetet oder gar mich behütet und beschützt hat, vom lieben Gott verordnet. Nein, Uli, ich begehre nicht zu spassen; ich möchte nicht, dass einmal wieder arme Kinder unsere Sünde entgelten müssten. Und wer weiss, wenn wir recht fromm sind und unsere Kinder dem Herrn zuführen, ob dann nicht Gott um unsertwillen unsern Eltern ihre Sünden vergibt. Nein, Uli, glaube, es ist mir nicht ums Spassen, es ist mir gar ernst im Gemüt; aber ich habe gar oft spassen müssen, um den Leuten nicht zu zeigen, wie es mir im Herzen ist, und mit dem lachen habe ich das Weinen vertrieben, um nicht ausgelacht zu werden. Und um die Meisterschaft wollen wir nicht streiten, da behüte mich Gott davor. Ich habe mich dir ergeben und will dir auch gehorchen, solange du mich lieb hast, und will tun, dass du mich alle Tage lieb haben kannst, will keine Zyberligränne werden. Nicht dass ich mich nicht auch wehren würde, wenn du mich quälen, zu deinem Hund machen wolltest; ich glaube, ich würde ein böser Tüfel, ich könnte weiss Gott nicht anders. Aber das tust du nicht, und wo mich jemand lieb hat, da gehe ich für ihn durchs Feuer, Uli, weiss Gott, noch heute, wenn es sein muss. Sieh, ich verspreche es dir schon hier, und der liebe Gott wird es auch hören, ich will immer Gott vor Augen haben und mit dir zu Gott beten, wann du willst. Aber zürnen musst mir auch nicht, wenn ich zuweilen lache, singe und springe. glaube mir, ich habe schon manchmal dar, über nachgedacht, wenn eine alte Frau mit mir gekifelt hat, wie ich immer lachen und springen möge und so leichtsinnig sei; aber ich fand mich sicher nie frömmer, als wenn ich so recht fröhlich im Gemüte war, da ist es mir oft, ich möchte über alle Berge aus und dem lieben Gott um den Hals fallen oder möchte für jemand sterben, möchte allen Leuten Gutes tun." "Bhüetis," sagte Uli, "das lachen und Lustigsein habe ich gar gerne; aber steh, dort ist der Kirchturm schon, und da ist mir die Rede der Grossmutter in Sinn gekommen und ich habe gedacht: wie man auch nicht lache und spasse, wenn man das Nachtmahl nehmen will, so solle man auf jedem Gange, den man eigentlich zu Gott tut, an Gott denken und ihn bitten, dass er einem dazu verhelfe, zu halten, was man ihm versprechen wolle. Sieh, da fliegen uns Tauben entgegen, eine ganze Schar, und sieh, die zwei weissen darunter, wo dort zusammen fliegen, das ist eine gute Vorbedeutung für Frieden und Eintracht. Es ist mir fast, wie wenn der liebe Gott unseretwegen ein Zeichen getan, dass es gut kommen werde. Meinst du nicht auch?" Und Vreneli drückte Uli die Hand, und in stiller Andacht weilten sie, bis der Stallknecht des Pferdes Zügel nahm und sagte: "Es ist gut frisch diesen Morgen."

Es war da eins der guten alten Wirtshäuser, in denen die Leute nicht alle Jahre wechseln, sondern eine Generation die andere ablöst. Diese sassen eben an ihrem Kaffee, als die Brautleute hereinkamen, und erkannten alsobald Uli. Nun eine recht freundliche Begrüssung, und sie mussten, sie mochten wollen oder nicht, zu ihnen sitzen und mitalten. Sie sollten doch nicht Umstände machen, hiess es, das sei ja zweg, und an einem so kalten Morgen tue einem nichts wöhler als ein Kacheli warmer Kaffee. Vreneli tat etwas zimperlich: Es sei uverschant für ihn es, da zuechezhocke, als ob es da daheim wär. Die Wirtin aber musterte es, bis es sass, gschauete es dann und begann dem Uli zu rühmen, wie er eine hübsche Frau habe; lange Zeit sei keine brävere dagewesen. Es freue sie, dass er seine Sache so gut mache, er hätte sie alle gereut, als er fortgekommen. Es freue einen immer, wenn einer zwegkomme. Nit, sie wolle nicht sagen, es gebe auch Leute, die das nicht leiden mögen, aber deren seien doch nicht recht viel. Ob der Pfarrer wohl auf sei, fragte Uli, er sollte vorher noch zu ihm. Er werde wohl, hiess es, bsunderbar an einem Freitag, wo gewöhnlich Leute kämen. Nit, sie wollten sonst nicht sagen, dass er von den Frühsten sei, er möge das Liegen wohl erleiden; aber er sei afe von den Alten, und da sei es ihm wohl zu gönnen. Aber er hätte einen Winter einen Vikari gehabt, den hätte man vor den achten nie sehen können, und das habe alle Leute geärgert, dass sie so einen faulen Vikari haben müssten. Darauf fragte Uli: Ob es wohl der Brauch sei,