reihte, in heiterer Pracht ein funkelnder Himmel sie überstrahlte, die düstern Lämplein zurückblieben unter des Dorfes düstern Dächern. Da umfasste schweigend Vreneli seinen Uli, blickte hell und strahlend ihm ins Auge, strahlende Augen hoben sich auf zum strahlenden Himmel. Die verschwiegenen Sternlein hörten heilige Gelübde, horchten lautlos den heiligen Gedanken, welche leise und wonnereich die Herzen der seligen Brautleute füllten, die still und leise ihren Heimweg gingen, den ihnen Gottes eigene Hand mit des himmels Blüten, mit reinem, unbeflecktem Schnee bestreut hatte.
Näher und näher rückte der verhängnisvolle Hochzeittag. Schon waren des Vetters ins Stöckli gezügelt; die Base liess das Haus von oben bis unten fegen und ribeln, wie sehr auch Vreneli wehrte, dass in dieser kühlen Jahreszeit solche Arbeit nicht viel abtrage, aber ungesund sei. Sie wolle das Haus nicht übergeben wie einen Schweinstall, sagte sie, und die Leute sollten ihr nicht nach ihrem tod nachreden, wie sie ihr Haus übergeben. Aber man sinne nicht, dass wenn so viel draussen zu tun sei und man so viel Land habe, man im haus nicht machen könne, was man wolle, und nicht alle Freitage fegen wie die Herrenfrauen. Der Tischmacher hatte seine Arbeit gebracht, Schneider, Näherin waren endlich unter Schweiss und Angst zu Ende getrieben worden, aber der Schuhmacher wollte nicht rücken, der kam nicht und kam immer nicht, der hatte seine Freude daran, warten zu lassen, sein Wahlspruch war: Ihr wartet wohl, bis ich komme. Vreneli verredete sich, der habe ihm die letzten Schuhe gemacht, und sollte es fürder barfuss laufen, und es hielt sein Gelübde.
Wie an einem Samstag vor einem heiligen Sonntag, der fast unwiderstehlich feierliche Gefühle den Herzen aufdringt, fast wie am Vorabend seiner Admission war es ihm am Tage vor der Hochzeit zumute. Sinnig und ernst waltete es im haus, vielleicht hatte es noch nie so wenig geredet als an diesem Tage. Es war ihm manchmal, als ob es weinen sollte, und doch hatte es ein freundlich Lächeln für alle, die ihm begegneten. Es versank zuweilen in ein Sinnen, wo es sich, Ort und Zeit, alles, alles vergass; es wusste nichts von sich selbst, wusste nichts von seinem Sinnen. Wenn dann jemand es anredete, so fuhr es auf wie aus tiefem Schlafe, es war ihm, als ob es erst jetzt wieder Ohren und Augen bekäme, als ob es aus einer andern Welt wieder auf Erden fiele.
Als sie am Nachtessen sassen, knallte es unerwartet auf dem Hügel neben dem haus, dass alle hoch auffuhren. Es waren die Knechte und einige Tagelöhner, die die Ehre der neuen Meisterleute der Welt verkünden wollten. Es liegt in diesem Schiessen und Knallen bei Hochzeiten ein tiefer Sinn, schade nur, dass so manches Menschenleben dabei gefährdet wird; Kein widriges Horngeheul klang dazwischen, keine grässliche Trosselfuhr, wie Neid oder Feindschaft sie Brautleuten bringen, störte den friedlichen Abend. Die Base gab allerlei Ermahnungen, hatte mitunter auch allerlei Spässe, brachte Finkenschuhe, Handschuhe und was sie auftreiben konnte, um am frostigen Morgen vor Kälte sie zu schützen. Früh wollten sie fort. Uli wollte in seiner Heimat Hochzeit halten, wo Vetter Johannes wohnte. Er sagte, es koste dort weniger. Aber inwendig in ihm war etwas anderes, das ihn heimtrieb. Seine schöne Braut, das stattliche Fuhrwerk zeigte er gerne daheim. Man sollte daheim doch auch wissen, dass er aus einem Hudelbub ein Mann geworden, und er wollte es gerne erzählen zu Nutz und Frommen von Vielen, wer ihn dazu gemacht und wie.
Unerwartet rief Joggeli ihn noch ins Stübchen und sagte ihm: Rühmen und Flattieren sei nicht seine Art, so lange er dagewesen, habe er ihm nicht viel gesagt; aber dass er zufrieden sei mit ihm, das hätte er sehen und daraus abnehmen können, dass er ihm das Gut so gegeben, ein Fremder hätte es nicht so erhalten. Der Tochtermann habe ihm noch gestern geschrieben, er solle, statt so viel in die Schatzung zu geben, eine Steigerung darüber halten; er löse ein grosses Kapital, das er ihm zu fünf oder sechs verzinsen wolle. Aber er wolle seine Sachen nicht versteigern, und was er geschrieben habe, das habe er geschrieben. Zum Zeichen der Zufriedenheit wolle er ihm aber noch etwas tun. Er solle das Päckchen nehmen, es sei etwas an die Kosten des morndrigen Tages. Er wisse, Uli sei huslich und halte jetzt besonders sein Geld zusammen, aber morgen solle er nicht sparen und sich gehen lassen. Huslichkeit sei eine schöne Sache, aber am Hochzeittage dürfe man nicht auf den Kreuzer sehen; wo es geschehe, sei es meist eine böse Vorbedeutung; wenn die junge Frau halb hungrig heimkomme und pläre, so komme das selten gut. Uli weigerte sich erst, dankte vielmals für alle schon erhaltenen Vergünstigungen, versprach noch einmal alles Gute und nahm es endlich doch, obgleich er es nicht bedürfe und dafür Geld gerüstet hätte. Da lachte die Mutter: Das werde ein Haufen sein, sie könne es sich schon denken; sie wisse, wie er es habe. Was er Ungerades zu einem Neutaler habe, das werde gerüstet sein, aber wechseln werde er kaum etwas lassen wollen. Ei, sagte Uli, wenn man das Geld genug verdienen müsse, so zähle man die Batzen, ehe man sie ausgebe, und jetzt könne er gar nicht begreifen, wie man an einem Tage so