dem Wägeli reiten, um das Hochzeit anzugeben! Da würden die Leute ja erst recht zu reden haben, und wir kämen das andere Jahr in die Brattig, und das Wägeli käme zmitts auf die grosse Helge." Nun wollte die Base Uli aufweisen, er solle nicht gehen, aber dem war es recht, wenn Vreneli nur einmal gehen wollte. Aber wunder nehme es ihn, wie Vreneli durchkommen wolle. Etwas hätte es verdient um sein wunderlich Tun, und so wollten sie es in Gottes Namen wagen, könnten sie doch jetzt zusammen gehen und brauchte Keins dem Andern hinter einem Hag oder hinter einer Scheuer zu warten, wie es sonst üblich sei. Die Base, beständig brummend über diese Narrheit, half doch, so gut sie konnte, bei der Ausrüstung zu dieser Fahrt, brachte Joggelis Mantelkragen und seine Pelzhandschuhe; aber bei jedem Stück, das sie brachte, sagte sie: "Los, Meitschi, das kommt gewiss nicht gut. Wenn du so wunderlich tun willst, so schlägt dir Uli vom Nest. Wenn ein Meitschi so tut, du mein Gott, was soll das für eine alte Frau werden! Die Wunderlichkeiten nehmen mit dem Alter zu, das kann ich dir sagen."
Als sie endlich fertig waren und die Küchentüre aufmachten, musste Vreneli dreimal ansetzen, bis es draussen war, und Uli musste seinen Hut zuhinterst in der Küche wieder suchen. Die Base fing von neuem an zu jammern, sie zu beschwören, sie sollten doch dr tusig Gottswillen nicht gehen, sie kämen ja um! Aber Vreneli setzte zum drittenmal an mit aller Kraft, war im Schneewirbel verschwunden, der Base Gejammer verhallte ungehört. Es war wirklich ein halb halsbrechender gang, und Uli musste dem Mädchen aushelfen. Den Wind gerade im Gesicht, verloren sie öfters den Weg, mussten manchmal stillestehen, sich umsehen, wo sie seien, mussten Atem schöpfen, sich umdrehen, die grellsten Stösse vorbeizulassen; sie brauchten Dreiviertelstunden für die kleine Viertelstunde bis zum Pfarrhaus. Dort klopften sie sich erst so gut möglich vom Schnee rein, dann an die tür. Lange klopften sie umsonst, der Schall verlor sich in des Windes Geheul, das schauerlich durch die Kamine toste. Da verging Vreneli die Geduld, statt des ehrerbietig klopfenden Uli klopfte nun es, dass sie drinnen von ihren Sitzen auffuhren, die Frau Pfarrerin sagte: "Herr Jeses, Herr Jeses, was ist das!" Der Herr Pfarrer aber beruhigte sie und sagte: Das werde ein Kindbettimann oder ein Hochzeit sein, die schon mehrere Male geklopft; aber Marei werde wieder nichts gehört haben, wie es es im Brauch habe. Unterdessen Marei Bescheid gab, zündete er bereits ein Licht an, damit die Leute nicht lange warten müssten, und sobald Marei zur tür hinein sagte: "Herr Pfarrer, es sind zwei Lütli da", trat er schon heraus.
Hinter der Haustüre stunden die Beiden, Vreneli hinter Uli. Der Pfarrer, etwas klein, in eben rechtem Alter, aber bereits mit einem ehrwürdigen haupt versehen und klugen Zügen, die sehr scharf und sehr freundlich sein konnten, hob das Licht über sein Haupt empor, sah etwas vorwärtsgebeugten Hauptes darunter durch und rief endlich: "Eh, Uli, bist du es, bei solchem Wetter! Und hinter dir wird wohl Vreneli sein," sagte er, mit dem Lichte herumzündend. "Nei aber," rief er "bei solchem Wetter? Und die gute Glunggebäurin hat euch gehen lassen! Marei, komm," rief er, "putz mir die Lütli ab, nimm diesen Kragen und trockne ihn." Marei kam mit seiner Lampe sehr gerne her. Da tat die Frau Pfarrerin auch die tür auf mit dem Lichte in der Hand und sagte: "Führe doch die Lütli hier herein, es ist wärmer als bei dir, und Vreneli und ich kennen einander gar wohl."
Da stand nun Vreneli im Glanz von drei Lichtern noch immer zwischen Uli und der tür und wusste nicht recht, was für ein Gesicht es vornehmen solle. Endlich machte es gute Miene zum bösen Spiel, kam hervor, grüsste sittig den Pfarrer und dessen Frau und sagte, die Base lasse ihnen guten Abend wünschen, der Vetter auch. Das sagte Vreneli mit der unschuldigsten Miene von der Welt. "Aber," sagte drinnen der Pfarrer, "warum kommt ihr bei solchem Wetter? Es ist ja für darin umzukommen!" "Es hat sich nicht wohl anders geschickt", sagte Uli, der die Mannespflicht, den Eigenwillen seiner Frau auf seine Schultern zu nehmen, zu fühlen begann, eine Pflicht, die man am Ende notgezwungen üben muss, entweder um nicht unter dem Pantoffel zu scheinen oder die Schwachheiten der Frau nicht auszubringen. "Wir durften nicht länger warten," fuhr er fort, "da wir den Herrn Pfarrer bitten möchten, die Sache noch da und dort anzuzeigen, damit es auf den nächsten Sonntag verkündet werden könne." dafür seien sie wohl spät, sagte der Pfarrer, er wisse nicht, ob die Post vor dem Sonntag käme an beide Orte. Es sei ihm leid, sagte Uli, daran hätten sie nicht gedacht; Vreneli tat, als ob ihn es die Sache nichts anginge, und redete recht eifrig mit der Frau Pfarrerin über den Flachs, der so schön geschienen und doch beim Hecheln gar nicht ausgeben wolle.
Als die Formalitäten zu Ende waren, sagte der Pfarrer zu Uli: "