Und Ihr werdet Lehenmann in der Glungge? Das freut mich. Ihr seid nicht wie so viele Knechte, denen man kaum ansieht, dass sie Menschen, geschweige dass sie Christen sind, Ihr stellt Euch wie ein Mann dar und tut auch wie ein Christ." "Ja," sagte Uli, "warum sollte ich Gottes vergessen? Ich habe ihn nötiger als er mich, und wenn ich ihn vergesse, darf ich dann hoffen, dass er an mich denkt, wenn er seine Gaben und Gnaden austeilt?" "Ja, Uli, das ist schön," sagte der Pfarrer, "und ich glaube, auch er habe Euch nicht vergessen. Ihr habt ein gutes Lehen, und ich glaube, Ihr bekommt eine gute Frau. Ich rede nicht vom arbeiten und Haushasten, da wird Vreneli gerühmt, ich weiss es wohl; arbeiten und Haushasten ist gut, aber doch nur eine Nebensache. Vreneli scheint leichtsinnig und flüchtig, aber ich weiss, es sinnet auch tiefer und hat ein gutes Herz." Vreneli hatte seine Ohren bei diesem gespräche, wie eifrig es vom Flachs redete. So wenig es früher dieses merken liess, so wenig konnte es sich jetzt entalten, zu sagen: "Aber Herr Pfarrer, Ihr könntet nur auch zu viel zutrauen." "Nein, Vreneli," sagte der Pfarrer, "ich sehe in der Unterweisung in gar manches Herz hinein, man weiss es nicht, ich höre gar manches, man glaubt es nicht, und dazu errate ich noch vieles. Bist du nicht auch schuld, dass Ihr bei diesem grässlichen Wetter hereingekommen? Sieh, ich wünsche von ganzem Herzen, dass dieses der strübste gang ist, den ihr mit einander während Eurer Ehe geht. Doch was Gott verhängt, weiss niemand, wenn nur alles zur Seligkeit dienet. Aber das kann ich wohl wünschen, dass Ihr keinen so struben gang mehr tun müsst durch des Einen oder Andern Schuld. Was von Gott kommt, das lässt sich alles tragen, wenn Zwei in Gott eins sind; aber wenn der Eigensinn oder die Wunderlichkeit oder die leidenschaft von Mann oder Weib Unglück über eine Ehe bringen, Ärgernis und Elend, und das Unschuldige muss mit aus dem bittern Kelch trinken, muss bei jedem zug denken: Daran ist mein Gatte schuld, wenn er nicht wäre oder anders wäre, so wäre das auch nicht, da wird das Leben ein Wermutstrank und der gang durchs Leben ist noch viel ungestümer als euer heutige gang. Und wenn man am Ende ist und es gehen einem die Augen auf und man sieht, dass man das Unwetter selbst war auf dem Lebensweg, das einem Gatten die ganze Lebenszeit verfinstert, getrübt hat, dass er unsertwegen einen so schweren gang hätte, während er bei etwas weniger Eigensinn oder Wunderlichkeit einen recht schönen, heitern hätte haben können: denke, Vreneli, was muss man sich da für ein Gewissen machen!"
Vreneli war ganz rot geworden, das wasser trat ihm in die Augen, und die Frau Pfarrerin sagte: "Aber Mannli, du machst ja dem Meitschi ganz angst, kommst so ernstaft, dass es mir selbst den rücken auf geht, und du weisst doch nicht, ob die Sache so ist, wie du meinst." "Ich kann mich irren," antwortete der Pfarrer, "aber ein ernstes Wort gehört zu diesem ernsten Gange. Ihr werdet Euch Euer Lebtag erinnern an das grässliche Wetter und das mühselige Gehen, da kommt dann auch die freundliche Mahnung Euch in Sinn, auch wenn Vreneli diesmal nicht schuld war, dass jedes sich hüten solle, dass das Andere nicht durch seine Schuld beschwert werde, leiden müsse, dass wir daseien, einander das Leben zu erleichtern und zu versüssen und nicht zu verbittern und mühselig zu machen. Paulus sagt, die Ehe sei ein Geheimnis; er hat recht, aber die Liebe, die er im dreizehnten Kapitel im ersten Brief an die Korinter beschreibt, ist der Schlüssel dazu. Habe ich dir unrecht getan, Vreneli, so zürne mir nicht; du sollst wissen, dass ich es doch gut mit dir meine."
Da begannen die wasser aus den Augen zu rollen, und Vreneli bot dem Pfarrer die Hand und sagte: "Ihr habt mehr als recht, ich bin schuld daran, bin ein wüst und wunderlich Meitschi gewesen. Was Ihr mir gesagt, will ich nicht vergessen, es soll nur eine Warnung sein für mein Lebtag. Ich habe es nicht bös gemeint, habe nicht daran gedacht, dass es so kommen werde; es ist mir zuwider gewesen, zu kommen, und da habe ich alles hervorgesucht, um es zu verschieben. Aber es soll mir eine Warnung sein!" Nun, nun, sagte der Pfarrer, "gräme dich nicht. Es ist allerdings ein schwerer gang, zum Pfarrer, das Hochzeit anzugeben. Ich begreife, dass es einem Mädchen bange werden muss dabei, und dass man das Schwere so weit von sich wegschiebt als möglich, ist menschlich, und es tun das noch viel andere Leute als nur junge Meitscheni. Es ist eben die schwerste Lebensaufgabe, das Schwere auf sich zu nehmen, vor dem Schwersten nicht zu zagen und zu zittern. Das meiste Unglück der Menschen besteht eigentlich nur darin, dass sie sich mit Händen und Füssen gegen das Kreuz, das sie tragen sollen und tragen müssen, stemmen und wehren. Es ist ganz recht, wenn es den jungen Leuten